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Review: The Order
 
METAL CASINO

Album:
 METAL CASINO, 2007, Dockyard 1

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 12.08.2007

Review:
 Nach etwas mehr als einem Jahr holen die Schweizer von The Order mit METAL CASINO nun zu ihrem zweiten Schlag aus. Erinnerte das Debüt damals mit seinen Modern Metal-Einflüssen nicht zuletzt wegen Frontmann Gianni Pontillos unverkennbarer Stimme sehr stark an sein anderes Band-Engagement bei Pure Inc., so ließ man diesmal dem Hard Rock den Vortritt.
Aber keine Angst, man hat sich nicht hinreißen lassen, dem üblichen Schweizer-Mainstream zu folgen und sich auf die Spuren der Vorbilder von Krokus, Gotthard, Shakra und Co. begeben.
Um einen eigenen Stil zu finden durften bei diesem Silberling auch mal die Instrumentalisten ihren Einfluss geltend machen und so verwundert es kaum, dass hier so manches Hard Rock-Riff mit einer Prise Thrash gewürzt wurde. Woher das kommt? Nun, dazu sollte man wissen, dass die drei übrigen Mitstreiter Andrej, Spring und Tschibu bei Gurd ihren Hauptsitz haben - und dann sollte wohl alles klar sein.
Angeblich sei es die Musik, die sie alle gerne in ihrer Jugend gehört hatten. Nun denn, lassen wir uns in die Jugendzeiten des Quartetts entführen.

Nach kurzer standesgemäßer Begrüßung mit "Welcome to the Metal Casino", beginnt der eigentliche Opener "Mama, I love Rock'n'Roll", der nicht nur textlich die gerade eben geäußerten Jugenderlebnisse in knallende Rock-Riffs meiselt. Der Puls geht sofort auf 180 und es darf fleissig und kompromisslos abgerockt werden. Wer sich an die gut zehn Jahre zurück liegende Scheibe END OF ALL DAYS von Rage erinnert, dem werden Parallelen zum Titelsong auffallen, allerdings sind die Thrash-Elemente von The Order sehr denzent gewählt.
Bei "Satisfaction" geht man etwas vom Gaspedal und vernachlässigt auch keine modernen Songstrukturen. Darf's ein bisserl Nu Metal-Riffing sein? Na, klar doch.
Ein brachialer Groove lässt den Kopf permanent mitnicken und Frontmann Gianni gibt sein bestes, jeder Strophe den nötigen Druck mit auf den Weg zu geben.
Schon der nächste Titel "Bridges Burning" beendet die kurze Verschnaufpause und überzeugt mit rockigem Riffing, wie wir sie schon seit Jahrzehnten von Bands wie AC/DC kennen und lieben gelernt haben. Zum Abschluss gibt's noch ein nettes Gitarren-Solo auf die Zwölf, bevor die Brücke schließlich abgebrannt ist.
Freunde von Rock-Balladen werden entzückt sein, denn "My last Goodbye" ist ein wahrer Wonneproppen und versteht es auch ohne Temposteigerung gegen Ende als waschechte Rock-Ballade zu punkten. Denn was mit Akustikgitarre, Gesang und sanfter Basslinie beginnt, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem dicht arrangierten Rock-Song mit Gitarren-Soli, interessanten Breaks und zähflüssigem Takt. Trotzdem driftet man niemals ab in Schnulzen-Täler und ertrinkt auch nicht im eigenen Pathos.
Etwas fehl platziert finde ich "In the Heat of the lonely Night", denn eine Halbballade einer Ballade folgen zu lassen, nimmt gänzlich jeden Schwung aus der Party. Da nützt es auch nichts, das die Balladen-Anteile zuckersüß aus den Boxen quellen und die rockigen Passagen in "Good old 80s"-Manier sofort zünden.
Knarrende Hard Rock-Riffs bringen "Let the good Times roll" sofort auf den gleichen Weg, wie das vorherige "Bridges Burning", jedoch mit höherem Mitnick-Faktor.
"Down with the Rain", ein Mid-Tempo-Rocker, bei dem die Fuzzer schon mal auf Anschlag gedreht werden und sich Gianni zu einem invernalischen Schrei hinreißen lässt, vertreibt gänzlich die Balladen-Echos aus den Gehörgängen. Die Gitarren bekommen reichlich lange Leine und dürfen sich richtig austoben, was Freunde der Sechssaiter sicherlich gefallen wird.
Wem das jetzt trotzdem schon wie Rentner-Galopp vorkommen mag, dem werden die beiden flotten Hard Rocker "Forever" und "Broken Days" das Trübsalblasen austreiben. Die Songs animieren voll zum abrocken und so mancher wird die verstaubte Luftgitarre auf den Schrank holen, um den Gitarren Paroli zu bieten.
Zum Abschluss gibt es noch das interessante und abwechslungsreiche "Little Wings" zu geniesen. Balladeske Hooklines wandeln sich bei den Refrains zu richtigen Riff-Vulkanen. Der Song eignet sich wohl weniger zu einem ruhigen Tanz mit der Freundin oder dem Freund, sondern eher zum abschließenden Genießen, bevor einige sicherlich die Repeat-Taste drücken werden und dem Silberling eine Extra-Runde spendieren.

Fazit: Was als Projekt begann, hat sich inzwischen zu einer ernsthaften Band entwickelt, die auch bei der eigenen Stilfindung einen hörbaren Schritt nach vorne getan hat. Nun gilt es sich einerseits etwas von der Gotthard-Front abzugrenzen und nicht im Mainstream-Balladen-Sumpf sein kommerzielles Heil zu suchen und andererseits dem soliden Hard Rock mit den eigenen Stärken wie Thrash, Prog und Nu Metal dezente interessante Stempel aufzudrücken. Damit hätte man neben dem herausragenden Frontmann Gianni auch musikalisch eine perfekte eigene Nische gefunden.
Eine Ballade weniger oder ein flottes Stück mehr hätte mich bestimmt noch mehr vom Hocker gerissen, aber ich hoffe auf ein nächstes Mal.

Tipp:
 Alle Fans, die sich an traditionellem Hard Rock seit über 25 Jahren nicht satt hören können (und da gehöre auch ich dazu), die werden hier eine nette Bereicherung für ihr Regal bekommen.

Titel-Liste:
 
  1. Welcome to the Metal Casino
  2. Mama, I love Rock'n'Roll
  3. Satisfaction
  4. Bridges Burning
  5. My last Goodbye
  6. In the Heat of the lonely Night
  7. Let the good Times roll
  8. Down with the Rain
  9. Forever
  10. Broken Days
  11. Little Wings

Laufzeit:
 41:20 Min.

Band-Infos:
 
  • www.theorder.ch 

  • Weitere Reviews:
     
  • Band - SON OF ARMAGEDDON


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