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Review: Moon Bird
 
HUMANS

Album:
 HUMANS, 2009, Kwinch Music

Stil:
 Progressive Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 U.B., 15.08.2009

Review:
 Moon Bird wurde im Jahre 2004 als Solo Projekt von James Kwiecinski aus der Taufe gehoben. Er begann bereits mit 10 Jahren mit Drums und spielte mit seinen Brüdern in einer Band um sich später einem Kunststudium der Malerei zu widmen was er mit einem Master abschloss. Danach entdeckte er seine Liebe zur Musik neu und James richtete sich ein eigenes Studio ein. Seit 2006 ist auch sein alter Freund Darryl Lynch in das Moon Bird Projekt eingebunden. James Kwiecinski ist ausgesprochen kreativ und mit HUMANS liegt nun schon das siebte Moon Bird Album vor. Es handelt sich um ein Konzept Album, die Menschheit ist an einem Punkt angelangt an dem die Probleme völlig aus dem Ruder zu laufen scheinen. Die Verantwortlichen in der Politik haben keine Lösungen und steuern immer tiefer in die Krise. Das Album ist bei den Lyrics sehr sozialkritisch und von pessimistischen Strömungen geprägt und vom Thema ähnlich wie der Song "Crime of the Century" von Supertramp. James Kwiecinski hat Vocals, Keyboards und Gitarre übernommen und Darryl Lynch Gitarre, Bass und Drums. Das Album umfasst nicht weniger als 19 Songs die teils sehr kurz sind und meist ineinander übergehen bzw. ein- und ausgefadet werden. Die Bezeichnung Progressive Rock trifft den Stil eigentlich nicht sonderlich genau. Experimental Rock beschreibt es besser, handelt es sich doch weniger um progressive Elemente als vielmehr um ziemlich abgefahrene Klangstrukturen mit deutlichen Pink Floyd Einflüssen.

Mit den Schlagen eines Herzens und statischen Störgeräuschen sowie Stimmen aus dem Hintergrund beginnt "Humans". Der Track hört sich an wie ein Mix aus verschiedenen Songs. Dazu gibt es Synties, Drums und Gitarren. Die einzelnen Songfragmente werden weich ineinander übergeblendet.
Auf "Donīt let me go" herrschen die leisen Töne vor. Keyboards die nach Bratsche und Geigen klingen begleiten den verhaltenen, fast gehauchten Gesang.
"Front Line" hat viel Bass und erneut Syntie Einlagen die an Emerson, Lake und Palmer erinnern. Die E-Gitarre ist verfremdet und klingt Space Rock artig. Langsam werden die Instrumente dann intensiver. Der mehrstimmige Gesang wiederholt sich wie bei einem Echo.
"Daddy come Home" ist von der Melodie deutlich an Pink Floyd angelehnt. Ein sehr kurzes Stück mit Akustikgitarre und Vocals.
Auch "Full Spectrum Dominance" hat spürbar Anleihen bei Pink Floyd genommen. Die Melodie ist stimmig und die Gitarre könnte auch von David Gilmour gespielt sein. Die Vocals bedienen sich einer übertrieben drastischen Sprache die in hartem Kontrast zur Musik steht aber das ist garantiert beabsichtigt.
Futuristisch wabernde Keyboards gibt es auf "I just want to know".
Und nochmals wird Pink Floyd bemüht. "Lost again" erinnert mich spontan an "Hello is there anybody out there" vom Mega Album THE WALL. Höhepunkt ist der perlende Klang der Gitarre. Die Lyrics beschäftigen sich mit starken Zweifeln an der politischen Führung.
Stimmengemurmel leitet "Somebody tell me" ein. Zu den ganz zarten Pianoakkorden gesellen sich später noch Drums und Gitarre. Die Melodie geht gut ins Ohr.
Mit "We own you" erleben wir eine markante Zäsur. Das Stück wird nicht sanft eingeblendet sondern rockt hart mit treibenden Gitarren los und auch die Drums gehen vehement zu Werke. Nach viel gebremstem Tempo endlich eine Uptempo Nummer.
"Interlude" ist genau was der Titel verkündet, eine Art Zwischenspiel das mit Vogelgezwitscher und Streichern vom Keyboard, die teils auch wie Flöten klingen, tiefe Ruhe ausstrahlt.
Nachdenkliche Stimmung ist auf "Greed and Ignorance" das Motto. Die leisen Gitarren und beinahe Sprechgesang begleiten die Lyrics die von der Ausbeutung der Natur und einer wenig lebensfreundlichen Zukunft handeln. Ein Öko Song den man mit ähnlicher Thematik schon häufig gehört hat.
"Before the Humans" macht nahtlos weiter. Der anklagende Unterton findet sich auch hier. Anfang und Ende bilden Wasserplätschern. Auffällig im positiven Sinne ist das tribal Drumming was dem Stück wenigstens etwas Dynamik verleiht.
"Sea of Blood" ist in meinen Augen eine unspektakuläre Nummer genau wie "We still own you". Das verhaltene Tempo ist wie zähflüssige Lava.
Viel interessanter wurde "Memorial in E-Minor" gestaltet was zwischen den beiden Stücken liegt. Aus der Erzählstimme eines Predigers löst sich die Musik. Die Gitarren mit lang gezogenen Tönen spielen sich im Psychedlic Rock Bereich ab. Das Stück ist nur sparsam instrumentiert und dennoch überzeugend von der seltsamen Atmosphäre.
Pink Floyd Fans kommen auf "Before we drown" schon wieder auf ihre Kosten. Das Stück ist mit leichtem Hall unterlegt und die Vocals scheinen aus weiter Ferne zu kommen.
"Humans II" ist nur sehr kurz, eine Mischung aus Piano und Keyboards mit einem stark aufspielenden Bass.
Mit "After the Humans" kann ich so gar nichts anfangen. Die depressive Endzeitstimmung nervt langsam.
Den Abschluss bildet "Humans final Reprise". Ein Prog Song mit Anleihen bei "Eclipse" vom Album DARK SIDE OF THE MOON. Wobei die Klasse von Pink Floyd leider nie erreicht wird.

