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Review: Parzival
 
URHEIMAT

Album:
 URHEIMAT, 2011, Euphonious

Stil:
 EBM, Industrial, Gothic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 07.03.2011

Review:
 Parzival, benannt nach einem Versroman von Wolfram von Eschenbach - es leben die Ritter der Tafelrunde - sind in mehrerlei Hinsicht einzigartig. Die Texte sind in Deutsch gehalten, obwohl die Band aus Dänemark stammt und russische Musiker an Bord hat. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs hat es Sänger Dimitrij Bablevskij 1992 von Moskau nach Dänemark gezogen, wo er seine Band Stiff Miners gründete, die 1998 einen Namens- und Line-Up-Wechsel erfahren hatte und von nun unter dem Namen Parzival musizierte. Tragendes Konstrukt der Musik ist dabei der runderneuerte EMB (Electronic Body Music) aus den Anfängen der 80er, die hier jedoch mit Industrial-, Dark- und Gothic-Komponenten angereichert wurde. Sicherlich haben Parzival ein bisschen in Richtung Rammstein geschielt. Das wäre aber viel zu simpel und schnell erklärt, denn selbst nach mehreren Durchläufen lässt sich immer wieder ein Stück Neuland erkennen. Dies ist sicherlich den dominanten Bass-Parts geschuldet, die beim Erstkontakt zunächst alle Sinneszellen im Innenohr umbeamen. Hat man sich jedoch etwas eingehört, so gelingt es viele stilistischen Raffinessen differenzierte wahrzunehmen.

Als Instrumental liefert schon der Opener "Zeit 0" mit brachialer Bass-Maschine und seinen symphonischen Arrangements einen guten Eindruck, was wohl noch kommen mag.
Es folgt der Titeltrack "Urheimat" mit hohem Industrial-Anteil und extrem tiefer Stimme von Dimitrij, die als einzige Konstante alle weiteren Songs begleitet und bei den ersten Durchläufen etwas monoton erscheinen mag. Beginnt man jedoch auch die vielen kleinen Details zu ergründen und den Texten zu folgen, weicht die Monotonie schnell gesteigerter Interesse.
Mit "Nach Nord" gibt gleich einen groovenden und recht flott arrangierten Nachschlag, der beim Abtanzen schon die ersten Achselschweißflecken produzieren kann.
Etwas mehr in Richtung Pop zielt "Sei bereit", das nahtlos in Tempo und Groove seinem Vorgänger folgt, bevor mit "Peitsche und Zuckerbrot" wieder symphonische Elemente dominieren - ja, "Blut ist rot...".
Richtig depressiv wird es dann bei "Der Geist des Barons", bei dem Dimitrij weibliche Chöre zur Unterstützung bekommt.
Gut dass mit "Leben ist Fabrik" ein deutlich freundlicher und schwungvoller Zeitgenosse folgt, der mit jeder Menge minimalistischen Elektronik-Effekte an Kraftwerk und Co. erinnert.
Als düstere Bombast-Variante von Peter Schillings "Major Tom" mausert sich "Die große Schau" und hinterlässt dabei mehr Gelüste in dunkle Tiefen der Unterwelt abzutauchen, als zu "Höhenflüge in das All" anzusetzen.
Unter den letzten 20 Minuten des Album sind sicherlich das intensive sehr melancholisch gehaltene "Der Aarn" zu erwähnen, ebenso wie der Ausklang, "Die spröde Welt", der den stilistischen Bogen zum Opener wieder schließt und einem weiteren Durchlauf nichts im Wege steht.

Fazit: Klar, für einen Die-Hard Rocker oder Metaller kann Parzival zur Herausforderung werden. Wer jedoch bisher einen durchaus interessanten Einstieg in diese Art Musik sucht und dabei nicht gänzlich die Rock- und Metal-Elemente durch Techno-Beats niedergebügelt haben möchte, soll hier Probehören. Dominante Beats hart an der Grenze was eine gute Bass-Box noch verträgt, düstere melancholische Gothic-Gewürze und metallische Industrial-Schärfe gepart mit der teifen Sprechgesangsstimme versprühen einen interessanten Mix aus Kraftwerk, Rammstein, Nine Inch Nails, Die Krupps und auch eine Priese Danzig, die es in sich hat. Für eine echte reinrassige Raver-Party ist die Musik sicherlich zu düster gehalten, aber Abtanzen ist in jedem Fall möglich. Angesichts der deutschen Texte ist es jederzeit möglich auch beim wildesten Bodyshake der Lyrics zu folgen.
Und wenn es dann doch eine Spur zu viel des Guten war, helfen zumindest bei mir ein paar Takte Hypocrisy oder Overkill und die Metaller-Welt ist wieder im Lot.

Titel-Liste:
 
  1. Zeit 0
  2. Urheimat
  3. Nach Nord
  4. Sei bereit
  5. Peitsche und Zuckerbrot
  6. Der Geist des Barons
  7. Leben ist Fabrik
  8. Die große Schau
  9. Der Anilingürtel
  10. Der Aarn
  11. Der Blasebalg
  12. Elektrisches Vorspiel
  13. Die spröde Welt

Laufzeit:
 50:23 Min.

Band-Infos:
 
  • www.parzival.dk 

  • Probehören und Kaufen:
    Parzival: URHEIMAT

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