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Review: Psycho Luna |
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Album:
| | GÖTTIN, 2007, Black Bards Entertainment |
Stil:
Wertung:
| |  2,5 von 7 Punkten | | M.K., 23.10.2007 |
Review:
| | Psycho Luna stammen aus Nordrhein-Westfalen und legen mit GÖTTIN ihr drittes Werk vor. Ein Konzeptalbum über ein junges Paar, welches in den Wirren eines Krieg der Götter getrennt wird. Auch mal eine neue Thematik.
Los geht es mit dem knapp über zwei Minuten langen Intro namens "Blätter", welches mit Keyboards, Synthesizing und einer Frauenstimme, die in die Geschichte einweist, aufwarten kann. Erfüllt seinen Zweck und kommt auf Kopfhörern ganz gut.
Mit "Feenpfad II" startet das Quintett dann in das Album. Drummer B-Punkt gibt den Takt vor, Synths von RK werden eingestreut und eine ruhige Gitarre ebnet den Weg für die etwas lächerlichen Lyrics von Mr. Luna. "Und dann kam die kleine Fee/zeigte mir was Leben ist/sagte mir es währ ok/wenn der Mond die Sonne küsst" ...ein Schmunzeln konnte ich mir hier nicht verkneifen. Wirkt eher wie ein Kinderlied als wie ein Rocksong. Musikalisch geht das Ganze in Ordnung, handfester Mid Tempo-Rock wird geboten, garniert mit Synthieparts. Aber textlich eine mittelschwere Katastrophe.
Mit "Engel: Hoffnung" geht es weiter und ich hege wirklich Hoffnung, dass es hier besser wird. Musikalisch fängt das Stück gut an, ein flotter Up Tempo-Song mit gut produzierten Riffs sorgt für gute Laune. Die hoch gesungenen Lyrics von Mr. Luna können hier auch etwas mehr überzeugen. Die Bassline in der zweiten Strophe wurde galant bei The Cure geklaut, "Lullaby" lässt grüßen. Zwar etwas schneller gespielt in der Psycho Luna-Version, dennoch sehr ähnlich. Naja, fassen wir es als Art Tribut auf. Nach dem Chorus geht es mit dem Riff vom Beginn weiter, diese Bridge hält jedoch nicht allzu lange an, denn es ist wieder Zeit für den Refrain. Kurz darauf ist mit einem ruhigen Outro Feierabend. Konnte unterhalten.
Mit an Hip Hop erinnerndes Sampling geht es zu Beginn vom fünfminütigen "Herrin vom See" weiter, unterbrochen wird dies von harten, kalten Riffs. Der Gesang kann hier endlich vollkommen überzeugen, der Refrain versaut dies jedoch. Ich dachte, Falco ist tot? Insgesamt ist "Herrin vom See" recht einfach instrumentalisiert, weiss jedoch gerade durch das simple Spiel zu überzeugen. Bands wie Rammstein oder Marilyn Manson machen es des öfteren auch nicht anders. Doch genannte Bands bekommen gescheite Refrains hin. Die Herrin geht jedoch in Punkto Chorus in ihrem See unter. Dafür kann eine Art Gitarrensolo nach der Bridge Punkte einfahren. Mittelmäßiges Stück.
Rein elektronisch beginnt das folgende "Punkt: Mensch", nach einiger Zeit wird dieses mit Gitarre und einer Mitsing-Melodie ergänzt. Kommt dem geneigten Hörer von irgendwo bekannt vor. Der Beat im Hintergrund der Strophe neigt zum Kopfnicken lassen, die Lyrics sind ebenfalls in Ordnung. Der Refrain kann endlich mal überzeugen und passt zum Song. Geht doch. Die Bridge kommt weniger massenkompitabel und etwas zackiger gespielt aus den Boxen, die Lyrics entschlüsseln sich mir jedoch nicht. Mit einem richtig gut groovenden Part sowie anschließendem Gitarrensolo endet "Punkt:Mensch" und kann mich vollends überzeugen.
Mit "Freiheit (Interlude)" geht es weiter. Man hört jemanden, der irgendwelches dummes Zeug auf eine Mailbox quatscht, untermalt von Synths, einem Riff sowie einer mittelalterlich anmutenden Flötenmelodie. Das Gespräch endet jedoch schnell und eine Keyboardmelodie rückt an die Stelle der Flöte. Schleppend geht es nun weiter. Dieses Spielchen zieht sich nun gut zweieinhalb Minuten, dann ist dieses Interlude schon wieder vorbei.
