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Review: Primal Fear
 
16.6 - BEFORE THE DEVIL KNOW'S YOU'RE DEAD

Album:
 16.6 - BEFORE THE DEVIL KNOW'S YOU'RE DEAD, 2009, Frontiers

Stil:
 Heavy Metal, Power Metal

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 J.G., 22.05.2009

Review:
 Seit Jahren eine Bank für klasse Heavy Metal- und Power Metal-Alben sind die Jungs von Primal Fear. Bei ihrem Start vor zwölf Jahren wurden die Kritiker nicht müde den Gesang des Frontmanns Ralf Scheepers mit dem von Rob Halford zu vergleichen und auch die Musik im Allgemeinen als müden Judas Priest-Abklatsch zu diffamieren. Ungeachtet dessen habe ich das Debüt von 1998 hier bei uns als Tipp des Monats gewählt und stehe bis heute dazu. Wer nur die letzten beiden Alben und den Neuling 16.6 kennt, wird sowieso über die antiken Vergleiche den Kopf schütteln.
Was hat sich seit dem letzten Album NEW RELIGION alles getan? Es fällt ein neuer Mann im Line-Up auf. Der schwedische Gitarrist Magnus Karlsson, der bereits beim Vorgänger einige Soli beigesteuert hatte, ersetzt nun dauerhaft den langjährigen Weggefährten Stefan Leibing. Ansonsten blieb alles beim Alten. Der Kurs des letzten Albums in Richtung Vielfalt ist gleich geblieben, wenn gar das Songwriting einen deutlichen Sprung nach vorne getan hatte. Klang beim letzten Album einiges wie good-will, aber noch nicht ausgereift, glänzen hier alle Früchtchen und zeigen perfekten Reifegrad.

Nach obligatorischem Intro "Before the Devil know's you're dead" geht es bei "Riding the Eagle" gleich voll zur Sache. Ein paar tiefe Gitarren-Schrammeleien bevor mit brutaler Gewalt die Double-Bass-Rhythmus-Rakete gezündet wird. Mit dominantem, höchst melodischen Gesang beherrscht Ralf seine Jungs zu jeder Sekunde. Der Song lässt jedoch auch genügend Spielraum für üppige doppelläufige Gitarren-Soli und geniale Drum-Line.
Erstes Highlight ist der Titelsong "Six Times Dead (16.6)", denn die mega-eingängige Hymne lehrt jeder schwachen Partybox-Schwingspule das Fürchten und überrascht mit düsterem Intermezzo.
Als genialer Kontrast folgt das orientalisch angelegte epische "Black Rain" mit weiblicher Unterstützung und genialen Drum-Läufen, das trotz baladeskem Charakter mit Slow-Double-Bass für jede Menge Druck sorgt. Ihr könnt schon mal eurem Ohrenschmalz Lebewohl sagen.
Das gitarrendominierte Up-Tempo-Riff-Monster "Under the Radar" mit seinem melodischem Refrain, der sofort sich im Gehörgang fest krallt, räumt auf mit den ruhigen Klängen seines Vorgängers. Lediglich Ralf mit seiner getragenen Gesangslinie nimmt dem Song subjektiv etwas Tempo. Davon scheint die Rhythmusfraktion jedoch kaum etwas mitzubekommen. Mat bekommt bei "5.0 / Torn" seinen ersten Solo-Auftritt, denn nach kurzem Gitarren-Intro folgt einer der viel zu seltenen Bass-Intros. Was danach kommt, fällt unter die Rubrik symphonisch angehauchter Melodic Metaller mit hohem Grundtakt und Ohrwurm-Refrain.
Nicht so krass, wie Disturbed, aber immerhin stellenweise eindeutige Nu Metal-Klänge herrschen bei dem ansonsten klassisch melodisch ausgelegten Power-Fetzen "Soar". Hier zeigen sich am Deutlichsten die Bemühungen die angestrebten Veränderungen und Bandbreiten-Erweiterungen organisch in die gewohnten Gesangsstrukturen einzubetten - mit überzeugendem Erfolg, wie man hört.
Es folgt mit "Killbound" ein typischer Primal Fear-Klassiker, der sofort zum Headbangen einlädt und von Mitgröhlen bis Abtanzen alle Optionen bietet.
Nach so viel Power und Tempo lässt es die symphonische Ballade "No Smoke without Fire" recht ruhig angehen. Interessant hierbei Ralfs Gesang, der diesmal mit viel Gefühl auch die unteren Regionen beackert. Nicht mehr so markant, wie gewohnt, aber durchaus passend. "Pah, Ballade, interessiert uns nicht", das dachten sich bestimmt seine vier Mitspieler, als sie sich mit Zwischenspurts vergnügten.
Nachdem schon beim Vorgänger die Musiker unüberhörbar mit den Hufen scharrten, angesichts des reduzierten Tempos, dürfen alle beim groovenden "Night after Night" wieder voll aufs Gaspedal treten - noch mit Abstand zum Bodenblech, aber viel fehlt nicht mehr.
Es folgt das tierisch treibende "Smith & Wesson" mit unbändigem Up-Tempo-Zug nach vorne, so dass es hier gerade live in den ersten Reihen recht eng werden könnte.
Tempomäßig noch eins drauf setzt Primal Fear mit "The Exorcist". Hart, geradlinig, eingängig und mit solidem melodischen Grundgerüst, bietet der Song genau das, was die Fans seit Jahren an ihrer Band lieben.
"No Smoke without Fire" hatte es bereits angedeutet, Ralf kann auch sanft. Und so gibt es zum Abschluss mit "Hand of Time" eine weitere Halb-Ballade, die genau richtig dosiert zwischen gefühlvoll, ruhig und forciert agiert. Sodass reflexartig der Griff zur Play-Taste erfolgt, um eine neue Runde Primal Fear einzuläuten.
Sagte ich Abschluss? Glücklicherweise habe ich die Version mit Bonus-Songs im CD-Player und bekomme mit "Cry Havoc" und "Scream" zwei weitere flotte unterhaltsame Straßenfeger geboten, die nichts wirklich Neues bringen, jedoch die Spieldauer in üppige Höhen treiben.

