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Review: Nion
 
FIREBIRD

Album:
 FIREBIRD, 2010, ASR

Stil:
 Symphonic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 V.R., 23.09.2010

Review:
 Bei Erstveröffentlichungen neuer Bands werben die Labels des Öfteren mit Stil-Wortneuschöpfungen, um klarzustellen, dass die entsprechende Band mit nichts vergleichbar ist und schon von Beginn an ihren ureigenen Stil gefunden hat. Dabei kam es schon zu allerlei kreativ-belustigenden Kreationen wie Horror Metal, Symphonic Angelic Metal oder gar Nordic Night Metal. Viele dieser Stilrichtungen verschwinden genauso schnell wieder wie die dazugehörigen Bands. Nun taucht am Horizont die erste Full Length-Veröffentlichung der Saarländer Band Nion auf und der bandeigene Stil wird vollmundig als Mystic Metal umschrieben. Wirklich vorstellen kann man sich unter dieser Bezeichnung allerdings wohl erst mal wenig bis gar nichts. Wenn man der Musik dann sein Ohr schenkt, könnte man die Klänge vielleicht am ehesten als Symphonic Metal mit dezenten Gothic-Anleihen umschreiben. Das Auffälligste an Nion ist neben dem Gesang von Sängerin Merzena in jedem Fall das Fantasy-Outfit der Band sowie die als "Gothic Bellydance" bezeichneten Tanzeinlagen der Sängerin bei Konzerten. In den nun folgenden Zeilen sollen aber sowohl Stilbezeichnungen als auch optische Qualitäten in den Hintergrund rücken, stattdessen soll der Schwerpunkt auf die Musik des Debutalbums FIREBIRD gelegt werden. Denn da gibt es durchaus Positives zu berichten.

Energetisch und fulminant legen Nion zu Beginn mit dem Titelsong "Firebird" los. Nach einem verspielten Gitarrenintro bekommt der Hörer ganz typische neoklassische Symphonic Metal-Klänge geboten, Keyboards, Chorgesänge und Hochgeschwindigkeitstempo inklusive. Kurze Zeit später rückt die sehr angenehm klingende Stimme der Sängerin Merzena in den Mittelpunkt. Insgesamt ein durchaus ordentlicher Start ins Album, wobei der Refrain allerdings eine Spur ohrwurmlastiger sein könnte. Der kommt nämlich eher durchschnittlich daher, so dass der eigentliche Höhepunkt des Songs in den Strophen zu finden ist. Kleine Abzüge gibt es zudem für die Produktion, die wesentlich druckvoller hätte werden können und müssen.
Wesentlich besser ist da schon der zweite Song "Touch". Das Tempo wird etwas runtergefahren, was der wahrhaft mystischen Stimmung in den Strophen sehr zu gute kommt. Da dieses Mal auch der Refrain stimmig ausgefallen ist und Marzenas Stimme hier voll zur Geltung kommt, kann der Song auf ganzer Linie punkten. Lediglich das Problem der Produktion ist auch hier, wie bei allen anderen Songs des Albums, anzumerken.
Die Schwächen des Openers scheinen sich tatsächlich als Ausrutscher herauszustellen, denn mit "Transformation" folgt ein weiterer hochklassiger Titel, der dank seiner düsteren Atmosphäre, den hier und da immer wieder eingesetzten stimmungsvollen Chören und dem eingängigen Refrain gleich beim ersten Hören voll überzeugt. Geschwindigkeitsmäßig bewegt sich die Band hier im unteren Midtempo-Bereich.
Mit "Eternal Ray" folgt dann eine weitere Uptempo-Nummer. Was beim Opener noch für Probleme sorgte, geht hier voll und ganz auf und Nion können beweisen, dass sie auch durchaus gelungene schnelle Songs im Repertoire haben. Dies ist nicht zuletzt der Verdienst des genialen Ohrwurmrefrains. Auf diesem hohen Niveau darf es gerne weiter gehen.
Und tatsächlich kann das Level gehalten werden, denn auch das melancholische, als ruhige Pianoballade beginnende "Immortality" ist ein Volltreffer geworden, das in seiner stimmungsvollen Einfachheit berühren kann, da sämtliche gefährlichen Klippen des Schmalzes und Kitsches mühelos umschifft werden. Im weiteren Verlauf entwickelt sich der Song dann zu einem druckvollen Midtempo-Song mit spannenden Flamenco-Gitarren-Einlangen und einem superben Gitarrensolo. All das sorgt dafür, dass wir es hier mit dem stärksten Lied der Platte zu tun haben.
Nachdem der balladeske Eindruck zu Beginn letzten Songs täuschte, stellt sich das folgende "Conversation" als tatsächliche Ballade heraus. Von dezenten etwas ruppigeren Ausbrüchen im Refrain mal abgesehen ist das Lied durchgehend langsam und ruhig gehalten. Leider fehlt dem Titel aber das gewisse Etwas, das den letzten Titel so besonders machte. Dennoch muss man Nion zu gute halten, dass sie keinen der klassischen Fehler, die man beim Komponieren von Balladen machen kann, begangen haben und der Song daher auch völlig kitschfrei ausgefallen ist.
Genug der Entspannung! Bei "Wizard & Sage" dürfen wieder die harten Gitarren und ein fetziges Tempo regieren. Nion wagen sich hier sogar an einen kompliziert-verschachtelten Songaufbau mit teils wirklich ungewöhnlichen Melodien. Allein für den Versuch gebührt ihnen schon Ehre, wenn es bei der Umsetzung auch leider das eine oder andere Problem gibt. Die Übergänge zwischen den verspielten Parts wirken nämlich nicht immer perfekt und die eine oder andere Melodie hätte man vielleicht besser weggelassen. Der positive Ersteindruck bleibt aber dennoch erhalten.
Mit tiefen Männerchören und Keyboardklängen beginnt "Soulflower". Wenig später gesellen sich erst Marzenas Stimme, dann auch ein gemäßigter Midtempo-Rhythmus und dunkle Gitarrenriffs dazu. Trotz des spannenden Songaufbaus verharrt der Titel leider im gehobenen Mittelmaß, da sich beim Hören schnell einige melodiebezogene Schwächen offenbaren, ohrwurmlastig geht jedenfalls anders. Der Song ist zwar alles andere als schlecht, doch an das hohe Level der meisten anderen Titel reicht er nicht heran.
Kündigt sich mit "Fairytales" eine weitere Ballade an? Falsch gedacht, denn auf das ruhige Intro des Songs folgen umso fetzigere Metal-Klänge, die sich nach und nach immer weiter steigern. Hier können Nion wieder einen absoluten Volltreffer landen. Melodische Keyboards, flotter Rhythmus, harte Gitarrenriffs und eingängiger Gesang, mehr braucht die Band nicht, um einen durchaus innovativen verspielten Ohrwurmsong zu fabrizieren.
Bei "Journey" wird sogar noch eine ordentliche Schippe Härte und Tempo draufgelegt. Das Gaspedal darf hier mal so richtig schön bis an den Boden durchgedruckt werden, und auch die Gitarren bekommen ihre Passagen, in denen sie sich, stellenweise auch mal ohne Keyboardverzierungen, voll austoben dürfen. Sogar Marzenas Gesang wirkt hier und da etwas aggressiver als bei den anderen Songs. Da auch der Refrain mit seinen schönen Melodien absolut überzeugend ausgefallen ist, geht der Daumen auch bei diesem Titel nach oben.
Wer ruhige Lieder zu seinen Favoriten zählt, wird sich über "Prophecy" freuen, denn damit haben Nion eine waschechte Halbballade im Repertoire, die zwischen ruhigen Passagen und flotteren Ausbrüchen hin- und herpendelt. Auf diese Weise klingt ein insgesamt sehr gelungenes Album auf sehr atmosphärische Weise aus.

