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Review: Nachtgeschrei
 
AM RANDE DER WELT

Album:
 AM RANDE DER WELT, 2009, Massacre

Stil:
 Mittelalter Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 15.03.2009

Review:
 Nachtgeschrei enstanden erst im Jahre 2006 aus den Überresten der Folk-Rock-Band Black Sheep und der Melo-Death-Truppe Paimon. Doch schon bald konnten sie erste Erfolge verzeichnen, indem sie unter anderem im Vorprogramm von Bands wie In Extremo, Subway To Sally oder Ensiferum spielten. So wurde Massacre Records auf die sieben Leutchen aus Frankfurt (am Main) aufmerksam und ein Labelvertrag war die logische Konsequenz.
Am 02.05.2008 erschien dann Nachtgeschreis Debüt HOFFNUNGSSCHIMMER unter dem Banner von Massacre und erhielt positive Resonanz. Besonders die spielerische Frische wurde von den Reszensenten gerne hervorgehoben. Dennoch ruhen sich Nachtgeschrei auf ihren Lorbeeren nicht aus, denn nach nicht einmal 11 Monaten geht jetzt das Nachfolgewerk AM RANDE DER WELT an den Start.
Im Line-Up gab es einen Wechsel: Daniel Arncken wurde hinter dem Schlagzeug von Stefan Kolb ersetzt. An der sonstigen Besetzung hat sich nichts geändert. Sie besteht weiterhin aus Holger Franz (Gesang), Joachim Penc (Keyboards), Dominik Stephan (Sackpfeifen), Sanedin Pepeljak (Gitarre), Tilman Scholz (Gitarre) und Oliver Klein (Bass).
Der erste Blick auf das Artwork von AM RANDE DER WELT lässt mich an den Feuerberg aus Tolkiens "Herr der Ringe" denken. Vielleicht beabsichtigten die Hessen sogar diese Assoziation. Es passt aber irgendwie zum Albumtitel.
So, nun wollen wir mal schauen, ob Nachtgeschrei ihr erfrischendes Spiel auch auf dem Nachfolger beibehalten haben.

Der Opener "Fiur" beginnt mit der Akustik-Gitarre, die dann alsbald Gesellschaft der weiteren Instrumente bekommt. Der Song bleibt instrumental und die elektrischen und akustischen Abschnitte wechseln sich ab oder agieren auch miteinander. Ein interessanter und melodischer Einstieg in die Scheibe.
Typischer Mittelalterrock mit Dudelsackpräsenz neben den klassischen Rockinstrumenten ist "Muspilli". Die Hauptmelodie geht dabei ganz gut ins Ohr und wird auch ensprechend ausgereizt. "Herz aus Stein" gründet trotz des eher melancholischen Textes auf druckvollem Groove und stimmungsvoller Atmosphäre. Man neigt ganz automatisch dazu, den Takt mitzuwippen.
Nach einem E-Gitarreneinstieg geht "Fernweh" in den akustischen Bereich über. Der Aufbau ist besinnlich und mutet schwermütig an, mündet schließlich in den Refrain, bei dem die geballte Istrumentenpower wieder einsteigt. Der Song wird schön emotional rübergebracht, was auch am charakteristischen Gesang von Holger Franz mit seinem leicht rauchigen Organ liegt.
"Niob" ist von Anfang an sehr druckvoll. Hier macht der Mittelaltermetal seine Aufwartung. "Lauf!" klingt in einigen Punkten dagegen wie authentisches Minnesängerliedgut, nur wenn die E-Instrumente einsteigen, übernimmt die rockige Seite. Auch hier wirken die Wechsel zwischen Akustik- und E-Musik sehr gelungen.
"Windfahrt" gehört in die Kategorie der flotteren und stimmungsvollen Songs. Die Melodie, deren Führung sich Dudelsack und Leadgitarre teilen, ist wieder ein ausgesprochener Ohrcatcher.
Mit "Nur ein kleines Stück vom Himmel" wird die Atmosphäre wieder tiefgründiger mit akustischen Phasen. Dennoch hat dieser Song das beste Lead-Gitarren-Dudelsack-Solo des Albums.
Die folkloristische Seite bestimmt "Wahrheit". Diese ist wiederum zweigeteilt in akustische, besinnliche Abschnitte und die schwungvolleren Phasen mit voller Instrumentenpower.
Das schwermütige, düsterer arrangierte "Der Totmacher" kann keine neuen Akzente setzen. Hier klingt alles, wie bereits zuvor auf der Platte gehört.
Den Abschluss macht mit "Glut in euren Augen" eines der Stücke, in denen sich die ruhigeren, akustischen Parts mit den Abschnitten voller Instrumentenpower abwechseln. Meines Erachtens wird auch das zu oft wiederholt, wenngleich der Track melodisch ganz gut punktet.

Fazit: Im Großen und Ganzen machen Nachtgeschrei dort weiter, wo sie bei HOFFNUNGSSCHIMMER aufgehört haben. Ihr Mittelalterrock klingt frisch und nicht abgenutzt. Außerdem präsentieren sie sich abwechslungsreich. Nur gegen Ende der Platte habe ich den Eindruck, dass sie sich ein wenig selbst kopieren. Das gibt leichte Abzüge im Gesamtergebnis.
Vom technischen Standpunkt gibt es nichts zu meckern. Die Musiker verstehen ihr Metier. Der Dudelsack ist gut in den Sound integriert und nicht zu dominant. Der Gesang von Holger Franz erinnert mich ganz entfernt manchmal an Herbert Grönemeyer (sorry!). Er ist aber markant und drückt den Songs auch eine eigene Note auf.
Nachtgeschrei müssen sich mit AM RANDE DER WELT keineswegs hinter großen Namen des Genres verstecken. Im Gegenteil: Gerade von Subway To Sally & Co. kommt in letzter Zeit nichts Besonderes mehr. Hier können die Hessen sogar in eine Lücke stoßen.

Tipp:
 Aus Frankfurt kommt frisches Futter für die Mittelalter-Fans. Ich würde den geneigten Anhängern der Spielart dazu raten, Nachtgeschrei und ihr Zweitwerk AM RANDE DER WELT mal anzustesten.

Titel-Liste:
 
  1. Fiur
  2. Muspilli
  3. Herz aus Stein
  4. Fernweh
  5. Niob
  6. Lauf!
  7. Windfahrt
  8. Nur ein kleines Stück vom Himmel
  9. Wahrheit
  10. Der Totmacher
  11. Glut in euren Augen

Laufzeit:
 46:39 Min.

Band-Infos:
 
  • www.nachtgeschrei.de 


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