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Review: Paradox
 
ELECTRIFY

Album:
 ELECTRIFY, 2008, AFM

Stil:
 Thrash Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 S.O., 20.02.2008

Review:
 Acht Jahre ist es her, seitdem das Comeback-Album COLLISION COURSE erschien und 2000 Paradox wieder ins Gedächtnis der Hörer zurückrief (Davor spielten Paradox das 1.Mal seit Jahren wieder Live auf der Bühne des Wacken Open Air 1999). Da der Frontmann Charly Steinhauer jedoch nach der Veröffentlichung von COLLISION COURSE mit einer schweren Darmerkrankung zu kämpfen hatte, wurde es wieder mehrere Jahre lang ruhig um die fränkischen Thrasher. Die Pause endete erst im Jahr 2006 und Paradox meldete sich mit einem Auftritt beim "Keep It True" Festival zurück. Nachdem sich dann noch neun Monate später die Ex-Mitglieder Fabian Schwarz, Andi Siegl und Chris Weiss von Paradox verabschiedeten, besteht die Kapelle seit dem März 2007 aus Charly Steinhauer, Kai Pasemann, Roland Jahoda und Olly Keller. Diese Formation machte sich dann auch daran, das neue Album ELECTRIFY auf die Fans los zu lassen und ich hör mal rein, ob sie nahtlos an die alten Tage anknüpfen konnten.

"Second over third by Force" beginnt mit einem ruhigen recht industriellem Intro, bevor so langsam die Gitarren einsetzen und diese von mal zu mal lauter werden. Ein kurzer Lick und dann beginnt schon ein verdammt geiles Riffgewitter, mit wirren Breaks und einer Geschwindigkeit die keine Verschnaufpause zulässt. Schließlich setzt dann auch Steinhauer's Gesang ein, der jedoch eher so wirkt, als sei er Begleitung zu den dominanten Gitarren & Drums. Macht aber nichts, ich finde es passt bei dieser Band. Die Tempowechsel passen perfekt und das sehr geile Solo setzt genau an der richtigen Stelle ein. Fetziger Opener der auch Live verdammt gut funktionieren sollte.
"Paralyzed" hat gerade mal eine Spiellänge von 1:02 Minuten und bietet sozusagen eine Verschnaufpause zwischen dem Opener und "Monument", bei dem es gnadenlos sofort auf die Fresse gibt. Sofort setzen schneidende Gitarren und eine unglaublich hämmerte DoubleBass ein, die sich auch nach einem Break nicht zur Ruhe setzen. Charly's Gesang klingt nach wie vor wie eine Mischung aus dem James Hetfield der 80er und dem Grungegesang der 90er. Der Song besticht hier eindeutig durch seine zahlreichen geilen Tempowechsel, Breaks und erneut einem überragenden Solo und immer wieder auftauchenden Licks. Sehr geiler Track zum kollektiven Nacken- & Haarewirbeln.
Mit "Potrait in Grey" geht es erstmal wieder etwas langsam, aber nicht minder heavy zur Sache. Midtempo gibt hier den anfänglichen Tenor an, mit einigen Parts die immer wieder mal etwas mehr Tempo reinlegen. Der Refrain legt dann immer wieder etwas Tempo zu, bevor es in den Midtempo-gehaltenen Chorus zurückgeht. DoubleBass und die Bassgitarre sind schön druckvoll, während hier ein recht langes Gitarrensolo einsetzt. Der Track macht auf jeden Fall Laune und dürfte den Zuhörer für ein paar Minuten in andere Sphären emporheben.
Weiter geht es dann mit "Hyperspeed Hallucinations", das so klingt wie es auch wirkt, denn es geht recht elektrisch zu am Anfang und kündigt ein böses Riffunheil an, das dann auch folgt. Schön schnell, heavy und kompromisslos. Charly macht durchweg eine gute Figur und sein Gesang passt perfekt zum Rest, und ab 3:09 Minuten ca. setzt ein recht geiler taktvoller Stakkatogesang ein, der wohl ins Ohr geht und dem Song einen Wiedererkennungswert gibt. "Hyperspeed Hallucinations" ist insgesamt ein gelungener Mix aus Midtempo und wo es so schön passt, Hyperspeed! Achtung: diese Mischung kann zu Halluzinationen beim Hören führen.
"Bridge to Silence" ist der nächste Titel und bietet wieder sehr elektrische Töne, die durchaus beruhigend wirken. Schließlich setzen dann langsam die Gitarren ein, welche dann einige Sekunden später richtig loslegen dürfen. Wobei eine den Rhythmus hält, während Kai Pasemann immer wieder Licks mit einspeist. Hier herrscht jedoch wieder vorwiegend die Midtempo-Geschwindigkeit. Wobei der Drummer trotzdem ordentlich drauflos hämmert. Steinhauer und Pasemann wechseln sich mit den Licks und den Soli ordentlich ab und der melodische Gesang von Charly gibt dem Song die nötige Würze. Schön melodisch das Stück und dürfte auch eher zum berauschenden Hinhören als Headbangen geeignet sein. Am Ende gibt es noch ein klavierbegleitendes Fade Out, was einen aus dem Song wieder etwas herausholt, bevor man mit "Infected" wieder richtig aufgeweckt wird. Der Song geht mit beinahe epischen Gitarren los, bevor dann so richtig in die Saiten gehauen wird, ein kurzer aber genialer Lick folgt und es schnurstracks zur Strophe geht. Der Song erinnert in seinem Aufbau stark an den Titeltrack vom Vorgängeralbum COLLISION COURSE. Was natürlich nicht negativ gemeint ist, im Gegenteil. Das Lied fetzt richtig und hat wieder ordentliche Nackenbrecher parat. Auch hier zeigt sich mal wieder, dass Charly Steinhauer einfach der richtige Mann am Mikro ist und zudem zeigt Paradox, wo sich Metallica damals hätten hin entwickeln sollen. Starkes Teil und zu Recht war dies die erste Song-Auskopplung mit dazugehörigem Musikvideo.
Mit "Disconnected" geht es nicht minder schnell weiter und sollte der Song direkt nach "Infected" gespielt werden, dürfte es wohl die ersten Anzeichen eines steifen Nackens geben. Schöne rasiermesserscharfe Riffs, die Drums fetzen und Steinhauer's Gesang wirkt wie ein ordentlicher Arschtritt. Beim Solo wird die Klampfe wieder ordentlich beansprucht und zum Heulen gebracht. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt dann auch schon das nächste Solo, bevor es dann wieder einen Break gibt und der nächste heavy Riff folgt. Arschtighter Song, der das Thrasher-Herz zum Schwärmen bringt.
Was darf bei einem Thrash-Album nicht fehlen? Natürlich, hin & wieder mal eine typische 80er-mäßige Ballade. Die folgt mit "Cyberspace Romance", die zum Teil auch recht schmalzig klingt, aber gut: Balladen werden immer ein Begleiter des Metal sein, schließlich müssen auch wir Headbanger mal zeigen, dass wir romantisch sein können oder nicht?
Das Stück ist aber gar nicht mal so schlecht und Charly kann durchaus auch mit sanfteren Tönen überzeugen und auch hier gibt es klasse Soli und drückende Riffs zu vermelden. Besser als heutige "moderne" Metal(core) oder Emo-Balladen mit ihrem heulerischen Gekreische ist es allemal.
Der Titeltrack "Electrify" schließt das Album ab, eine Praxis die eher selten vorkommt bei Titelsongs. Der Song legt wieder Tempo zu und besticht hier abermals mit der Double-Bass und einem coolen eingängigen Refrain. Die Breaks und Tempowechsel passen wie auf's Auge und machen einfach den Charakter der Band aus. Ebenso die Soli, welche dann wieder in den Mainriff des Songs zurückführen. Gelungener Abschluss der Platte, definitiv "elektrisierend"!

