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Review: Powderhog
 
POWDERHOG

Album:
 POWDERHOG, 2007, Trechoma Records

Stil:
 Garage Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 04.01.2008

Review:
 Schon der Bandname gibt viel Stoff für recht plastische Wortspiele. Ist es im Falle des "Powder" noch ziemlich einfach, denn das ist nun mal "Puder", "Pulver" bzw. "Staub", so verhält es sich mit "Hog" schon etwas interessanter. Was soll es nun heißen? Soll man zu den Schweinen greifen und sich am "Haus-", "Mast-" oder "Schlachtschwein" erfreuen oder ist es mehr im übertragenen Sinne zu verstehen? Dafür hätte man dann mit "Ferkel", "Flegel", "Schmutzfink" oder gar "Vielfraß" recht lustige Varianten? Oder meinten sie gar den "Scheuerbesen"? Nun vielleicht liefert ein Interview etwas mehr Klärung. In jedem Fall sind viele Kombinationen möglich und immer wieder passend, wenn es um die Beschreibung der Musik geht.

Geboten wird von den Dänen ein rotzig frecher überwiegend flotter Garagen-Rock, der einfach seinen eigenen Weg geht ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Das Quartett beschränkt sich dabei auf zwei Gitarren den Bass und die Drums. Auch wenn manchmal mit Hammond-Orgel-Klängen ein bisschen Retro-Feeling aufkommt, so ist es hauptsächlich der unbändige Druck der Doppel-Gitarrenfront, der die Songs nach vorne treibt. Maßgeblich beteiligt an der Show ist auch der Schreihals am Mikro Johnny Houmark, der den Ton angibt und genauso gut seine Brötchen bei einer Punkband verdienen könnte.

Die Jungs fackeln nicht lange, denn mit dem Opener und Einheizer "Sweet Bullet" geht schon mal voll die Post ab. Die Gitarren sägen auf Vollast, Johnny schreit sich die Seele aus dem Leib und die Rhythmusfraktion sorgt für die nötige Basisfülle.
Nahezu ansatzlos mit unvermindertem Druck schließt sich die Frage "A thousand Ways out of here?" an und ich seh' bei mir zunächst nur zwei Türen und zwei Fenster für eine schnelle Flucht. Ist aber jetzt nicht angebracht. Dafür bin ich viel zu gespannt, wie es weiter geht.
Etwas mehr Galopp und Groove ist bei gleichem Tempo für "Losing your Head" angesagt. Glücklicherweise sitzt mein Regenschutz für den Hals noch recht fest und ich kann ungehindert weiter dem musikalischen Rock-Express folgen und sogar noch darüber schreiben.
Erst "For the Guilty" drückt etwas auf die Bremse. Auch die Gitarren dürfen etwas abkühlen. Von Verschnaufen kann aber noch lange keine Rede sein. Für heftiges Mitnicken ist immer noch genug Dampf im Kessel. Inzwischen ist mein Laune-Pegel schon dort angelangt, wo ich am liebsten bei jedem Song mitgröhlen möchte. Na hoffentlich langt das Bier (gibt übrigens auch mittlerweile drinkbare alkoholreduzierte Varianten).
Flotte kurze knackige und einprägsame Riffs sind das Markenzeichen von "Coming Home again". Wer also bei dem Vorgänger schon etwas in die Ruhepulsphase abgesunken ist, braucht sich keine Sorgen machen, denn der druckvolle Rocker sorgt für ordentliches Luftholen.
Wäre es eine Stoner Rock-Band, könnte ich mir schon vorstellen, wie sich ein Song mit dem Titel "Opium" anhören könnte. Hier ist es Adrenalin pur und das sogar mit noch etwas mehr Druck in den unteren Regionen als bei den bisherigen Songs. In jedem Fall können nicht nur das Gitarrensolo oder der tierisch groovende Sprechgesang nach einem wirkungsvollen Break wirklich süchtig machen. Das Opium hat also seinen Zweck erfüllt.
Wer jetzt denkt, die Jungs hätten schon ihr ganzes "Powder" verschossen, der liegt glücklicherweise falsch. Egal ob das etwas langsamer marschierende ebenfalls groovende "Girl (You've got to let me go)", der walzende Nackenbrecher "Another Trip", das mit etwas Verzögerung zündende "Fuel to burn" oder "Fool's Gold (Keep diggin')" mit seiner etwas anspruchsvolleren Gesangslinie, sie alle lassen kaum Langeweile aufkommen und werden mit dem erneut genial groovenden Rausschmeißer "She sells Misery" verabschiedet.

Fazit: Die Dänen frönen ihrer Leidenschaft Garagen Rock mit Leib und Seele und können dabei mit makelloser Instrumental- und Gesangsleistung voll überzeugen. Klar, dass nicht so viel hängen bleibt, wie bei Tralala-Rock- und Metal-Songs, aber das tut dem Abfeiern keinen Abbruch.
Die Produktion ist für dieses Genre überraschend druckvoll und sauber. Hier hat man durchaus Wert auf Soundqualität gelegt, nicht künstlich verschlechtert. Und siehe da, auch wenn den technisch einwandfreien Sounds nicht mehr ganz den Muff der Garage anhängt, so rocken sie trotzdem wie die "Sau".

Tipp:
 Für alle, die Glucifer, The Hellacopters, Psychopunch, Babylon Bombs, Backyard Babies und The Bones keine Fremdwörter sind, sollten auch hier mal etwas genauer antesten und vielleicht bald einen weiteren Party-Anheizer in ihrem Regal stehen haben.

Titel-Liste:
 
  1. Sweet Bullet
  2. A thousand Ways out of here?
  3. Losing your Head
  4. For the Guilty
  5. Coming Home again
  6. Opium
  7. Girl (You've got to let me go)
  8. Another Trip
  9. Fuel to burn
  10. Fool's Gold (Keep diggin')
  11. She sells Misery

Laufzeit:
 39:21 Min.

Band-Infos:
 
  • www.powderhog.dk 


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