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Review: Martin Orford |
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Album:
| | THE OLD ROAD, 2008, Inside Out |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | U.B., 19.11.2008 |
Review:
| | Der Name Martin Orford steht für drei Dinge. Seine Tätigkeit für die Bands IQ und Jadis und sein eigenes Prog Label Giant Electric Pea Records. Bei IQ gehörte Keyboarder Orford sogar zu den Gründungsmitgliedern. Jadis verließ er 2006 und ein Jahr später schied er auch bei IQ aus. Nun verkündet er seinen kompletten Rückzug aus dem Musikbusiness für Ende 2008. Sein Label will er auch schließen. Als Gründe nennt er seine Frustration über Musikpiraterie und die geringe Wertschätzung in einer Kultur der freien Internet Musik. Da ist es nur logisch, dass Orford noch nicht einmal eine eigene Website hat. THE OLD ROAD ist das zweite Solo Werk des Engländers. Neben Keyboard, Gitarre und Flöte übernahm er auf einigen Songs auch noch die Vocals. Als Gastmusiker hat er eine ganze Armada klangvoller Namen verpflichtet als da wären: John Mitchell und Gary Chandler an der Gitarre, John Wetton und Dave Meros am Bass, Nick D`Virgilio und Andy Edward an den Drums sowie David Longdon, Steve Thorne, Wetton und Dave Oberle Vocals.
Zur Eröffnung gibt es mit "Grand Design" einen Song mit Überlänge, beinahe 10 Minuten. Da bleibt genügend Zeit das Stück langsam aufzubauen. Nostalgisch mit viel Keyboard und Hammond Orgel Sound und betontem Bass, der Langsaiter spielt auf fast allen Liedern eine wichtige Rolle, gibt es ein instrumentales Vorspiel bevor die Vocals einsetzen. Die Gitarren halten sich zurück, setzen aber öfters gelungene Akzente gegenüber den Keys. Das Stück ist flott aber ohne übertriebene Eile, es erklingen Flöten im Hintergrund und die Drums sind nur begleitend. So wird die Melodie unterstrichen aber nicht zugedeckt. Orford betont in THE OLD ROAD kein progressives Album zu sehen, aber bereits der Opener kann die Progressive Rock Gene nicht leugnen. Der Prog Anteil ist allerdings gut verpackt in die eingängige Melodie.
"Power and Speed" beginnt passend zum Titel mit schnellen Pianoläufen mit perlenden Klang. Der deutlich pumpende Bass ist auch hier wieder mit an Bord. Die vielen Tempo- und Rhythmusvariationen sind ein Hinweis auf Orford Wurzeln bei IQ und Jadis. Sehr Rhythmus betont, tolle Melodiebögen und perfektes Zusammenspiel der Instrumente prägen diesen Song.
Mit "Ray of Hope" wartet eine emotionale Ballade die mich von der melancholischen Grundstimmung an den alten Genesis Song "Snowbound" erinnert. Die Melodie ist freundlich und warm aber eben mit einer Portion Traurigkeit. Die Vocals werden mit Gefühl vorgetragen und passen perfekt, Orford kann auch mit seiner Stimme überzeugen.
"Take it to the Sun" startet mit für diese Scheibe heftigem Gitarreneinsatz. Es liegt sicher auch daran, dass John Wetton der Sänger von Asia hier den Gesangspart übernommen hat, dass die Nummer sehr stark nach eben dieser Band klingt. Oder eben nach einer Mischung aus Asia und Magnum, AOR der feinen Art. Die Keyboards setzen gezielt die Highlights bei der energischen Melodie.
Mit "Prelude" folgt genau das, eine instrumentale Einleitung für den folgenden Titelsong. Erst ist nur ein Piano zu vernehmen zu dem sich später wie in einem Duett ein weiteres Tasteninstrument gesellt.
Das Titelstück "The old Road" ist eine Hommage an die guten alten Zeiten. Keyboard und Gitarren sind der Auftakt und wie es in den Lyrics so schön heißt: The best is yet to come. Plötzlich setzen E-Gitarren und Drums ein, Neoprog mit klassischem Einschlag, verträumte Passagen mit Flöten, mehrstimmiger Gesang und über allem thront die phantastische Melodie. Die Irish Fiddle gespielt von Colm Murphy verleiht dem Lied einen mittelalterlichen Folk Touch. Da schimmert einem die Nostalgie aus jeder Note entgegen. Hier erhält der Hörer eine klare Botschaft: Making the most of every day, taking the old road, losing a heavy load. Man spürt förmlich wie die Last von Orford abfällt und er seinen Frust bewältigt. Der modernen, hektischen Welt den Rücken kehren und zurück zum einfachen Leben ist das Motto.
"Out in the Darkness" ist wie die Verschmelzung eines IQ mit einem Jadis Stück. Der Track wird behutsam aufgebaut, fast unmerklich steigert er sich und mündet im tollen Chorus. Der klingt erneut stark nach alten Genesis. Auch hier gibt es viel Keyboard und das Gerüst ist deutlich progig ausgelegt.
