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Review: Mercury Fang
 
IGNITION

Album:
 IGNITION, 2007, Rivel Records

Stil:
 Hard Rock, Modern Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 27.12.2007

Review:
 Als der Bassist Olle Bodén und Drummer Ken Savefjord beschlossen, die Band aus der Taufe zu heben, liegt schon fast zehn Jahre zurück. Seit damals sind sie zu einem Quintett angewachsen undkönnen auf reichhaltige musikalische Erfahrungen mit Bands wie House of Shakira, Oz oder dem schwedischen Geheimtipp Atlantis zurückblicken.
Das interessante an ihrer Musik ist sicherlich, dass sie sich mit Haut und Haaren den Klassikern der 70er und 80er verschrieben haben. Leicht lassen sich Größen wie Deep Purple oder auch die Ableger Whitesnake erkennen. Aber Halt! Mercury Fang begnügen sich nicht mit dem schnöden Abkupfern alter Zöpfe, sondern sie verstehen es geschickt, die klassischen Wurzeln in ihr Songmaterial einzuflechten.

Mit Volldampf, tief gestimmten Gitarren und Hammond Orgel-Klängen beginnt "Fly away" ziemlich genau dort, wo sich die großen Vorbilder Whitesnake oder Deep Purple schon vor zwanzig Jahren bewegten. Jedoch hat man es nicht versäumt, dem Song einen komplett neuen Anstrich zu verpassen. Der Stil ist also in der modernen Fassade zu erkennen, aber sie ist definitiv neu, inklusive interessanter Breaks und Gitarren-Soli.
Anders läuft der Hase bei den folgenden "Run for you" und "Crossfire". Hier hat man etwas den Druck und das Tempo herausgenommen und sich der guten alten AOR-Tugenden erinnert. Survivor und Pride of Lions lassen hier grüßen, jedoch ist es trotz melodischem Grundgerüst kein schneller Durchrutscher. Jede Menge interessantes Füllwerk erzeugt die nötige Reibung.
Mit heftigen Orgel-Retro-Sound schwimmt "Time to sail away" auf ruhigeren Wellen, die in guter alter Whitesnake-Manier immer wieder mit energiegeladenen Einlagen gewürzt werden. Und was nach den ersten ruhigen Passagen noch im AOR-Fahrwasser dahindümpelte, mutiert zu einem recht harten Rocker nahe am Mahlstrom, jedoch mit versohnlichem Ausklang.
Nu Metal oder was? Die Gitarren sorgen bei "Heading out for Love" zunächst für einen ziemlich harten Einstieg, der aber bald an Gefälligkeit gewinnt und den hart agierenden Gitarren-Riffs etwas Schärfe nimmt - abwechslungsreich und zeitgemäß.
"Down the Drain" gehört zu eine der härtesten Song auf diesem Album und besticht vorallem durch variantenreiches Gitarren-Spiel und druckvoller Slap-Bass-Unterstützung. Wie schon bei allen Vorgängern liefert auch hier der Frontmann Frederik Glimbrand mit der nötigen Portion Leidenschaft eine sehr gute Figur ab.
Was ist Deutsch an "By you"? Nun, der Einstieg mit Rammstein-Riffing wird nicht einmalig bleiben. Ansonsten hat man sich deutlich in die Moderne bewegt und einen Song gebastelt, der mit jeder Menge progessiven Elementen schon ein paar Wiederholungen erfordert.
Wer auf sanftere Klänge steht, der wird in "Way out of Line" sicherlich schnell seinen Favoriten finden. Auch wenn sich der Song nicht als waschechte Ballade verkaufen lässt, so sorgt er besonders mit seinem bluesigen Einschlag und einigen gefühlvollen Gitarren-Einlagen für Ruhe und Entspannung.
Für den Ausstieg hätte ich "She's just like the Devil" und "Stand your Ground" vertauscht. "She's just like the Devil" schwimmt genau wieder auf der Retro-Welle, wie es der Opener bereits zelebriert hatte. Mit "Stand your Ground" kam bei mir jedoch angesichts der etwas drucklosen Ausrichtung kaum der Wunsch auf, sofort den Repeat-Knopf zu drücken. Hier hat man meiner Meinung nach einen Bonus verschenkt.

Fazit: Heraus kam dabei keine Hardrock-Standard-Nudel-Scheibe, sondern ein durchaus eigenständiges Werk, das sich deutlich abseits des modernen Mainstream bewegt. Für Turbo-Konsumenten mag dies ein Grund sein, hier die Nase zu rümpfen, denn viele Songs erschließen sich mit ihrer ganzen musikalische Rafinesse erst nach mehreren Durchläufen. Das ist auch eines der Punkte, die auffallen, denn leider verhindert der Pfad abseits gewohnter Wege nicht nur den schnellen sondern auch den dauerhalten Zugang - es bleibt wenig hängen.

Anspieltipps:
 "Crossfire", "Time to sail away", "Heading out for Love" und "Down the Drain".

Tipp:
 Wer einmal hören möchte, wie sich Deep Purple und Whitesnake nach 20-jähriger Musikentwicklung anhören könnten, der hat hier die Möglichkeit eine der Alternativen zu erleben.

Titel-Liste:
 
  1. Fly away
  2. Run for you
  3. Crossfire
  4. Time to sail away
  5. Heading out for Love
  6. Down the Drain
  7. By you
  8. Revelation
  9. On Fire
  10. Way out of Line
  11. She's just like the Devil
  12. Stand your Ground

Laufzeit:
 55:36 Min.

Band-Infos:
 
  • www.mercuryfang.com 


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