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Review: Praying Mantis
 
SANCTUARY

Album:
 SANCTUARY, 2009, Frontiers

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 16.09.2009

Review:
 Meinen ersten Kontakt mit Praying Mantis hatte ich in den frühen 80ern mit ihrem Debüt-Album TIME TELL NO LIES. Ich kaufte es mir wohl eigentlich wegen des gelungenen Artworks (und zugegebenermaßen auch wegen der Tatsache, dass es im Plattenladen unter Heavy Metal einsortiert war). Der erwartete Heavy Metal blieb aus. Praying Mantis spielen damals Hardrock der melodischen Art, was zu der Zeit eigentlich gar nicht mein Ding war (eher je härter desto besser). Dennoch fand ich das Songwriting hochklassig und vor allen Dingen sehr fortschrittlich. Die Briten verstanden, mitreißende Songs zu komponieren. Letztendlich kaufte ich mir das Album sogar nochmal als CD, als diese die alten Vinyls ablösten.
Das weitere Schaffen von Praying Mantis verlor ich danach aus den Augen. Ich war sogar recht erstaunt, dass die Truppe 34 Jahre nach der Gründung noch existiert und über Frontiers das Album SANCTUARY herausbringt. Von der ursprünglichen Besetzung sind noch die Bandgründer Tino Troy (Gitarre) und Chris Troy (Bass) übrig geblieben. Die weiteren Mitglieder Mike Freeland (Gesang), Andy Burgess (Gitarre) und Benjamin Reid (Drums) kamen erst in den vergangenen vier Jahren an Bord.
Sehr gespannt bin ich, wie sich Praying Mantis im Jahre 2009 stilistisch präsentieren.

Nun, Heavy Metal spielen Praying Mantis auch heuer nicht, obwohl das Label dazu neigt, sie dort einzustufen. Doch alleine die Tatsache, dass sich Frontiers der Band angenommen haben, lässt auf eine relativ melodische Marschrichtung schließen.
Gleich der Opener "In Time" geht gut ins Ohr. Eine melodische, zielgerichtete Hookline mündet in eine starke Bridge und einen harmonischen Höhepunkt. Stilistisch fröht man zwar dem melodischen Hardrock, doch gerade die knackigen Gitarren bringen auch einen leichten Melodic-Metal-Eindruck mit ein. Ein Wechsel der Intensitäten drückt dem Stück auch noch einen vielschichtigen Touch auf.
"Restless Heart" ist eine emotionaler Song, der so ein wenig zwischen AOR-Nummer und Halbballade schwankt. Leider ist er etwas seicht und akzentlos. Mit "Tears in the Rain" folgt die nächste gefühlvolle Nummer direkt auf den Fuß, was nicht wirklich gut platziert ist. Auch von der Melodie kann der Track mich nicht so recht überzeugen.
Was die Melodie angeht, kann der etwas nostalgisch anmutende Hardrocker "So high", der durchaus auf der legendären 80er-Scheibe der Band hätte vertreten sein können, schon mehr überzeugen. Der geht flott ins Ohr und der hymnische Chorus lädt schon bald zum Mitsingen ein. Das dürfte vor allen Dingen live ein ordentlicher Publikumsmotivator sein.
Richtig gefühlvoll und besinnlich wird es bei "Lonely Way Home", und dieses Mal treffen Praying Mantis mit einer bezaubernden und mitreißenden Melodie auch genau meinen Nerv. Absolute spitze sind hier auch die unheimlich emotionale Gesangsleistung von Mike Freeland und der catchy Chorus beim Refrain.
"Touch the Rainbow" kommt mit ordentlich Drive und haut dem Hörer auch mal wieder ein paar knackige Riffs und Licks entgegen. Der Höhepunkt ist mit einer sehr gelungenen Abstimmung zwischen Bridge und Refrain gut erarbeitet.
"Threshold of a Dream" gehört zu den Stücken, die hauptsächlich wegen des Gitarrenspiels durchaus mal am Melodic Metal kratzen. Die Mainmelodie und der ausdrucksstarke Gesang schmeicheln den Gehörgängen.
"Playing God" zieht wieder mehr eine Linie zum amerikanischen AOR, kann aber ganz gut Stimmung machen, während mir persönlich der inzwischen vierte primär emotionale Track "Highway" etwas zu viel des Guten ist.
Das beste Stück haben sich Praying Mantis aber bis zum Schluss aufgehoben: der sechseinhalb minütige Titeltrack "Sanctuary" baut auf unterschiedlichen Intensitäten auf und ist allgemein etwas progressiv arrangiert. Trotzdem fehlt es nicht an einer starken Hookline, die auch immer wieder aufgegriffen wird, und der Refrain thront schön über der Komposition. Die Band bewegt sich dabei größtenteils wieder in härteren Gefilden. Ich finde es schade, dass sie diese Marschrichtung nicht etwas konsequenter verfolgt haben, wenn dabei doch solch starke Kompositionen rauskommen können.

Fazit: Praying Mantis können es auch 2009 noch. Sie liefern teilweise richtig gute Songs ab, besonders die bei den Anspieltipps erwähnten. An TIME TELL NO LIES reicht SANCTUARY nicht ran, doch das durfte man auch nicht voraussetzen. Insgesamt ist SANCTUARY aber ein sehr solides Werk des melodischen Hardrocks.
Wer die Band früher schon mochte, oder aber die Spielart im Allgemeinen mag, sollte sich zumindest eine Hörprobe gönnen.

Anspieltipps:
 "In Time", "So high", Lonely Way Home", "Touch the Rainbow" und der Titeltrack "Sanctuary" sind meine Empfehlungen bei diesem Album.

Titel-Liste:
 
  1. In Time
  2. Restless Heart
  3. Tears in the Rain
  4. So high
  5. Lonely Way Home
  6. Touch the Rainbow
  7. Threshold of a Dream
  8. Playing God
  9. Highway
  10. Sanctuary

Laufzeit:
 51:04 Min.

Band-Infos:
 
  • www.praying-mantis.com 


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