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Review: Ohrenfeindt
 
SCHWARZ AUF WEISS

Album:
 SCHWARZ AUF WEISS, 2011, Hirnsturm

Stil:
 Hard Rock, Boogie Rock, Blues Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 14.06.2011

Review:
 Bereits zum vierten Mal heißt es Bühne frei und Lautstärke aufgedreht für das Langeisen der AC/DC-Fans von St. Pauli. Mit SCHWARZ AUF WEISS frönt das Trio um Frontmann Chris Laut dem knochentrockenen Hard Rock mit der unverkennbaren Boogie- und Blues-Schlagseite wie es auch die großen Vorbilder aus "Down Under" seit mehreren Dekaden zelebrieren. Dass man dabei textlich besonders lokale Themen auf der Pfanne hat und voll auf mitgröhlen setzt, mag Geschmacksache sein, aber wer weiß schon was Kitzmann ist, das die fränkischen Spaßrocker J.B.O. so oft besungen haben (Bier aus Erlangen Anm. d. Red.)? Erlaubt ist, was Spaß macht und die Rechnung geht hier voll auf.

Bereits der Opener geht voll auf die Zwölf und beschreibt mit "'n Job in 'ner Bank" die Wunschvorstellung so manchen Bänkers, die jedoch nur in den seltensten Fällen aufgeht. Mit Qualitäten einer ambitionierten AC/DC-Coverband werden schnell die musikalischen Wurzeln offensichtlich, denn solch treibende Rhythmen machen immer wieder Laune, egal ob vom Original oder dem Hamburger Trio. Mal sehen, vielleicht suche ich mir nächsten Monat auch mal 'nen Job, am besten in 'ner Bank. Na ja, vermutlich lande ich dann wieder auf ner Bank... im Park oder so...
Für St. Pauli wird selbstverständlich auch einiges geboten, denn wer sich "St. Pauli, Du rockst" lange genug verinnerlicht, der findet sicherlich noch mehr Sehenswertes und vor allem Lebenswertes. Nach dem locker und geradlinigen Rocker mit jeder Menge groovigen Riffs, folgt am Ende mit der Single-Auskopplung "Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren" ein echter AC/DC-like-Rausschmeißer, wie es sich am (fast) Ende eines Album gehört. Aber so weit sind wir noch nicht.
Zunächst widmet sich das Trio mit "Alles auf Rot" voll und ganz dem Blues. Angemessen für das Thema eines Glückspielers, den besonders das Glück aber auch die Liebe verlassen hat. Hier kann sich Sänger Chris richtig austoben und von Herz-Schmerz, passend zu leicht wimmernden Gitarren, bis hin zu vollem Reibeisen so richtig die S** raus lassen, wie man so schön sagt.
Eine Spur frivoler und deutlich an männliches Zielpublikum gerichtet, gibt sich da schon "Motor-Mädchen", denn hier wird in knackig rockendem Mid-Tempo so mancher Männertraum besungen. Aber mal ehrlich, wenn sich die Braut dann mehr für's Bike als für mich interessiert, was nützt mir da das Parfüm E'Sprit Oct98?
Als ob der Schweiß unter den Achseln nicht schon genug wäre, heizt die Truppe mit dem Titelsong "Schwarz auf Weiss" noch mal so richtig ein. Musikalisch recht einfach gestrickt, aber dafür mit jeder Menge Bums - pardon Druck - zollt man den Australischen Vorbildern mächtig Tribut. Kurz, bündig und wirkungsvoll - was willst Du mehr?
Ach ja, keine Flöhe! Was? Flöhe? Nun, wer den Slow-Rocker (mit genialen Gitarren-Solo) "Heul den Mond an" so richtig verinnerlicht hat, wird das Grinsen wohl kaum noch aus dem Gesicht verbannen können. Heul!
Schluss mit lustig! Was Chris mit "So viele Fragen" so alles hinterfragt (oder noch schlimmer hinterfragen muss... Nagelstudio???), hat sich bestimmt schon der eine oder andere selbst gefragt. Mich würde ja die Taxi-Frage brennend interessieren. Musikalisch steht hier eindeutig die Textbotschaft im Vordergrund, wird jedoch recht effektvoll mit leicht schleppenden Rock-Rhythmen genussvoll verpackt.
Wer bis jetzt hinter dem Spaß noch nicht genügend Lyrik entdecken konnte - oder wollte, der sollte sich bei "Wenn die Sonne untergeht" richtig wohl fühlen. In langsamen Blues-Tempo wird hier gereimt und gerockt - sinnhaft oder sinnfrei, das darf jeder selbst entscheiden.
Mit schon fast poppigen Hooks kann "Valerie" sofort überzeugen. Aber eigentlich gibt es nichts zu lachen, denn das hier besungene Thema ist wohl (nicht nur) in St. Pauli kein Einzelfall. Wer sich also zu sehr in den Text vertieft, der überhört den recht gefällig schmissigen Rhythmus, der sofort ins Ohr geht. Valerie rest in Peace!
Zum letzten Mal geht mit dem Up-Tempo-Rocker "Zu jung, zu schnell" so richtig die Post ab, bevor die bereits erwähnte Single-Auskopplung und der Schlusstrack "Wart' auf Dich" nicht nur für einen ruhigen Ausklang sorgt, sondern auch noch textlich einen gewissen Tiefgang bietet.

Fazit: Rundherum ein abwechslungsreiches Album, das sich wohl mit einigen Ideen musikalisch bei den unkaputtbaren AC/DC bedient, sich jedoch meilenweit entfernt von einem Plagiat bewegt. "Plagiat", sicherlich das Unwort 2011, ist hier also wohl nicht zutreffend und Ohrenfeindt dürfen den Doktortitel für "echte St. Pauli-Insider" weiter führen und hoffentlich noch so manchen Fan besonders live beglücken. Bei dem hier gebotenen Spaßfaktor , da wart' ich doch gerne schon jetzt auf den fünften Streich.

Anspieltipps:
 Lustig: "'n Job in 'ner Bank", frivol: "Motor-Mädchen", quälend: "So viele Fragen", besinnlich: "Valerie".

Tipp:
 Freunde AC/DC-lastiger Rocklänge mit gehörig Textwitz kommen hier voll auf ihre Kosten und können so manches Sommerfestchen mit Ohrenfeindts SCHWARZ AUF WEISS musikalisch bereichern.

Titel-Liste:
 
  1. 'n Job in 'ner Bank
  2. St. Pauli, Du rockst
  3. Alles auf Rot
  4. Motor-Mädchen
  5. Schwarz auf Weiss
  6. Heul den Mond an
  7. So viele Fragen
  8. Wenn die Sonne untergeht
  9. Valerie
  10. Zu jung, zu schnell
  11. Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren
  12. Wart' auf Dich

Laufzeit:
 44:10 Min.

Band-Infos:
 
  • www.ohrenfeindt.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Ohrenfeindt: SCHWARZ AUF WEISS

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