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Review: The Poodles
 
SWEET TRADE

Album:
 SWEET TRADE, 2007, AFM

Stil:
 Hair Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 28.12.2007

Review:
 Wenn ich mich recht erinnere kam das Debüt der Schwedischen Spaßvogel-Rocker METAL WILL STAND TALL erst dieses Jahr auf den Markt und konnte so manchen Achtungserfolg verbuchen. Und jetzt im gleichen Jahr schon wieder ein neues Album? Kann denn das gut gehen? Um allen Skeptikern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen - es kann - und wie!
Ein Einstand nach Maß. Hier wird nicht lange gefackelt. Auch wenn die Ziehharmonika-Klänge den geneigten Hörer zunächst auf eine sanfte Fährte locken mögen, so weiß der erfahrene Rock-Fan, die Wende steht unmittelbar bevor. Und wenn dann bei "Flesh and Blood" nach 20 Sekunden die Groove-Maschine gezündet wird, sucht man vergebens nach der Bremse. Jetzt heißt es abrocken, was die Nackenmuskeln hergeben.
Mit berüchtigten Rammstein-Riffs hat man "Streets of Fire" einen modernen kühleren Anstrich verpasst. Jedoch lässt sich die Hymne mit allseits beliebten mehrstimmigen Chören kaum in Zaum halten und geht sofort von den Ohren in die Beine. Wer etwas mehr Bassleistung aus seinen Boxen kitzelt, kann auch vorläufig das Atmen einstellen, denn er wird garantiert drei Minuten geatmet.
Na, das Pulver schon verschossen? Mit nichten! Darf's eine richtige Rock-Hymne sein, alá Freedom Call? Mit Sicherheit hätten die Nürnberger auch hier ihre wahre Freude und würden aus vollem Hals den Refrain von "Seven Seas" mitsingen.
Da bietet "Walk the Lane" mit dem leicht melancholischen Unterton einen nichtsdestotrotz druckvollen Kontrast, der spätestens beim Refrain die gewohnte Eingängigkeit mitbringt.
Was darf man ein einem Song wie "Thunderball" schon erwarten? Richtig, einen gnadenlos nach vorne marschierenden Brüllwürfel, der einem gerne zur Luftgitarre greifen lässt um mitzurocken. Spätestens beim Gitarren-Solo sogar als quasi "Duett".
Bon Jovi's "Livin' on a Prayer" lässt grüßen, jedoch sind die Zeiten der großen Leidenschaft für melodische Rockmusik beim amerikanischen Vorbild schon längst dem Kommerzgenudel gewichen. Dafür gibt es jetzt die Schweden, die mit "Reach the Sky" schon fast nach den Sternen greifen.
Verschnaufen können wir etwas beim balladesken "We are one", dass sich ohne weiteres als Ablösung für Queen's legendäres "We are the Champions" eignen würde. The Poodles schleudern ihren Refrain mit solch einem Nachdruck in die Menge, dass man sich dem "We are one oh hoo, we are forever..." kaum entziehen kann.
Es muss aber nicht immer der stadiontaugliche Mitgröler sein. Das zeigt und die Halbballade "Without you", die durchaus unterhaltsamen Melodic Rock bietet und dabei zur Abwechslung auf übertriebenen Pathos verzichtet.
Für alle Trainierten, deren Puls wieder auf Ruheniveau schlägt, sorgt das etwas flottere "Bands of Brothers" für den nötigen Schwung. Trotz melodischem mehrstimmigen Chorus hat man gerade noch die Kurve zur Schnulze rasiert und einen weiteren Abfeier-Rocker hingelegt.
The Rock is dead, long live the Rock! "Heaven's closing In" marschiert als zeitloser Melodic Rocker mit leichtem 80er Jahre Anstrich nach Art des Hauses Bonfire, locker aus den Boxen - und die Feier ist noch lange nicht zu Ende.
Kurz vor dem (leider schon viel zu frühen) Ende haben die Schweden dann nochmal zwei waschechte Hymnen aus dem Hut gezaubert. Das etwas druckvollere und rockigere "Kiss Goodbye" macht dabei den Anfang, bevor mit "Shine" die Finalrunde eingeläutet wird. Und was für ein Finale. Hier wird schmachtend eine Melodik-Granate nach der anderen abgefeuert, dass sogar Steine feucht werden können. Ich halte mich beim Feuchten etwas zurück, greife lieber zum nächstbesten kühlen Gerstensaft um für die nächste Runde wieder frisch zu sein. Prost!
Als Pausenfüller ziehe ich mir noch schnell die Bonusversion von "Seven Seas" rein, bei der Jakob größtenteils auf seine additional Singer verzichtet. In jedem Fall der richtige Füllstoff zusammen mit dem kühlen braunen Gebräu um den Motor auf Betriebstemperatur zu halten.

Fazit: Kaum eine Band hat mich mit ihrem Album von Anfang an so in ihren Bann gezogen, wie The Poodles. Es ist einfach die schiere Masse an Hymnen, die schon in der Studioversion klingen, als würden sie auf der Bühne abgefeiert. Sie werden Spaß-Rocker geschimpft und genau das ist es, was sie von vielen anderen Bands unterscheidet. Es ist die pure Lust am Rock, die mit jeder Note mit unbändigem Druck in die Gehörgänge gehämmert wird, aber nicht als leicht verdauliche Pop-Kost, sondern durchaus mit musikalischen Raffinessen angereichert. Gibt es auch einige Bands mit einfallsreicheren komplexen Songstrukturen, so vermisst man dort oftmals die Freude am Spiel, die einfach dazu gehört, wie der berühmte Arsch auf den passenden Eimer.
Achtung Turbonegro, Wig Wam & Co. zieht euch warm an, denn The Poodles haben die ersten Schlachten schon für sich entschieden.

Anspieltipps:
 "Flesh and Blood", "Streets of Fire", "Seven Seas" und "We are one".

Tipp:
 Alle die bei Rockmusik so richtig abfeiern möchten, nicht zu hohe Ansprüche stellen und sich auch bei Hymnenschwingern wie Freedom Call wohl fühlen, werden hier ihre wahre Freude haben.

Titel-Liste:
 
  1. Flesh and Blood
  2. Streets of Fire
  3. Seven Seas
  4. Walk the Lane
  5. Thunderball
  6. Reach the Sky
  7. We are one
  8. Without you
  9. Bands of Brothers
  10. Heaven's closing In
  11. Kiss Goodbye
  12. Shine
    - - - Bonus - - -
  13. Seven Seas

Laufzeit:
 47:18 Min.

Band-Infos:
 
  • www.poodles.se 


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