Fazit: Nun ich muss sagen, die Platte weiß zu überzeugen und jeder der sowohl auf progressiven als auch auf thrashigen Metal steht, sollte hier bedenkenlos zugreifen können. Hier wechseln sich kompromisslose und prügelnde Riffs mit Melodie und technisch anspruchsvollen Taktwechseln ab. Zudem gehört Charly Steinhauer eindeutig zu den Sängern im Thrash Metal, die auch eher das Singen bevorzugen, ohne jedoch dabei die Eier zu verlieren.
Paradox haben ihr Comeback eindeutig geschafft, was das Musikalische betrifft und man kann nur hoffen dass sie mit "Electrify" auch wieder an den Erfolg anknüpfen können. Mit diesem Album haben sie es auf alle Fälle verdient.
Da ich mir von der Ballade jedoch trotzdem etwas mehr erwartet habe, gibt es hier einen halben Punkt Abzug, was aber nach wie vor starke 6.5 von 7 Punkten zulässt, HUT AB!

Anspieltipps:
 "Infected", "Electrify", "Monument", "Second over third by Force" und "Disconnected".

Tipp:
 Für Fans von Communic, (frühe) Metallica, Destruction bestens zu empfehlen.

Titel-Liste:
 
  1. Second over third by Force
  2. Paralyzed
  3. Monument
  4. Potrait in Grey
  5. Hyperspeed Hallucinations
  6. Bridge to Silence
  7. Infected
  8. Disconnected
  9. Cyberspace Romance
  10. Electrify

Laufzeit:
 52:12 Min.

Band-Infos:
 
  • www.paradox-bangers.de 


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