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Review: Neuser
 
ALLES WIRD LEICHTER

Album:
 ALLES WIRD LEICHTER, 2006, Universal

Stil:
 Indie-Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 M.W., 24.07.2007

Review:
 Die 1992 als Soloprojekt von Henning Neuser, der auch als Namensgeber fungiert, gegründete Band veröffentlichte 2006 quasi ihr zweites Debüt, da das Soloprojekt sich mit den Jahren zu einem Quintett entwickelt hatte. Seitdem machen die fünf Jungs bodenständigen Indie-Rock mit verdammt ehrlichen deutschen Texten.

Opener der Platte ist "Wie es ist", aufgebaut mit klarem Refrain, der mit kraftvollem Keyboard daherkommt und doch sehr ruhigem Strophenteil. Besungen wird der/die Unbekannte und die Suche nach dem Gefühl mit ihm/ihr einen Teile des Lebens zu verbringen. Insgesamt ein solider Einstieg mit wenig Extravaganz.
"Super Sachen" erinnert im ersten Moment an eine Ballade von Echt. Darin blickt Henning Neuser zurück auf eine super Zeit und ruft sich diese vor Augen. Die Gitarren sind eher hintergründig und auch das Schlagzeug hält sich bedeckt. Dies ist keiner der Titel, der unbedingt empfehlenswert wäre.
Ab jetzt geht's steil bergauf, denn Neuser hauen uns ihren Radiohit "Vorn vorn anfangen" um die Ohren. Mit gut gegliedertem Aufbau und überzeugendem Gesang kann die Band überzeugen. Auch der Text ist nicht von schlechten Eltern. Der Song als Singleauskopplung ist gut gewählt, weil er sich durch seine Harmonie schnell zu einem Ohrwurm entwickelt.
"Jetzt leben wir" startet mit einem recht melacholischen Keyboard-/Klavierintro, gibt aber nach dreißig Sekunden Dampf. Das Schlagzeug gefällt mir vor allem wegen der bisher noch unbekannten Schnelligkeit. Auch die leicht verzerrte Stimme von Frontmann Henning und der druckvolle Gesang unterstützt von den Instrumenten bringen die Botschaft klar rüber: Ellbogen raus und für die eigene Meinung kämpfen, denn jetzt leben wir! Man achte auch auf die schön intervenierte Bridge.
Auch Lied Nummer fünf beinhaltet die bereits bekannten Riffs der Gitarre und die Drums. Das Keyboard schafft es diesmal das Lied zu dirigieren. Besonders bemerkenswert ist der Text, der über das Zusammenleben eines Liebespaares sachlich und distanziert berichtet. "Sie & ich" - auch ein Ohrwurm.
Mit "Farbenleere" wird eine andere musikalische Seite mit bedrückten Klängen angeschlagen. Henning besingt seine Liebe, die ihn verändern will, aber nicht seine Lebensfarben akzeptieren will. Dieser Song ist nur für Nachdenker empfohlen - nicht für Partystimmung.
Auch "Herzklopfen" weicht nicht von der ruhigeren Gangart ab. Anfänglich glaubt man, die Band erschaffe gerade ein Einschlaflied mit hauchenden Backgroundvocals. Der Klimax zieht sich extrem lange hin. Das Lied muss man mögen oder hassen. Ich mag es nicht.
"Das perfekte Gefühl" entführt uns wieder in eine fröhlichere Welt mit mehr Pep. Hier überzeugen wieder die Lyrics und der leicht abgehackte Gesang Henning Neusers. Auch dieser Song ist mal wieder eine Hommage an die Liebe mit verdammt guten Worten umschrieben. Hier steckt ebenfalls eindeutig Ohrwurmcharakter drin. Endlich kommen mal mehr Schlagzeug und Gitarren zum Zug, auch wenn das Keyboard wieder Dominanz zeigt. Unbedingt anhören!
Nun scheint wieder eine ruhigere Phase eingeläutet zu werden. Doch "Du bleibst" erweckt nur anfangs diesen Eindruck. Zum Refrain hin wird's wieder etwas kraftvoller. Die Band scheint dieses Lied der Person zu widmen, die sich in jedem Mitglied einen wichtigen Platz im Leben erschaffen hat. Trotzdem erinnert mich dieses Lied zu stark an Echt und kommt ein wenig schmalzig rüber.
"Keiner von euch" ist eindeutig für die Rockfraktion unter euch gemacht. Der Beat ist sehr eingängig und der Gesang passt sich den Gitarrenriffs wunderbar an. Es geht dabei um die Rebellion, die wohl jeder von uns in seiner Jugend durchmacht. Der Text beschreibt wunderbar die Hin- und Hergerissenheit zwischen Demonstration, Auflehnung, aber auch Opportunismus. Bisher ist dies das eindeutig rockigste Stück.
"Beschleunigung" hält, was der Titel verspricht. Bläser unterstreichen den Wille, den der Text vermittelt: ganz nach vorn zu kommen. Der Gesang erinnert mit dem Background zum Teil stark an Wir sind Helden. Insgesamt ist der Song zwar gut und eignet sich zum Abfeiern, die Platte hat aber auch bessere Stücke zu bieten.
Der letzte ist auch der längste Song. "Weit weg" wird eingeleitet von einem Klavier mit ruhigem Gesang, die weit weg zu sein scheinen. Henning Neuser betrachtet die Welt distanziert in der er lebt. Alles in allem ist das hier ein gelungenes Outro für die Platte, in dem nur kurzeitig andere Instrumente als das Klavier mitmischen.

Fazit: ALLES WIRD LEICHTER überzeugt vor allem durch seine intelligenten Texte und das abwechslungsreiche Keyboard. Aber auch Schlagzeug und Gitarre setzen in einigen - wenigen - Songs starke Akzente. Leider erinnern einige Stücke an schnulzige Echt-Balladen. Ansonsten kann sich die Scheibe aber durchaus auf dem Markt blicken lassen.

Tipp:
 Von vorn anfangen, Sie & ich, Das perfekte Gefühl, Keiner von euch

Titel-Liste:
 
  1. Wie es ist
  2. Super Sachen
  3. Von vorn anfangen
  4. Jetzt leben wir
  5. Sie & ich
  6. Farbenleere
  7. Herzklopfen
  8. Das perfekte Gefühl
  9. Du bleibst
  10. Keiner von euch
  11. Beschleunigung
  12. Weit weg

Laufzeit:
 45:52 Min.


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