Fazit: Von der Bezeichnung Mystic Metal kann man halten, was man will, doch Fakt ist, dass es Nion tatsächlich gelungen ist, eine eigene Note in ihrem symphonischen Metal unterzubringen. Die Verspieltheit, mit der die Band zu Werke hebt, hebt sie von anderen Künstlern aus dieser Richtung ab. Zudem kann Marzenas Gesangsorgan durchgehend begeistern und nervt zu keiner Zeit mit Operngeträller oder überforderten Piepstönen. Auf der Negativseite wäre da dann aber auch die schwache Produktion des Albums anzumerken, die den positiven Gesamteindruck leider doch eine ganze Ecke nach unten zieht. Zudem hat sich hier und da auch der eine oder andere etwas schwächere Song dazwischengemogelt, wobei man den schwächsten Titel der Platte leider ausgerechnet ganz an den Anfang des Albums gestellt hat. Aber das sind Probleme, die man bei der nächsten Platte locker und relativ einfach umgehen kann. In jedem Fall haben Nion das Potential, im Laufe ihrer zukünftigen Karriere noch das eine oder andere Kracher-Album zu veröffentlichen. FIREBIRD ist jedenfalls schon mal nahe dran und wer weiß, vielleicht gelingt es der Truppe ja sogar, den Begriff Mystic Metal salonfähig zu machen.

Anspieltipps:
 "Touch", "Transformation", "Eternal Ray", "Immortality", "Fairytales", "Journey".

Tipp:
 Fans von Symphonic Metal-Bands wie Edenbridge werden wahrscheinlich auch das Album FIREBIRD lieben, wobei Nion stets eine eigene Note in ihrer Musik unterbringen.

Titel-Liste:
 
  1. Firebird
  2. Touch
  3. Transformation
  4. Eternal Ray
  5. Immortality
  6. Conversation
  7. Wizard & Sage
  8. Soulflower
  9. Fairytales
  10. Journey
  11. Prophecy

Laufzeit:
 53:23 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/nionmetal 

  • Probehören und Kaufen:
    Nion: FIREBIRD

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