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Review: Night Train
 
BETWEEN DARKNESS AND LIGHT

Album:
 BETWEEN DARKNESS AND LIGHT, 2011, Eigenvertrieb

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 20.12.2011

Review:
 Vorsicht an der Bahnsteigkante! Der Nachtzug aus Esslingen fährt soeben auf dem HardHarderHeavy Bahnhof ein. Mit an Bord sind die Fünf Lokführer Kevin Vocals, Dominik „Domi“ Lead Gitarre, Tobias „Toubsn“ Gitarre, Simon Bass und Benjamin „Benny“ Drums. Anders als bei der deutschen Bundesbahn die mit Verspätungen, schlechtem Service und ausgefallenen Klimaanlagen im Hochsommer für negative Schlagzeilen sorgt, will der Zug aus Wernau im Kreis Esslingen seine Musik Passagiere mit harten Klängen erfreuen. Da bin ich gespannt ob die Lok das schafft und ihr nicht schon an der ersten Steigung die Puste ausgeht.

"The Grace" ist ein kurzes Intro bestehend aus Gitarrenakkorden.
Der Titelsong "Between Darkness and Light" überzeugt mit schneidenden Gitarren, prasselnden Drums und kraftvollem, teils heiserem Gesang mit reichlich Unterstützung andere Bandmitglieder. die die Backing Vocals übernehmen. Das Stück hat gehörig Power und die Twin Gitarren wehen dem Höre so richtig um die Ohren. Die Melodie ist eingängig.
"Wane of the Moon" hat einen schnell galoppierenden Rhythmus angetrieben durch die Drums. Neben den deftigen Riffs gefallen mir besonders die schönen Gitarrensoli.
Für Night Train Verhältnisse ungewöhnlich ruhig startet "Back in Time". Doch keine Bange der Zug kommt schnell in Fahrt. Da fräsen dir die Gitarren das Ohr ab und setzen noch gekonnt Soli oben drauf. Das Ende ist wie der Anfang ruhig gestaltet.
Auf "Darkside" fackelt die Band gar nicht erst lange, da gibt es Überfall artig direkt die volle Packung. Hier lässt der Zug die musikalischen Muskeln spielen, ein Stück mit Ecken und Kanten, rau aber ehrlich und leicht progig mit zahlreichen Tempovariationen.
Ahoi! Auf "Pirates Flair" verwandeln sich die Lockführer in waschechte Piraten und eifern Rockn´Rolf von Running Wild nach. Gar nicht gewusst, dass Esslingen so nah am Meer liegt. Mit Wellengeräuschen und den Kommandos eines Kapitäns geht es in den Song der anfangs etwas an Iron Maiden erinnert. Auch hier stechen die beiden Gitarren hervor die den Hörer in die Zange nehmen und eine Breitseite nach der anderen abfeuern. Die Vocals sind rotzig rau mit stilechten Backing Shouts und Ho-ho Hintergrund Chor. Gut gelungen das musikalische Seemannsgarn.
Nach dem Ausflug auf das Kaperschiff gönnen sich die Schwaben mit "Angel" eine kleine Verschnaufpause. Zumindest anfangs ist das Stück eine Ballade mit Gitarrenuntermalung und sanftem Gesang. In der zweiten Hälfte geht es dann doch wieder flott zur Sache.
"Road to nowhere" ist vom Aufbau und Rhythmus ähnlich wie "Wane of the Moon".
Mit "Tommy Gun Part 1" entführt uns der Schwaben Intercity ins Nachtclub Milieu. Die Tommy Gun oder besser, das Thompson A1 Maschinengewehr, dürfte jedem Kinofan aus den Mafia Filmen bekannt sein, das Ding mit dem auffälliges Trommelmagazin, vorzugsweise in einem Geigenkasten transportiert. Die verruchte Nachtclubmusik wird dann auch schnell von einer lauten Maschinengewehrsalve unterbrochen, dem Pianisten dürfte die bleihaltige Luft schlecht bekommen sein. Piano Musik ist nicht, hier gibt es Metal! Eine metallisch klingende Gitarre und schon walzen die düsteren Riffs. Die Drums spielen sehr variabel.
Zum Schluss serviert uns der Schaffner im Speisewagen noch einen hochprozentigen Heavy Metal Cocktail. Nein nicht Sex On The Beach, das ist was für Weicheier. "In the Name of Metal" heißt das Gesöff und das hat es in sich, das Papierschirmchen sucht man da vergeblich. Eine richtige True Metal Hymne und ein klares Bekenntnis für welche Musikrichtung das Herz der Musiker schlägt. „ Metal is the only law“ schallt eine Textstelle aus den Boxen. Mit einer Mischung aus Power Speed läuft mir der musikalische Alkohol die Kehle runter, die Drums verrichten Schwerstarbeit und die Gitarren schwirren bis mir schwindlig wird. Nach 4 Minuten 30 ist dann Schluss und nach einer halben Minute Pause folgt eine gefühlvolle Power Ballade ohne Titel als Nachtisch. Hier liegt die Betonung auf den Gitarren. Keine Ahnung warum der Song nach der Pause so versteckt wurde. Vielleicht soll er die Passagiere in den Schlaf wiegen es handelt sich ja um einen Nachtzug.

