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Review: Northern Kings
 
Northern Kings - RETHRONED

Album:
 RETHRONED, 2008, Warner

Stil:
 Symphonic Power Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 A.K., 26.07.2012

Review:
 Als Nick Fury den Tesserakt an Loki verlor sah er seine einzige Hoffnung darin eine Truppe an Übermenschen zusammen zu stellen, um die Welt vor dem bevorstehendem Angriff zu bewahren. Also machte er sich daran vier der mächtigsten Superhelden des Marvelverse zusammen zu rufen um als Team zusammen zuarbeiten. Eine komische Metapher als Einleitung? Nicht ganz.
Lassen wir mal das Superheldentum außer Acht und stellen uns vor, das Produzent Erkka Korhonen in der Rolle des Nick Fury vier der besten finnischen Musiker sich zusammen gebracht hat um musikalische Highlights vergangener Epochen – schwerpunktmäßig die 80ger – in ein Gewand aus hochkarätigem Power Metal mit einer gehörigen Portion Gammastrahlung… äh ich meine symphonischer Elemente zu kleiden. Heraus käme eine Supergruppe welche sich ohne Scham als Könige des Nordens betiteln könnten.
So geschehen 2007 als sich Allrounder und Sänger/Bassist Nightwish´s Marco Hietala, Tony Kakka von Sonata Arctica, Jarkko Ahola von Teräsbetoni und Juha-Pekka Leppäluoto von der Band Charon zusammen taten und die Northern Kings formierten.
Ihr Debüt REBORN schlug ein wie der Hulk auf die Truppen der Chitauri. Nur ein Jahr später legten die Finnen bereits das Folgealbum Rethroned nach. Ob sie auch hier abermals unter Beweis gestellt haben, wahrhafte Könige zu sein bleibt nun zu ergründen...

