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Review: Peach ftl
 
ADDICTION

Album:
 ADDICTION, 2008, Spectre

Stil:
 Alternative Rock, Screamo

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 22.06.2008

Review:
 Mit Franzosen und Metal hab ich so meine Probleme. Klar gibt oder gab es dort Bands, die durchaus Erfolge verbuchen konnten und können, wie z.B. Trust, die auch deshalb beim heimischen Publikum so beliebt sind, weil sie kein Blatt vor den Mund nehmen und den Staat dort kritisieren, wo es besonders weh tut.
Und dann? Welche Bands fallen mir noch ein? Adagio: akzeptabel aber konstant? Dark Shine: hart, brutal, mittelmäßig. Demians: schon besser. Fairyland: erfolgsversprechend aber nichts neues. Heavenly: schnell, stark und wie lange noch? Kareila: ich sage Mittelmaß. Kragens: netter Versuch... Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Schuld daran, dass von unserem westlichen Nachbarn so wenig Metal-Kost kommt, ist sicherlich auch das Fehlen einer wirklich überzeugenden und stabilen Szene, so wie bei uns, in der Schweiz oder in Skandinavien. Pop, Rap und Hip-Hop regiert Frankreichs Jugend. Dies erschwert das Bekanntwerden von Metalbands maßgeblich, denn ohne genügend Fans hat keine Band eine wirkliche Chance.
Von Frankreichs "neuer Metal-Hoffnung" spricht die Band-Info, obwohl die Jungs bereits seit elf Jahren tätig sind. Und das will ich natürlich etwas genauer wissen. Nach dem ersten Durchlauf habe ich einen echt bodenständigen Rock vernommen, der Sänger hat dabei eine passable und führende Rolle gespielt. Auch einige Screamo-Einlagen gab es, die ja zur Zeit recht "in" sind und die Hooklines waren allesamt melodiös und nett. Aber von Metal habe ich nichts vernommen. Das lag auch sicherlich nicht nur an den französischen Texten, wo ich immer noch der Meinung bin, dass "harte" Metal-Klänge und "weiche" französische Sprache nicht miteinander zu vereinbaren sind, aber das ist eine andere Geschichte. Hier passt die Sprache recht ordentlich zur gebotenen Rockmusik.
Wenn ich Peach ftl also der Alternative Rock-Szene zuordne, dann wird sofort ein Schuh daraus und erklärt, dass sie bereits ein paar Wettbewerbe in diesem Genre für sich entscheiden konnten.

Losgebrüllt wird gleich zu Beginn des Openers "Emoi", der mit treibenden Gitarren-Riffs und einem charismatischen Frontmann voll überzeugen kann.
Etwas ruhiger und melodischer schankt "L'empreinte" zwischen dichten Gitarrenteppichen und luftigen gesangsdominierten Passagen. Ein solider Rocksong, den man auch öfter hören kann.
Deutlich progressiver und härter mit einigen Screamos kommt "Je n'étais pas" nicht so flüssig rüber, was auch dan den Tempowechseln und dem abwechslungsreichen Drumming liegen mag.
Überwiegend ruhig und balladesk eignet sich Dévoile wohl weniger zum verschmusten Tanzen, als vielmehr zum zuhören. Wieder einmal sorgen abwechslungsreichen Rhythmen, Screamos und teilweise harte Gitarren für keinen kontinuierlichen Fluss.
Gut gefallen hat mir auch "Subliminal", das erneut mit sanften Passagen und harten Screamos im Wechsel aufwartet. Glücklicherweise haben Peach ftl die richtige Mischung aus Gefühl und Härte gefunden.
Mit Abstand der bisher härteste Song ist "Crève". Hier wird von Anfang an gebrüllt, was das zeug hält und die Gitarren geben kräftig Kontra. Der Abschluss mit "Pardonne moi" fällt wieder etwas ruhiger und gebremster aus. Es erinnert etwas an "L'empreinte", wobei hier deutlich mehr klassische Rock-Riffs eingesetzt werden.
Noch sanfter präsentiert sich der Bonus-Track "Elle attend". Hier kann sich der Frontmann von seiner gefühlvollen Seite zeigen und bekommt mit Akustik-Gitarre und Orchester den richtigen Rahmen spendiert.

Fazit: Von einer neuen Metal-Hoffnung konnte ich beim besten Willen nichts vernehmen. Eine durchaus solide Alternative Rock-Band habe ich gehört, der man die jahrelange Erfahrung durchaus anhört. Irgendwo sitzen sie mir jedoch zu sehr zwischen den Stühlen. Alternative-Freunden sind die Screamos vermutlich zu dominant und hart. Die Screamo-Fans werden jedoch nicht genug davon auf dem Album finden. Somit bin auch ich etwas zwiegespalten und kann den Franzosen eine gute Leistung bescheinigen, wenngleich noch Spielraum nach oben bleibt.

Tipp:
 Alternative Rock-Freunde sollten in jedem Fall probehören und sich nicht gleich skeptisch abwenden, weil sie nur französische Lyrik geboten bekommen. Hier passt sie erstaunlicherweise recht gut.

Titel-Liste:
 
  1. Emoi
  2. L'empreinte
  3. Je n'étais pas
  4. Dévoile
  5. Subliminal
  6. 01:45 am
  7. Irreversible envie
  8. Crève
  9. Le ciel et l'éternel
  10. Kahuna
  11. Mes Sens
  12. Pardonne moi
    - - - Bonus Track - - -
  13. Elle attend

Laufzeit:
 51:26 Min.

Band-Infos:
 
  • www.peachftl.com 


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