"The Time and the Season" ist eine knapp 11 minütige musikalische Wanderung durch eine facettenreiche Klangwelt. Flott und spürbar drängender als die ruhigen Nummern davor wird das Grundmuster des Songs in vielen Variationen vorgetragen. Mal herrschen ruhige Abschnitte vor, mal klingen die Keyboards wie Fanfarenstöße. John Wetton am Mikro bringt wieder viel Asia Flair mit ein.
Mit "Endgame" setzt Orford einen würdigen Schlussstrich unter ein Album was rundum überzeugt. Ruhige Akustikgitarren mit traurigem Unterton klingen balladesk. Später spielen die E-Gitarren kraftvoll auf. Ein Schuss Wehmut ist bei dieser emotionalen Nummer immer gegenwärtig. Die Musik klingt langsam aus und am Ende ist nur noch leises Vogelgezwitscher zu hören. Wie auf dem Lande, abseits von Verkehr und geschäftigem Treiben, das ist es wonach sich Orford sehnt.
Fazit: Mit seiner Abschiedsvorstellung THE OLD ROAD ist es Martin Orford gelungen ein emotionales, ziemlich ruhiges Album zu kreieren in dem Hektik und die Jagd nach Superlativen keinen Platz hat. Da passt auch das stimmungsvolle Cover wunderbar. Nicht mit übersteigerten Ambitionen sondern mit Blick für das Wesentliche ging man zu Werke. Die Musik steht im Fokus und die spielerische Klasse der Mitwirkenden setzt dem Album die Krone auf. Man hält mit der Musik und mehr noch mit den Lyrics die Erinnerung an die guten alten Zeiten wach, schön nostalgisch. Frühe Genesis, speziell die Alben NURSERY CRYME und SELLING ENGLAND BY THE POUND lassen sich als musikalischer Bezug heranziehen. Die wahrscheinlich letzte Scheibe von Orford gerät nicht zu einer Abrechnung mit der Musikindustrie obwohl der Frust bei ihm sicher tief sitzt, wenn er der Branche komplett den Rücken kehrt.
Die große Zahl an Gastmusikern, teils Weggefährten von Orford aus IQ und Jadis Zeiten, legen sich prächtig ins Zeug. Man hat nicht nur das Gefühl hier sind gestandene Musiker am Werk sondern hat sogar den Eindruck, als spielten sie schon seit langem zusammen. So rund und wie aus einem Guss klingt die Scheibe da fällt es schwer zu glauben, es handelt sich um ein All-Star Projekt. Da scheint man sich nicht nur musikalisch sondern auch menschlich gut zu verstehen. Neun Songs ohne Ausfall einer besser als der andere und auch wenn es vielleicht kitschig klingt aber der warme, freundliche Sound und die dichte Stimmung die bei den Stücken mitschwingt ist das, was THE OLD ROAD besonders auszeichnet. Natürlich ist das Album sehr vom Keyboard geprägt, Orford zeigt was für ein Könner er an den Tasten ist.
Ich hoffe Herr Orford überlegt sich seinen Ausstieg aus der Musikwelt noch einmal und der Titel des letzen Songs "Endgame" ist noch nicht das Ende seiner Kariere. Ich halte es mit dem Lied "Ray of Hope" und wünsche mir in Zukunft wieder von ihm zu hören. Bei der Qualität dieser CD wäre ein Ende ein wirklicher Verlust. Der Titel des ersten Songs "Grand Design" steht somit stellvertretend für die Güte der ganzen Scheibe. |
Anspieltipps:
| | Das gesamte Album da alle Songs überzeugen. |
Tipp:
| | Für die kommende kalte Jahreszeit wie geschaffen lädt THE OLD ROAD ein sich gemütlich auf das Sofa zu setzen, der tollen, anspruchsvollen Musik zu lauschen und der schnelllebigen Wirklichkeit mit ihrem Stress für eine Stunde zu entfliehen. Zu diesen Songs kann man wunderbar träumen. Auch die Texte die meist eine Idylle beschreiben sind es wert, sich genauer damit zu beschäftigen. Der progressive Anteil ist gut dosiert, die einzelnen Nummern durchaus ausladend aber eben nicht überladen arrangiert. Als Musik Fast Food zum Nebenbeihören viel zu schade. Die eingängigen Melodien sind so ausdrucksstark, da dürften auch vielen Rock Fans die bisher beim Wort Prog eher die Nase rümpfen, getrost zugreifen. Wer es gern Old School mag und in Erinnerungen an alte Yes und Genesis schwelgt ist hier genau auf der richtigen Straße. |
Titel-Liste:
| | - Grand Design
- Power and Speed
- Ray of Hope
- Take it to the Sun
- Prelude
- The old Road
- Out in the Darkness
- The Time and the Season
- Endgame
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Laufzeit:
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