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Review: Pictorial Wand |
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Album:
| | FACE OF OUR FATHERS, 2009, Unicorn Digital |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | U.B., 19.06.2010 |
Review:
| | Wenn jemand Gitarre, Bass, Keyboards, Orgel, Piano und Perkussion spielt sollte man meinen, er benötigt kaum noch Unterstützung um ein Album einzuspielen. Doch das sieht Multiinstrumentalist Mattis Sorum aus Norwegen wohl ganz anders. Für sein Projekt Pictorial Wand holte er sich nicht weniger als 17 Musiker ins Studio um ein weiteres Konzeptalbum zu erstellen. Das Rock Opera Projekt nahm seinen Anfang im Jahr 2006 als Sorum, damals noch Musikstudent in Trontheim, direkt mit dem Doppelalbum A SLEEPER´S AWAKENING aufhorchen ließ. Ähnliche Produktionen kennt man zum Beispiel von Ayreon oder Avantasia. Sorums neustes Werk hört auf den Titel FACE OF OUR FATHERS und handelt davon wie die einzelnen Generationen ihren Nachfolgern die Welt hinterlassen und wie diese dann mit den Problemen fertig werden. Dabei hat Sorum auf je zwei Sänger und Sängerinnen zurückgegriffen. Die Vier schlüpfen in je einen Charakter der Rock Oper und verkörpern die Rollen: Hope, Love, Reason und Pride. Das ambitionierte Album benötigte drei Jahre bis zur Fertigstellung und aus meiner Sicht war keine Minute davon verschwendet.
Eine leise akustische Gitarre und Kirchenglocken, dazu die Ansprache eines Pfarrers auf einer Beerdigung (ashes to ashes) bilden den Anfang von "The Wasteland". Schnell gesellen sich flotte Gitarren und Drums dazu und ein futuristisch klingendes Keyboard, unterbrochen von leisen Passagen mit Sprechgesang. Mal erklingen die Vocals im Duett, mal nur einzeln. Langsam baut der Song Spannung auf und wird mit Einsetzen von Violinen und Keyboards noch intensiver. Nach einem unvermittelten Break wird der Track dann neu aufgebaut. Zögernd setzen zum dumpfen Bass und einer einzelnen E-Gitarre die verschiedenen Gesangsstimmen ein und sorgen für viel Abwechslung. Das Stück steigert sich vom Tempo und der Intensität konsequent zum Ende hin um dann a cappella auszuklingen.
Zarte Pianoakkorde und melodische Gitarrenläufe bilden den Auftakt von "Struggle of Autumn Leaves". Das könnte auch aus der Anfangsphase von Genesis stammen. Es schließt sich ein Einschub mit leiser Akustikgitarre und dem ewig traurig, klagenden Klang des Cellos im Hintergrund an. Die weiblichen Vocals (Charakter: Love) sind weich und einfühlsam vorgetragen. Aus den wabernden Keyboards, ich sehe vor meinem geistigen Auge den aufsteigenden Nebel, schwingt sich ein tolles Gitarrensolo empor. Die angesprochene zarte, beinahe engelsgleiche weibliche Gesangsstimme steht im deutlichen Kontrast zu ihrem etwas rauen männlichen Pendant. Die Drums wechseln laufend das Tempo unterstützt von viel Bass. Flöten und Keyboards dienen als stimmungsvolle Untermalung. Das Stück klingt langsam und leise aus wie das letzte Blatt was im Herbst vom Baum fällt.
Beim Titel "Prince of War" erstaunt die Einleitung mit einem Glockenspiel. Sobald die Drums aufspielen und der Bass für eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre sorgen, entspricht auch die Musik dem Songtitel. Mit dem mehrstimmigen Gesang wird die Instrumentierung intensiver und der Track wandelt schließlich auf sehr rockigen Pfaden. Dazwischen gibt es ruhige Abschnitte nur mit dem Glockenspiel bevor eine nostalgische Hammond Orgel und ein verträumtes Gitarrensolo sphärisch entrückt erscheinen. Nach einem weiteren Wechsel hin zu härteren und flotteren Klängen mit Betonung der Gitarren und Drums stehen die Keyboards an erster Stelle. Die Keys spielen schließlich ein Thema in immer neuen Variationen bis zum plötzlichen Ende.
Eine einzelne Gitarre dann zwei im Duett spielen leicht tänzelnd, dem Songtitel "The Ghosts start dancing" entsprechend vor dem Hintergrund von Donnergrollen und den Geräuschen von strömendem Regen. Die weiblichen Vocals sind traurig umgeben von der weichen Melodie gespielt von Streichern. Die Flöten erwecken Assoziationen zu den folkigen Klängen von Jethro Tull. Nach einem Hammond Orgel Einsatz preschen alle Instrumente plötzlich nach vorn, besonders die Keyboards. So schnell wie dieser Sturm kam ist er schon vorbei. Eine einzelne Gitarre umweht förmlich die weibliche Gesangstimme bis mit dem Einsatz des männlichen Protagonisten auch die anderen Instrumente erneut kraftvoll zu Werke gehen. Ein komplexes Stück was erstaunlich gut ins Ohr geht und sofort beim ersten Durchlauf zündet.