Fazit: Bei Musik aus dem Schwabenland mit Eisenbahn Bezug fällt mit spontan das Volkslied „Auf der schwäbschen Eisenbahne“ ein. Gott sei Dank entpuppt sich Night Train nicht als musikalische Bimmelbahn sondern als waschechter Heavy Metal Express, mit ordentlich Feuer unter dem Kessel. Schön, es gibt sie also doch, Schwaben die außer „schaffe, schaffe Häusle baue“ sich auch noch der härteren Musikrichtung widmen. Die fünf Eisenbahner sind zwar noch jung an Dienstjahren haben aber ihren Zug gut im Griff. Das ist ehrlicher Heavy Metal ohne Schnörkel und überflüssigem Gedöns. Hier gibt es Metal voll auf die Zwölf. Spielfreude ist in jedem Song reichlich vorhanden. Die Jungs brennen, dass spürt man.
Kleiner Kritikpunkt, die Vocals sind mit stellenweise schon zu wütend aggressiv ausgefallen. Auch die bösen Growls (sind aber auch nicht viele) passen nicht so recht zur Musik von Night Train. Beim Songwriting hat man bereits ein hohes Niveau erreicht. Okay, manche Songs klingen ähnlich aber durch den leichte progressiven Charakter mit vielen Tempo- und Rhythmuswechseln ist innerhalb der einzelnen Stücke für Abwechslung gesorgt. Berücksichtigt man das noch sehr junge Alter der Bandmitglieder, im Schnitt Mitte zwanzig, bin ich sicher die können sich sogar noch steigern. Schon jetzt macht BETWEEN DARKNESS AND LIGHT viel Spaß. Das Album wurde komplett in Eigenregie aufgenommen, gemischt und gemastert, alle Achtung, da sieht man was Begeisterung und Initiative alles schafft. Der Sound ist dermaßen gut, dass es auch hier nichts zu beanstanden gibt. BETWEEN DARKNESS AND LIGHT: viel Licht wenig Schatten. Der Nachwuchs sitzt nicht nur in den Startlöchern, im Falle von Night Train rollt der Zug und die Weichen sind bereits in die richtige Richtung gestellt. Und immer dran denken, Tickets bzw. die CD für den Nachtzug gibt es nicht am Bahnschalter sondern auf der schön gestalteten Homepage der Night Train Eisenbahngesellschaft. Da kann man dann auch gleich einige Songs Probe hören. Oder um es mit dem alten, leicht abgewandelten Werbeslogan der Bundesbahn zu sagen: Alle reden vom Wetter, wir rocken!

Anspieltipps:
 „Between Darkness and Light“, „Wane of the Moon“, „Pirates Flair“, „Tommy Gun (Part 1)“

Tipp:
 Freunde von deftigem Heavy Metal mit einer gehörigen Portion Power Metal sollten auf den Zug aufspringen.

Titel-Liste:
 
  1. The Grace
  2. Between Darkness and Light
  3. Wane of the Moon
  4. Back in Time
  5. Darkside
  6. Pirates Flair
  7. Angel
  8. Road to nowhere
  9. Tommy Gun (Part 1)
  10. In the Name of Metal

Laufzeit:
 50:30 Min.

Band-Infos:
 
  • www.nighttrainmusic.de 


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