Fazit: Puh, erst mal durchschnaufen, denn dieses Album hat es in sich. Schon jetzt steht für mich fest, dass dieses Album in meiner Top-Liste von 2009 landen wird. Power ohne Ende, Eingängigkeit als Hauptziel, Abwechslung von klassisch über orientalisch bis hin zu modern und eine gigantische Spielzeit von fast 70 Minuten. Da sollten sich so manche Möchtegern-Power-Pupser ein Scheibchen abschneiden. Eigentlich bin ich nun voll und ganz zufrieden und von mir aus genügt es, wenn Primal Fear zukünftig annähernd dieses Niveau halten würden, denn mehr geht einfach nicht.
Über eines muss ich mich jedoch wirklich wundern und das ist das Label. Wer Frontiers kennt, weiß, was die Italiener eigentlich bevorzugen und da gehört Musik alá Primal Fear nun wirklich nicht dazu. Das haben die geizigen Schwaben von Nuclear Blast wohl gründlich vergeigt, als sie so ein Pferd den Stall wechseln ließen - und ich habe auch gar kein Mitleid.

Tipp:
 Heavy und Power Metal Fans, vergesst die Skandinavier Hammerfall, Nostradameus, Stratovarius, Sabaton und wie alle heißen mögen. Hier spielt die Musik und hört auf Primal Fear! Wer die Limited Edition findet, der sollte unbedingt zugreifen. Für einen Euro mehr gibts gleich zwei Bonus-Tracks und einen Video-Clip.

Titel-Liste:
 
  1. Before the Devil know's you're dead
  2. Riding the Eagle
  3. Six Times Dead (16.6)
  4. Black Rain
  5. Under the Radar
  6. 5.0 / Torn
  7. Soar
  8. Killbound
  9. No Smoke without Fire
  10. Night after Night
  11. Smith & Wesson
  12. The Exorcist
  13. Hand of Time
    - - - Bonus-Tracks - - -
  14. Cry Havoc
  15. Scream

Laufzeit:
 69:32 Min.


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