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Review: Neuntöter
 
NEUNTÖTER

Album:
 NEUNTÖTER, 2008, Eigenvertrieb

Stil:
 Mittelalter Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.U., 18.02.2009

Review:
 Diesmal stellen die vier Jungs aus dem baden-württembergischen Schriesheim (nördlich von Heidelberg an der Bergstraße gelegen) ihr erstes Album NEUNTÖTER vor. Die Bandmitglieder kennen sich schon seit längerem, da sie zuvor bereits in der Rotten-Folk-Core Band Stahlbrezel zusammengespielt hatten. Also ein eingespieltes Quartett, was man musikalisch auch hören kann. Der Bandname Neuntöter leitet sich vom gleichnamigen Vogel ab, der zur Familie der Würger gehört und es liebt, seine Beute auf Dornen aufzuspiesen. Doch so brutal ist die Band nicht, auch wenn sie ihre Stilrichtung selbst als aggressiv-melodisch und hart bis düster bezeichnet. Ihr erstes Album entstand im Jahre 2008 nach zahlreichen Live-Auftritten und intensiver Studioarbeit, gepaart mit einer Weiterentwicklung ihrer musikalischen Fähigkeiten: Noch prägnanter, härter und auch melodischer. Na, dann wollen wir uns das Werk einmal anhören.

Der erste Song, der wohl als Intro fungiert, trägt den Titel "Kindheitstrauma". "Wenn man den sich anhört, bekommt man wirklich ein Trauma. Schrille, elektronische Töne a la Spieluhr treiben einen schon nach kurzer Zeit in den Wahnsinn. Bloß schnell weiter..."
Dafür entschädigt einen der nächste Song "Totenlied". Der ist wirklich heftig. Musikalisch erinnert einen an die bekannten Bands, die sich dem Mittelalter verschrieben haben. In Extremo oder Letzte Instanz lassen grüßen. Wobei die Stimme ein bisschen auch an Rammstein erinnert. auch die Melodie ist einfach genial. Die geht einem so richtig ins Gehirn und frisst sich dort fest.
In gleicher Manier erfreut den geneigten Zuhörer der Song "Dornenhaut". Es ist von der Struktur sehr ähnlich dem Vorgänger. Da sorgt dafür, dass man schon anfangs eine gewisse Linie erahnen kann.
"Sturmkind" ist ein bisschen schwerwiegender und getragener. Auch wenn der Song die Linie von vorher aufnimmt. Das ist allerdings nicht als schlecht zu bewerten, da dies wohl die stilistische Ausrichtung der Band widerspiegelt. Der tendenziellen Linie bleibt man treu.
Fröhliches Vogelgezwitscher leitet den folgenden Song "April Lust" ein. Ob das Vogelgezwitscher etwas mit dem Titel "April..." zu tun hat? Der Song ist sehr ruhig und wirkt ein bisschen depressiv. Getragene Klänge stellen den Grundton dar, auch wenn zum Ende hin wieder etwas härtere Töne angeschlagen werden. Dennoch ein insgesamt ruhiger Song.
"Gegen die Wand" beginnt noch langsamer, noch depressiver, noch mittelalterlicher. Aber der Schein trügt. Denn schon ein paar Takten zeiht der Rhythmus extrem an. Und man schwenkt wieder auf die Linie vom Beginn ein. Musikalisch klingt der Song etwas rockiger, etwas flüssiger und etwas bombastischer.
Dem Thema können sich die nächsten Songs "Ein Strick für Herodes" und "Zu Weit" nur anschließen. Würde der CD-Player nicht den nächsten bzw. übernächsten Track anzeigen, würde man keinen Unterschied zwischen den Songs feststellen. Also weiß man Bescheid...
Ziemlich düster beginnt "Rattengetier". Da bekommt man es schon fast mit der Angst zu tun. Klingt ein bisschen nach Verlies und Folter. Da kann man sich wirklich die Situation in einem mittelalterlichen Gefängnis vorstellen. Da ging es genauso wenig human vor. Und Angst machen war damals eh "in".
Dagegen klingt "Mörderfluch" schon wieder eher fröhlich, auch wenn man sich wieder im mittelalterlichen Gefängnis gefangen fühlt. Ein Schauer Jagd den anderen den Rücken herunter.
Ein bisschen schräger und mit umfangreichen Schlagzeugeinsatz beginnt "Wortlos". Der Song ist wieder einer von der Sorte schwerfällig und getragen mit leicht depressiven Einschlag. Ein übriges dazu tun die tiefen Gitarrenklänge und das monoton wirkende Schlagzeug. Alles im allen wird der Song seinem Titel "Wortlos" gerecht. Kein Text ist zu vernehmen.
"Süßes Gift" schlägt in die nahezu gleiche Kerbe wie "Wortlos". "Süßes Gift" ist die Variante von "Wortlos" mit Texten und Gesang. Diese tragende Art der Musik kann einen im Laufe des Album dermassen in den Bann ziehen, dass man bald geneigt ist, davon nicht mehr loszulassen. Irgendwie genial gemacht!
Ähnlich stellt sich "Göttermord" dar. Aber "Götter morden" macht wohl echt Spaß. Auf jeden Fall könnte man es aus der Art des Gesanges schließen, den der klingt irgendwie erleichtert und mit einer leicht fröhlichen Note im Hintergrund.
"Tollwut" ist wieder einmal ein Machwerk der düsteren Art. Dennoch bleibt man hier auch wieder der eingeschlagenen Linie treu und das Thema "Mittelalter" dominiert. Der Rhythmus ist wieder von er Art, "grabe Dich im Gehirn ein und lasse nicht mehr los".
Mit "Eintausend Sonnen" gelangen wir zum vorletzten Song. Dieser klingt wieder etwas ruhiger und bringt den Zuhörer letztendlich auf den Boden der Tatsachen zurück. Nach den bombastischen Eindrücken der letzten 14 Songs ist dies auch notwendig, damit man nicht ganz ab- bzw. dreht.
"Epilog" macht seinem Titel alle Ehre. Es ist wirklich ein Epilog. Ohne großartigen Einsatz elektronischer Instrumente, eher instrumentell angehaucht. Ein bisschen Gitarrengeklimper, etwas futuristisch angehaucht, und Gesang ala "unplugged" dominieren. Spätestens jetzt kommt man vom Trip herunter. Schade, dass das Album schon vorbei ist.

