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Review: Neuser
 
SELBSTAUSLÖSER

Album:
 SELBSTAUSLÖSER, 2008, Songpark

Stil:
 Indie-Rock

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 M.W., 10.02.2008

Review:
 Nach der Trennung von Universal wollen Neuser ihre Eigenständigkeit wahren nicht von den Labels zurecht gestutzt werden. Deshalb gründeten sie ihre eigene Plattenfirma, Songpark, bei der jetzt ihr zweites Album erscheint. Gemischt von Peter Schmidt (u.a. verantwortlich für die Beatsteaks und Reamon) und Moritz Enders, soll die neue Platte mehr Ecken und Kanten der Band aufzeigen und sich so vom Haifischbecken der Musikindustrie abheben. Produziert wurde das Album von Philipp Sutter und Henning Neuser. Die erste Single "Violetta" haben sie auch schon ausgekoppelt.

Nach etwa zwanzig Sekunden Rumgeplänkel gehen Neuser in die vollen und jammen drauflos. Der Beat von "Ohne uns" ist eingängig, besonders weil das Keyboard eine solide Basis mit dem Drumming schafft. Henning Neuser besingt seine Sehnsucht nach einer für ihn wichtigen Person. Ohne sie ist der Tag nur halb so schön. Das lyrische Ich hofft, dass "sie" sich auch zurücksehnt und sich die beiden wieder finden könnten. Der Song macht Mut bei schlechtem Wetter und für Wochenendbeziehungen!
"Autopilot" ist der Song von SELBSTAUSLÖSER, der mir wie ein Ohrwurm Tag und Nacht immer wieder begegnet. Der Song ist relativ rockig und flippig gespielt und gesungen. Neuser legen hier sehr viel Lebensgefühl hinein. Der Refrain ist auf jeden Fall ein Ohrwurm. Vielleicht wird's ja die nächste Single?
Mit dem dritten Track geht es wieder besinnlicher zur Sache. "Einbahnstraßen" berührt den Hörer vor allem wegen der harmonischen Synthesizer. Der Song ist Melancholie gemischt mit Nachdenklichkeit. Man kann sich einfach fallen lassen und über das Leben nachdenken. Viele werden sich mit den Lyrics identifizieren können, weil sie das abstrakte Leben und unsere von der Gesellschaft gesteuerten Taten in Frage stellen.
In wesentlich schnellerem Tempo und mit mehr Power geht's bei "Mach lauter" zur Sache. Neuser schildern das Leben, das genossen werden will. Es geht um die wichtigen Dinge des Lebens: Saufen, Essen, Fitnessstudio für ne Topfigur und natürlich Geld. Das Schlagzeug und die Gitarre bilden die Basis, auf der das Keyboard dieses Lebensgefühl auslebt. Der Break ist ziemlich unharmonisch, passt aber trotzdem gut.
Bei "Die Welt steht still" dachte ich zunächst an einen Revolverheld-Song. Diese Erwartung wurde glücklicherweise nicht erfüllt. Dieser Beitrag zählt - zumindest was die Strophen angeht - nicht zu meinen Favoriten auf dem Album. Der Refrain bleibt zwar im Ohr hängen, aber insgesamt kann dieser Track mich nicht so überzeugen wie andere auf der Platte. Auch wenn die Vocals hier wirklich Abwechslung präsentieren, gehört er nicht zur Top 5 des Albums. Das Outro ist jedoch durchaus zu empfehlen.
Als sechster Track begegnet uns "Violetta". Dieser ist zugleich die erste Single-Auskopplung. Das Intro besteht aus drei Versuchen, den Song zu eröffnen. Beim dritten klappt's dann auch und dann kommt richtig Groove in den Song. Der Text ist beim ersten Hören echt gewöhnungsbedürftig. Erst nach mehrmaligem Hören kann man alle Facetten von "Violetta" auffassen. Als erste Single sicherlich keine schlechte Wahl, vielleicht textlich zunächst etwas schwere Kost. Trotzdem präsentiert der Song den neuen Neuser-Sound perfekt.
"Nie zu spät" setzt zur Abwechslung wieder auf ruhigere Töne. Ist sowohl textlich als auch instrumentell ein krasses Gegenteil zu seinem Vorgänger. Diese Ballade ist der ruhigste, zurückhaltenste und gedämpfteste Track. Er macht Mut zum Aufbruch, ist aber sicherlich nichts für harte Rocker, denn hier finden sich richtig viele Popelemente wieder.
"Immun" startet mit schrämmelnder Gitarre und ruhigem Keyboard. Erst singt Henning neuser nachdenklich von einem verkaterten Morgen, bevor er richtig loslegt und aus sich herauskommt. Die Lyrics verbreiten die Message, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht für andere zu verbiegen, um nirgendwo anzuecken. In zwei Welten zu legen, um auf der einen Seite sein eigenes Ich zu wahren, auf der anderen aber seinen Mitmenschen alles Recht zu machen sei der falsche Weg. Tipp: Unbedingt reinhören!
Bei "Weltraumtouristen" geht es wieder mehr um den Spaßfaktor. Nach einer noch recht gemäßigten Strophe geht es im Refrain in de Vollen. Bei diesem Track kannst du abrocken und durchs Zimmer springen. Lebensfreude pur.
Als letzter Song besinnt sich "Wohin" wieder auf die leisen Töne. Das Klavier und die ein wenig traurig angehauchte Stimmung passen wunderbar zum letzten Song eines Albums. Die Ballade ist aber wieder recht poppig. Besonders die Lyrics sind empfehlenswert. Das ist nun auch genug der Worte. Also: Zurücklehnen und die letzten Sekunden von SELBSTAUSLÖSER genießen.

Fazit: Mit SELBSTAUSLÖSER legen Neuser richtig nach. Hier ist eine künstlerische Steigerung im Vergleich zur ersten LP, ALLES WIRD LEICHTER, zu erkennen. Das Album ist gut durchdacht, ruhige und flippig-rockige Stücke im Wechsel sorgen für Variabilität. Auch der Gesang zeigt viele Facetten und die Lyrics beschrieben Situationen des Alltags, wodurch sich jeder mit mindestens einem Track identifizieren kann. Zusammengefasst: Auf ganzer Linie überzeugt und volle Punktzahl gesammelt!

Anspieltipps:
 "Autopilot", "Einbahnstraßen", "Mach lauter", "Immun"

Titel-Liste:
 
  1. Ohne uns
  2. Autopilot
  3. Einbahnstraßen
  4. Mach lauter
  5. Die Welt steht still
  6. Violetta
  7. Nie zu spät
  8. Immun
  9. Weltraumtouristen
  10. Wohin

Laufzeit:
 36:16 Min.


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