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Review: Overkill
 
THE ELECTRIC AGE

Album:
 THE ELECTRIC AGE, 2012, Nuclear Blast

Stil:
 Thrash Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 02.06.2012

Review:
 Lässt sich IRONBOUND überhaupt noch toppen? Das war die erste Frage, die ich mir gestellt hatte, als der neue Rundling der New Yorker Thrash-Metaller auf meinem Tisch landete. Was haben die die beiden Hauptsongwriter Bobby "Blitz" Ellsworth (Vocals) und DD Verni (Bass) nun diesmal aus dem Hut gezaubert? War genug Material dabei, dass man sich auch diesmal den Luxus leisten konnte, nur die ganz harten Songs zu nutzen und alles Weichei-Gesabbere über Bord zu kippen? Fragen über Fragen und die Antwort kann nur der Neuling THE ELECTRIC AGE selbst beantworten.

Schon die ersten Strophen des Openers lassen aufhorchen, denn da wo man mit IRONBOUND geendet hatte, setzt "Come and get it" nahtlos an. Hier wird wird sogar das Intro nicht nervend, wie bei so vielen anderen Bands heruntergenudelt, sondern zielführend in Szene gesetzt. Und dann geht es schon in die Vollen. High-Speed-Thrash'n'Roll Geballer bis zum Abwinken mit einem mehr als agilen Frontmann, der sich so gar nicht auf sein Altenteil vorbereiten möchte, sondern zu immer neueren Höchstformen aufläuft. Wem das noch nicht genug ist, der kann bei den fetten Chören mitgröhlen oder beim rattenscharfen Gitarren-Solo versuchen mit der Luftgitarre mitzuhalten.
Noch nicht genug geschwitzt, dann gibt es gleich einen rattenscharfen Nachschlag, denn "Electric Rattlesnake" rasselt was das Zeug hält und bietet genau das, was man seit dem Vorgänger frenetisch abfeiern kann. Melodische Riff-Granaten lauern hinter jeder Strophe und selbst Frontröhre "Blitz" schafft es locker seiner Rhythmus-Fraktion Paroli zu bieten. Wenn nur der Rest annähernd soviel bietet, wie der Einstieg, dann hat man zumindest das Niveau halten können.
Von vorne das Feld aufräumen will der Song "Wish you were dead" mit seinem aggressiven Drumming, das sofort mit geschwungener Keule voll die Zwölf trifft. Abgesehen vom obligatorischen Gitarren-Solo bleibt die Taktrate hoch bis zum Schluss und produziert jede Menge Schweißflecken.
Während "Black Daze" mit seinem hohen Groove-Faktor auch in gemäßigten Tempo-Regionen überzeugen kann, versucht es "Save Yourself" mit Up-Tempo, Härte und Chören. Aber gerade letztere wollen mir so gar nicht schmecken. Zu platt und aufgesetzt, eher dem Niveau einer Schülerband entsprechend, hätte ich mir hier etwas Originelleres gewünscht.
"21th Century Man" versinkt etwas in Belanglosigkeit, die jedoch spätestens bei den ersten Riffs von "Old Wounds, new Scars" wieder vergessen ist. Variables Tempo mit jeder Menge explosiver Drummings und einer schneidenden Solo-Gitarre mit irrer Geschwindigkeit, präsentiert den Song abwechslungsreicher als alle seine Vorgänger. Wäre dann noch eine Spur Ohrwurm-Charakter dabei gewesen, so hätte man "Ironbound" Konkurrenz machen können.
Mit vollem Galopp nähert man sich mit "All over but the Shouting" der Schlussrunde und schafft es erneut mit High-Speed-Geballer zu punkten. Sogar einen fast zu gefälligen Chor gibt es beim Refrain - ja, ja, ich weiß man kann es mir nicht recht machen. In jedem Fall immer noch auf Augenhöhe mit dem Opener, schafft es Overkill auch in der zweiten Hälfte voll zu punkten. Man beachte nur die Vocals von "Blitz" und nicht zuletzt das knackige Solo der Lead-Gitarre.
Balladeske, episch angehauchte Gitarren läuten die Schlussrunde ein, passend zum Song-Titel "Good Night". Aber werden wir hier wirklich eine astreine Akustik-Ballade erleben dürfen oder noch schlimmer mit Ritchie Blackmores Night Geträller in den Schlaf gesungen? Glücklicherweise nicht, denn der Song kommt doch noch über eine rostige Weiche auf die flotte ICE-Trasse und darf gnadenlos Gas geben, abgesehen von erneut genialen Break, bis zum Ende - "Good Night!"

Fazit: Nicht besser, aber auch nicht schlechter, so das erste Fazit in aller Kürze. Breit hat sich Overkill aufgestellt, nicht nur rein phyiskalisch mit Wide-Screen-Case und Bonus-DVD, sondern auch musikalisch. Mal ehrlich, wann klang der Meister am Mikro so variabel und leidenschaftlich wie auf diesem Album? Aber auch Rhythmus-Fraktion und Lead-Gitarren schießen volle Breitseiten des so bandtypischen Bastards aus Rock'n'Roll und knallhartem Thrash Metal. Würde wohl Lemmy Kilmister mit seinen Motörheads heute so wie Overkill klingen, wenn sie den Weg ihres Albums OVERKILL mit Songs wie "Overkill" fortgeführt hätten? Ein dreifach Overkill quasi?
Auch wenn ich wegen THE ELECTRIC AGE die gute alte IRONBOUND nicht ausmustern werde, schon wegen dem gleichnamigen Überflieger "Ironbound", so hat der Neuling sich einen eigenen Slot erspielt und darf immer wieder - vielleicht zukünftig immer öfter - seine Runden im CD-Player absolvieren. Play it loud! Das versteht sich von selbst...

Tipp:
 Wer an IRONBOUND Gefallen hat, wird sich auch mit dem bärenstarken Neuling THE ELECTRIC AGE schnell anfreunden.

Titel-Liste:
 
  1. Come and get it
  2. Electric Rattlesnake
  3. Wish you were dead
  4. Black Daze
  5. Save Yourself
  6. Drop the Hammer down
  7. 21th Century Man
  8. Old Wounds, new Scars
  9. All over but the Shouting
  10. Good Night
    Bonus DVD
  • In the Studio with Overkill
  • Blitz's Commentary

Laufzeit:
 50:32 Min.

Band-Infos:
 
  • www.wreckingcrew.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Overkill: THE ELECTRIC AGE

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