Auf "Verse of Despair" überwiegt eine traurige, bedrückte Stimmung. Eine einzelne Gitarre und sehnsüchtige Vocals prägen den ersten Teil. Fette Gitarrenriffs brechen unvermittelt aus der düsteren Atmosphäre hervor, wie ein verzweifeltes Aufbäumen. Hier ist der Songtitel Programm, locker und beschwingt sieht anders aus. Recht finster aber gelungener Track.
Neoclassical Prog Rock umschreibt am ehesten den Stil der uns auf "Faces of our Fathers" erwartet. An Instrumenten wird nochmals einiges aufgeboten. Sei es das Piano am Anfang oder die progig spielenden Gitarren und Drums. Das Stück ist bis zur Hälfte nicht so eingängig wie seine Vorgänger, was sicher von Sorum beabsichtigt war, im weiteren Verlauf werden die Melodien doch noch gefälliger mit einigen aufbrandenden Bombasteinlagen wird das fulminante Ende angesteuert.
Mit "Circle´s End" gelingt es Sorum sich nochmals zu steigern. Eine rockige, mitreißende Melodie wird unterbrochen von einer mittelalterlichen Ballade mit Flöten und Klavier nur um kurze Zeit später abgelöst zu werden von Gitarren und Drums. Hier haben die vier Vokalisten ihren großen Auftritt und tragen ganz entscheidend dazu bei den Hörer gefangen zu nehmen. Dann zieht das Tempo an und fällt zurück in Lethargie mit langsamen, in schwermütigen Molltönen schwelgenden Cellos. Ein ständiges Auf und Ab, eine Achterbahnfahrt der Emotionen die Sorums hier entfacht. Hier wird gekonnt auf der Gefühlsleiter des Hörers gespielt, Gänsehaut garantiert. Der Song ist ein würdiger Abschluss eines echten Musikfestes.
Fazit: Es ist Mattis Sorum gelungen ein atmosphärisch ausgesprochen dichtes Album auf die Beine zu stellen. Die Songs sind sehr eingängig, trotz des komplexen Aufbaus und sich häufig überlagernder Rhythmen, dazu abwechslungsreich und überaus emotional. Genau das Richtige um sich zurück zu lehnen und für eine Stunde alles hinter sich zu lassen. Mattis Sorum sprüht offensichtlich nur so vor Einfällen und lässt seiner Kreativität hier freien Lauf sehr zur Freude der Prog Rock Fans. Neben den vielen Instrumenten die er spielt ist er auch noch ein begnadeter Songwriter und hat das ganze Album in ausgezeichneter Manier arrangiert. Die Stücke bewegen sich meist zwischen leichter Melancholie, verträumter Nachdenklichkeit, stellenweise sind von der Atmosphäre auch verhalten depressive Töne auszumachen. Das Album hat nicht nur Klasse sondern ist mit 67 Minuten von der Spielzeit auch recht üppig. Der Durchschnitt der Stücke liegt etwa 9 Minuten, das längste wartet sogar mit über 12 Minuten auf und doch vergeht die Zeit wie im Flug. Zu interessant und kurzweilig sind die Songs, da kommt nie Langweile auf. Meist bewegt sich die Musik mit dem Schwerpunkt auf den leiseren Tönen ohne eine gewisse Dynamik vermissen zu lassen, nur hier und da gibt es einen Ausbruch an Energie. Durch die Besetzung mit je zwei Sängern/ Sängerinnen und dem Einsatz von einer Vielzahl von Instrumenten, unter anderem Flöten, Violinen und Cellos ist für viel Abwechslung gesorgt. So lautmalerisch wie zum Beispiel der Titel des zweiten Songs "Struggle of Autumn Leaves" ist auch Sorums Musik. Pictorial Wand, übersetzt: malerischer Zauberstab, besser hätte man das Projekt gar nicht benennen können. Ein großes Kompliment von mir an einen noch jungen Musiker im hohen Norden. |
Anspieltipps:
| | Bei einem Konzeptalbum sollte man das ganze Album anhören ohne einzelne Titel heraus zu stellen, besonders wenn durchgängig ein so hohes Niveau wie hier gehalten wird. |
Tipp:
| | FACES OF OUR FATHERS bereichert jede Prog Rock Sammlung. Ich fühlte mich bei der Mystik die von der Musik ausgeht mehrfach an die progressive Phase von Genesis zwischen den Alben NURSERY CRYME und SELLING ENGLAND BY THE POUND erinnert. Wegen der guten Eingängigkeit sollten aber auch Musikfreunde denen diese Stilrichtung bisher zu kompliziert war zugreifen. Freunde von Neal Morse oder Ayreon werden unter Garantie hocherfreut sein. |
Titel-Liste:
| | - The Wasteland
- Struggle of Autumn Leaves
- Prince of War
- The Ghosts start dancing
- Verse of Despair
- Face of our fathers
- Circle´s End
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.pictorialwand.com  |
Probehören und Kaufen:
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