Fazit: Humans ist ein Album was mich mit zwiespältigen Gefühlen zurück lässt. Auf der einen Seite ausgesprochen interessant und mit richtig starken Momenten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige belanglose Stellen. Die Scheibe ist eine Reise durch fremdartige Klangwelten mit durchweg depressiver Atmosphäre. Die Sprache ist oft sehr drastisch so findet sich das F- Wort in einigen Songs gleich dutzendweise, dass sich selbst mancher Rapper verwundert die Augen reibt. Hier scheint sich Kwiencinskis Sozialkritik und Wut auf bestehende Missstände ein Ventil gesucht zu haben. Der Pink Floyd Einfluss ist bei einigen Tracks überdeutlich. Ich meine auch vielfach eine leichte Mischung aus Rush, alten Genesis und Softmachine zu vernehmen. Manche Songs sind dem Bereich Psychedelic Rock verbunden. Von den Instrumenten beherrschen die beiden Multiinstrumentalisten ihre Sache voll und ganz. Der Gesang überzeugt mich weniger und geht so manches Mal in die Sprechgesang Ecke. Das schleppende Midtempo ist auf Dauer zu eintönig, die experimentale Seite der Musik übertrieben ausgeprägt. Das Thema Untergang der Menschheit ist angesichts von Umweltkatastrophen, massiven Klimaveränderungen etc. aktuell, aber inzwischen auch schon fast überstrapaziert worden.

Anspieltipps:
 "Full Spectrum Dominace", "Lost again", "We own you" und "Memorial in E- Minor"

Tipp:
 Wer auf der Suche nach ausgefallenen Musikexperimenten ist sollte sich HUMANS zu Gemüte führen und wird vielleicht durch die Andersartigkeit des Werkes fasziniert.

Titel-Liste:
 
  1. Humans
  2. Donīt let me go
  3. Front Line
  4. Daddy come Home
  5. Full Spectrum Dominance
  6. I just want to know
  7. Lost again
  8. Somebody tell me
  9. We own you
  10. Interlude
  11. Greed and Ignorance
  12. Before the Humans
  13. Sea of Blood
  14. Memorial in E- Minor
  15. We still own you
  16. Before we drown
  17. Humans II
  18. After the Humans
  19. Humans final Reprise

Laufzeit:
 66:27 Min.

Band-Infos:
 
  • www.moonbirdmusic.com 


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