Das die erfahrenen Metalheads mit Bombast umzugehen vermögen, beweist bereits das Intro "Training Montage" aus dem Filmklassiker Rocky IV, wo die Kings weder an orchestralem Bang noch an metallischem Flair gespart haben.
Das Instrumentale Stück bietet eine gelungene Einleitung und führt eindrucksvoll zum Bon Jovi Cover "" in welchem Marco Hietala die Lead-Vocals übernimmt. Während Joni seinerzeit auf akustische Gitarren und Countrystyle setzte, arrangierten die Kings den Ohrwurm mit treibenden Double-Beats und fetten Gitarren, zogen das Tempo ein wenig an und verwandelten das Stück in einen fetzigen Power Metal-Track. Sicherlich ist gerade der Hauch Country im Original gerade das, was den Song ausmachte. Doch wenn es einem gelingt eine so bekannten Song zu einem (fast) eigenem Stück zu machen, darf man mit Stolz behaupten mit dem Original zumindest gleichgezogen zu haben.
Weiter geht die Zeitreise mit einem Song der Heidi Klums (noch)Ehemann bekannt gemacht hat. "Kiss from a Rose" ist mir persönlich im Original so ziemlich am Poppes vorbeigegangen. So leid es mir tut, konnte ich Seal bisher nie etwas abgewinnen, aber was Tony und seine Jungs aus der an sich melancholischen Ballade gemacht haben hat mich umgehauen. Wie zu erwarten mit etwas mehr Tempo und Kawumms, kitzelt man hier alles aus dem Track heraus. Eine ausgewogene Mischung aus Bombast und langsamer Passagen die dem Song nebst der Power die benötigte Tiefe verleiht. Hätte Seal seiner Zeit das Lied so aufgebaut, wäre ich glatt noch Fan geworden.
Leichtgemacht haben es sich die Jungs garantiert nicht in der Auswahl der Coverversionen die sie eingespielt haben. Mit Princes "Nothing compares to you" trauen sich die Kings an eine wirklich schwierige Ballade heran, die bereits Sinead O`Connor zum Erfolg verhalf und vermutlich der größte Erfolg der kahlköpfigen Sängerin war. Dem steht Lead-Vocalist Tony aber in nichts nach. Mit genug Gefühl und Schmerz in der Stimme ein Glanzleistung. Vom Arrangement her wurde hier beim Bombast gespart, was dem Track absolut zu Gute kommt. Mich teilweise an einen Pink Floyd Song erinnernd - warum kann ich nicht ganz erklären - eine Verneigung vor Prince und Sinead, deren Einflüsse dennoch im Song zu finden sind.
Mit "A View to a Kill" verneigen sich die Großmeister des Metals vor den New Wave Rockern von Duran Duran mit ihrer Version des Titelsongs zum Gleichnamigen James Bond Film. Der Power Metal-Track in welchem alle vier Kings ihre Vocal-Parts darbieten, ist ein würdiges Pendant zum Original dem selbst ein James Bond zustimmen würde.
Man würde sich nicht als König bezeichnen, wenn man nur den Reichsapfel in Händen halten würde. Dazu gehört schon mehr. Das dachten sich wohl auch Northern Kings, als sie eine Track des unvergesslichen Frank Sinatra coverten. "My Way", eh schon eine Hymne und Legende zu covern ist nichts Neues. Jeder Künstler der was auf sich hält krönt seine Karriere mit diesem von Paul Anka stammenden Titel. So ist es schwer einzuschätzen, welche Version – abgesehen vom Original – nun die Beste wäre. Nun die Kings haben es zumindest geschafft dem Ohrwurm ihren Stempel aufzudrücken und "bang-bar" zu machen.
Wo wir schon bei Größen des Musicbusiness sind, war es nur ein Frage der Zeit, das sich die Kings auch an eine Song von Depeche Mode machen würden. "Strangelove" sollte dieser Titel werden. Ich muss zugeben, das Depeche Mode mir nie wirklich gefallen haben (dafür wird mich so mancher sicher lynchen wollen), weshalb ich dem Song von vornerein skeptisch gegenüber stand. Aber im Gegensatz zum Original von 1987, haben die Kings den Track in ihrer Version für meinen Geschmack anhörbar gemacht.
Eines der Highlights des Rethroned Albums ist für mich eindeutig die Coverversion des A-HA klassikers "Take on me". Wer kennt ihn nicht und erinnert sich an das Cartoony Video dazu sowie Morten Harkets Kastraten-Gesangs. Nun die Kings haben dann doch "Eier in der Hose" und verwandelten den eh schon vor Power strotzenden Track in einen Power Metal-Track in welchem sie ihre unglaubliche Stimmgewalt unter Beweis stellen konnten. Die subtilen orchestralen Elemente verleihen dem Ganzen eine wahnsinnige Tiefe welche mit einem interessanten Break getoppt wird. In meinen Ohren, einer der besten Songs des Albums.
Sie sind sich auch für nichts zu schade! Kyle Minoques "I should be so lucky" zu covern würde sicher nicht vielen Metal-Bands in den Sinn kommen, aber die Kings haben es gewagt mit einem umwerfendem Effekt. Düster, Dunkler, fucking Sinister, muss das Motto gewesen sein. Mit einer Stimmtiefe die man aus dem Keller holen müsste und einer unglaublichen Temporeduktion des im Original fetzigen Songs, wälzt sich Juha-Pekka durch die erste Hälfte des musikalischen Tim Burton Songs, bis man unerwartet das Tempo drastisch anzieht und den Song mit ordentlichem Geknüppel ins Finale peitscht. Einfach geil gemacht!
"Und schon wieder ein Seal Song", dachte ich als ich lass, dass man sich an Adamski´s "Killer" gemacht hat. Doch im Gegensatz zum vorangegangenem Seal Cover, gefiel mir der Song recht gut in der Kings-Version, wenn es auch nicht gerade der Stärkste Track des Albums ist.
Ein starkes Album braucht einen krönenden Abschluss. Dessen waren sich auch die Kings bewusst und wählten sicher nicht ohne Grund Thin Lizzy´s "Róisín Dubh (Black Rose): A Rock Legend" dafür aus. Im akustischen Gewand bieten Jarkko und Marco ihre Stimmqualitäten unter Beweis um in einem angenehm furiosem Outro den Song und das Album zu beenden.

Fazit: Wer schon das Album Reborn in seiner Sammlung hat, macht mit Rethroned nichts falsch. Durchproduzierter Symphonic Metal vom Feinsten interpretiert von Finnlands stimmgewaltigsten Sängern. Was kann da schon schief gehen? Es mag kein Novum sein bereits erfolgreiche Songs zu Covern insbesondere da viele davon schon zig mal den Interpretationsversuchen diverser Künstler zum Opfer gefallen sind, aber die Kings haben es durchgängig geschafft, den Tracks ihren Stempel aufzudrücken und ein Album zu erschaffen das für sich selbst stehen kann. Da machen selbst Songs die man im Original nicht gemocht hat wieder Spaß… selbst wenn sie von Seal sind.

Anspieltipps:
 "Take on me", "I should be so lucky", "Roisin Dubh"

Tipp:
 Auch wenn man sich einige der Tracks im Original nie anhören würde, ist es schon fast Pflicht, sich diese nach dem Durchlauf von RETHRONED mindestens einmal anzutun um selber hören zu können, was die Kings da gezaubert haben. Es lohnt sich!

Titel-Liste:
 
  1. Training Montage, wanted Dead or Alive
  2. Kiss from a Rose
  3. A View to kill
  4. Nothing compares 2 U
  5. My Way
  6. Strangelove
  7. Take on me
  8. I should be so Lucky
  9. Killer
  10. Roisin Dubh (Black Rose): a Rock Legend
    - - - Bonus Track - - -
  11. They don't care about us (Michael Jackson Cover)

Laufzeit:
 68:37 Min.

Probehören und Kaufen:
Northern Kings: RETHRONED


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