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Review: Powerwolf
 
BIBLE OF THE BEAST

Album:
 BIBLE OF THE BEAST, 2009, Metal Blade

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 09.05.2009

Review:
 Bereits zum dritten Schlag holen die Saarländer Werwölfe um Oberheuler Attila Dorn nun mit ihrem neuen Album BIBLE OF THE BEAST aus und nach den Erfolgen mit dem Vorgänger LUPUS DEI sind die Erwartungen der Fans und Kritiker entsprechend hoch. Bekannt für ihre druckvollen pompösen Orgelarrangements und zuckersüßen Mid-Tempo-Ohrwürmer war ich gespannt, wohin es das Wolfsrudel wohl diesmal musikalischer verschlagen hat. Haben die Jungs die Kritiken ernst genommen und diesmal auch ein paar flottere Songs beigemischt? Ich lasse mich überraschen...

Das gewohnt bombastische Intro "Opening: Prelude to Purgatory" lässt zunächst alles beim Alten und läutet standesgemäß ein weiteres unverkennbares Wolfs-Album ein.
Doch schon der Opener "Raise your Fist Evangelist" offenbart die erste Überraschung. Double-Bass-Drumming und ein deutlich härter agierender Attila fallen sofort auf. Auch die gewohnt eingängigen Orgel-Passagen werden aggessiver von der Gitarrenfront attakiert, als bei den voran gegangenen Alben. Das tut jedoch der eigentlichen Spielfreude kaum Abbruch, denn die quillt aus jedem Riff.
Mit "Moscow after Dark" folgt gleich eine wuchtige Mid-Tempo-Hymne, die neben ihrem dichten Klangteppich vor allem durch fette Chöre, tempoverschärfte Strophen und jeder Menge Mitgröhl-Atmosphäre punkten kann.
Helloween goes Powerwolf, zumindest tempomäßig hat "Panic in the Pentagram" kaum noch etwas mit den getragenen Songstrukturen früherer Alben zu tun. Wenn auch mir persönlich die Chöre etwas zu dominant geraten sind, verkörpern sie doch unbändige gute Laune und der text hat es in sich. Und wer den Helloween-Vergleich noch nicht so ganz glauben mag, der sollte die ersten vier Minuten abwarten.
Schon nach wenigen Augenblicken erinnert "Catholic in the Morning... Satanist at Night" doch stark an die Band Dschingis Khan, denn auch die hatten damals - ja, ja lang ist es her - ein Faible für Pomp-Chöre mit "Hey" und "Hoh". Aber was solls, die Zwischenspurts und Ohrwurm-Refrains lassen auch diesen Song nicht mehr so schnell die Gehörgänge verlassen und werden sicherlich so mancher Partygesellschaft einheizen.
Mit Volldampf geht es weiter, denn die sieben tödlichen Ritter oder genauer "Seven deadly Saints" walzen in vollem Galopp durch den Verstärker und lassen sich nur unwillig mit tonnenschweren Orgelklängen aufhalten. Wer jetzt denkt, einmal voll aufs gaspedal und das wars, der hat sich geschnitten. Vielmehr glänzt man hier mit jeder Menge überraschender Breaks.
Nach Latein und Russisch, gibt es bei den "Werewolves of Armenia" auch - "Eins, zwei, drei, vier" - deutsche Anfeuerungen und was die früheren "zarten" Vergleiche mit Dschingis Khan betrifft, hat man hier noch eins, zwei, drei, vier draufgesetzt.
Und noch einen Deutschen Nachschlag gibt es beim nächsten Song, denn ein "Lobet den Herren" muss schon sein, bevor man mit "We take the Church by Storm" die keulen auspackt und zum Sturmangriff bläst. Kaum zu glauben, dass das die gleichen Power-Wölfe sein sollen...
Langsam muss doch die Luft raus sein, dachte ich und wurde mit dem recht tough nach vorne stürmenden "Resurrection by Erection" eines besseren belehrt. Eingängiger Refrain, gepaart mit druckvoller Gitarrenfront und messerscharf agierendem Frontmann, ja, Powerwolf haben nichts verlernt und beweisen einmal mehr, wo ihre Markenzeichen liegen.
Nach dem nächsten Up-Tempo Kracher "Midnight Messiah", dessen Refrain mir fast etwas zu süß geraten ist, entschädigt mich "St. Satans Day" voll und ganz. Ähnlich wie bei dem vorherigen "Resurrection by Erection" überzeugen Eingängigkeit mit einer gesunden Portion Härte, wobei die Tempoverschärfung im Vergleich zu früheren Songs der Truppe recht gut zu Gesicht steht.
Der Ausklang "Wolves against the World" verbindet perfekt die neuen und alten Wölfe, sollte also auch die womöglich überforderte oder gar geschockte Fanschar versöhnlich stimmen. Auf alle Fälle ein grandioser Abgang mit Wiederholungsgarantie.

Fazit: Powerwolf haben erneut ein beeindruckendes Album abgeliefert. Die Tempoverschärfung und härtere Gangart des Frontmanns fallen dabei ebenso positiv auf, wie die pure Spielfreude am Metal und die augenzwinkernde Ironie in den Textbotschaften. Das Ziel, die Erwartungen der Fans zu befriedigen ist damit schon einmal gelungen, wenn sich auch die positiven Entwicklungen mit den etwas übertriebenem Hang zum Pomp und Mitschrei-Chören die Waage hält.

Anspieltipps:
 "Raise your Fist Evangelist", "Panic in the Pentagram", "We take the Church by Storm" und "St. Satans Day".

Tipp:
 Wer mit dominanten Orgelklängen, fetten Chören und beißender Textironie nichts am Hut hat, der wird Powerwolf vermutlich hassen. Wer jedoch auf pure Lust am Metal und pompöse Arrangements abfährt, der bekommt mit BIBLE OF THE BEAST das volle Brett geliefert.

Titel-Liste:
 
  1. Opening: Prelude to Purgatory
  2. Raise your Fist Evangelist
  3. Moscow after Dark
  4. Panic in the Pentagram
  5. Catholic in the Morning... Satanist at Night
  6. Seven deadly Saints
  7. Werewolves of Armenia
  8. We take the Church by Storm
  9. Resurrection by Erection
  10. Midnight Messiah
  11. St. Satans Day
  12. Wolves against the World

Laufzeit:
 47:44 Min.


 
 
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