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Review: Overkill
 
IRONBOUND

Album:
 IRONBOUND, 2010, Nuclear Blast

Stil:
 Thrash Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 13.02.2010

Review:
 Da heißt es, mit zunehmendem Alter verliere auch der Tiger seine Zähne und büße zunehmend seinen Biss ein. Musikalische Beispiele gibt es bis zum Abwinken, denn so manche ungestüme Band mit Turboambitionen zu Beginn ihrer Laufbahn enden in mittelmäßiger Belanglosigkeit, bis sie gänzlich in Vergessenheit geraten oder ihnen vorher das Label den Geldhahn zu dreht.
Overkill, die New Yorker Thrash-Metaller kommen inzwischen auch schon in die Jahre, genauer gesagt, haben sie schon 30 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel. Das ist jede Menge Holz und hat man noch die letzten Alben im Ohr, so könnte sich genau das Phänomen breit machen - die Sache eben einfach etwas ruhiger angehen lassen.
Der Ansicht waren die beiden Hauptsongwriter Bobby "Blitz" Ellsworth (Vocals) und DD Verni (Bass) offensichtlich ganz und gar nicht. Deshalb hat man alles halbseidene Material über Bord geworfen und nur die härtesten Bretter für IRONBOUND verbaut.

Schon der Opener "The Green and Black" ist ein gutes für den eingeschlagenen Kurs, der bissig und aggressiv wirkt, auch wenn der Start vielleicht noch etwas zahm wirken mag. Insider wissen es jedoch besser. Was so beginnt, endet meist mit gnadenlosem Schädelspalten. Und so baut sich auch dieser Song allmählich auf, bis er nach fast zwei Minuten die richtige Thrash-Temperatur erreicht hat.
Der Titelsong "Ironbound" hält sich hingegen nicht mit langem Vorspiel auf, sondern startet sofort die Thrashwalze mit gesunder Drehzahl und produziert schon nach wenigen Augenblicken handtellergroße Schweißflecken unter den Achseln.
Von Anvil und Co. ist man gewohnt, klassischen Speed Metal bis zum Abwinken geboten zu bekommen. Auch Overkill machen mit "Bring me the Night" eine gute Figur und lassen hier den Dreschflegel gehörig kreisen. Ducken ist angesagt, sonst droht die Keule.
Es muss auch nicht immer Tempo pur sein. Mit dem düster beginnenden "The Goul is your Soul" präsentieren die US-Herren einen klassisch gestrickten Heavy Metaller, der gehörig rollt und galoppiert.
Etwas sperrig aber dafür mit Volldampf von Anfang an, macht "Give a Little" keine Gefangenen. Hier hagelt es Keulenschläge am laufenden Meter. Lediglich der Chor im Refrain stimmt etwas sanfter und will nicht 100%ig passen.
Zurück auf die Thrash-Spur geht es bei "Endless War", der alles bietet, was die Amis an Trademarks zu bieten haben. Hier werden keine Ecken abgerundet oder Kanten geschliffen. Ganz im Gegenteil, wo eine Rundung nur erahnbar ist, wird so lange geknüppelt, bis daraus eine Kante wird.
Mit mächtig Groove (Rammstein lässt ein paar mal grüßen) unter der Haube kann "The Head and Heart" voll punkten und zeigt einmal mehr die musikalische Vielfalt, die trotz ihrer vielen Facetten auf diesem Album zu einer Einheit verschmilzt. "In Vain" gehört wieder zu den Vertretern des klassischen Heavy Metal, wobei so manches überdrehte Drumming schon an der Thrash-Grenze kratzen mag. Wer mit genügend PS unter der Haube schon einmal die linke Seite der Autobahn hierzulande entlang gedonnert ist, der mag ähnliche Gefühle verspürt haben. Ständige Tempowechsel von forciert bis voll Stoff und dabei bretthart auf dem Asphalt liegen, genau so spielt der Song mit der Gefühlswelt des Zuhörers. Einzig und alleine Bobby Ellsworth zeigt sich gänzlich unbeeindruckt, spult routiniert sein Programm mit voller Bandbreite ab.
Zum Ende hin wird noch einmal jede Kraftreserve angezapft und so bieten das Highspeed-Monster "Killing for a Living" und der thrashige Schlusstrack "The SRC" noch einmal hohes Tempo und gnadenlose Härte. Beides jedoch wohl dosiert und nicht überzogen, sodass eine wilde Knüppelei einer gut geplanten Schlagorgie weichen muss.

Fazit: Mit dieser Leistung gehört IRONBOUND eigentlich schon jetzt zu den Bandklassikern und man kann sich nur wünschen, dass die Herren von der Ostküste noch ein paar Jährchen durchhalten und uns weiterhin mit so manchem granatenstarken Album überraschen werden. An der Produktion gibt es auch nichts mehr zu verbessern, wurde das Album doch standesgemäß in Peter Tägtgrens Abyss Studio abgemischt.

Tipp:
 Wer es schnell, hart und kompromisslos mag, der bekommt hier genau den Treibstoff mit einer Oktanzahl jenseits der 100. Ich sage nur zugreifen!

Titel-Liste:
 
  1. The Green and Black
  2. Ironbound
  3. Bring me the Night
  4. The Goul is your Soul
  5. Give a Little
  6. Endless War
  7. The Head and Heart
  8. In Vain
  9. Killing for a Living
  10. The SRC

Laufzeit:
 57:48 Min.

Band-Infos:
 
  • www.wreckingcrew.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Overkill: Ironbound (Digi Pak)

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