Fazit: Neuntöter liefern mit ihren erstan Album ein wahrhaft meisterliches und sehr professionell wirkendes Werk ab. Das Album klingt im Ganzen sehr durchgängig und in sich vollkommen stimmig. Stilistisch lehnt man sich beispielsweise an Gruppen wie Letzte Instanz oder In Extremo an, man spielt also eine Musik, die tendenziell Elemente mittelalterlicher Musik aufnimmt. 16 Songs für ein Debüt-Album zeugen von einer großen Begeisterung und einer Vielfalt an musikalischen Talenten. Lediglich der Beginn des Albums mit dem etwas seltsam klingenden Song "Kindheitstrauma" könnte potentielle Hörer beim ersten Mal abschrecken. Aber ansonsten Respekt! Es macht eben immer wieder Spaß, ein gut gemachtes Album zu hören. Unsere Empfehlung: Macht so weiter!

Anspieltipps:
 Hörenswert sind auf jeden Fall "Totenlied", "Dornenhaut", "Sturmkind", "Rattengetier", "Mörderfluch" und "Eintausend Sonnen".

Titel-Liste:
 
  1. Kindheitstrauma
  2. Totenlied
  3. Dornenhaut
  4. Sturmkind
  5. April Lust
  6. Gegen die Wand
  7. Ein Strick für Herodes
  8. Zu Weit
  9. Rattengetier
  10. Mörderfluch
  11. Wortlos
  12. Süßes Gift
  13. Göttermord
  14. Tollwut
  15. Eintausend Sonnen
  16. Epilog

Laufzeit:
 62:37 Min.

Band-Infos:
 
  • www.neuntoeter.com 


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