"Komm wir leben" folgt als siebtes Stück auf GÖTTIN und startet mit einer Keyboardmelodie, die im Intro von Zelda auf dem Gameboy damals nicht besser gespielt werden konnte. Die Frauenstimme vom Anfang darf hier noch einmal auftreten, danach tritt sich ein an Oomph! erinnernder Song los. Ruhige Strophen treffen auf mitbrüllbaren Refrain und zackig gespielte Riffs. Das Erfolgsrezept geht auch hier auf. Der Kopf wippt mit, der Nu Metal-Riff sorgt hierfür. Zwischendurch gibt es eine Bridge, die uns im Midi-Keyboard-Style wieder in Kirby's Dreamland führt. Unnötig. Das Songwriting wirkt an dieser Stelle unpassend arrangiert, zum Glück folgt der Refrain zum Ende hin noch einmal.
Mit "Beltane" haben wir die erste Hälfte des Albums überschritten. Der Song beginnt ebenfalls mit einer Keyboardmelodie und tribalartigen Drums von Schlagzeuger B-Punkt. Ein schwerer Riff findet sich in den Song ein. Dieser Riff wechselt sich mit dem Sprechgesang von Mr. Luna ab. Die Bridge zum Refrain sowie der Chorus selber könnten auch aus der Igelgruppe der Kindertagesstätte Zum Mondschein stammen. Da helfen auch Shouts im zweiten Durchlauf nicht, hier gibt es nicht mehr viel zu retten.
"Mörder der Liebe" beginnt mit englischen Lyrics, also "Murder of Love". Das Tempo wird hier Anfangs sehr cool aufgebaut, der Song kann musikalisch schon mal überzeugen. Vorbei ist es dann wenn Mr. Luna einsetzt. Der selbe Stil wie in "Feenpfad II" und weiterhin nicht von Vorteil. Der Refrain schießt dann den Vogel ab: Während einige Mädels den Namen des Songs singen, singt Mr. Luna doch allen Ernstes tiefgründiges wie "Und wir singen laut, lalalalala-la, tanzt tanzt tanzt" - DJ BoBo hätte es nicht besser machen können. Sehr schade um den Song, welcher musikalisch absolut überzeugen kann. Textlich wird hier jedoch größtenteils wieder Sondermüll geboten. Am Ende kommt man sich vor wie bei den Schlümpfen oder den Teletubbies, so oft wird hier "lalalalala-la" gesungen. Wie man sowas als erwachsener Mensch ernsthaft aufnehmen kann, bleibt mir ein Rätsel.
"System: Runter" ist mit 05:13 Minuten der längste Song auf GÖTTIN. Beginnen tut dieser mit einem sehr coolen, White Zombie-artigen Riff, welcher von treibenden Drums und einem Keyboard unterstützt wird. Gesang setzt dann auch ein, klingt ordentlich. Der Chorus ist in Ordnung, das Songwriting auch. Psycho Luna haben einen hellen Moment erwischt und schrieben hier wohl den zweiten annehmbaren Song auf GÖTTIN.
Mit dem elften Song namens "Lunata" geht es weiter. Dieser beginnt ruhig mit Synths und einer Keyboardmelodie, ein Akkorddeon und ruhige Gitarren folgen. Eine Halbballade mit Folk/Mittelalter-Einflüssen, die an sich überzeugen kann. Ordentlich instrumentalisiert und textlich passend zum Thema. Die Bridge passt ebenfalls gut in den Song. Psycho Luna scheinen sich endlich zu fangen, allerdings mit dem elften Song recht spät.
Mit ordentlich Distortion in der Gitarre beginnt "Alles nur getan". Zu diesem Song befindet sich auch ein Videoclip auf dem Album. Gut herüber kommt die Bassline von Leila Lugosi in den Strophen. Der Refrain ist kurz und schmerzlos, die Akkorddeon-Melodie hiernach, die wohl auf dem Keyboard gespielt wird, lockert das Stück auf. "Alles nur getan" ist an sich kein schlechtes Stück. Kaum zu glauben, aber Psycho Luna schaffen drei Songs hintereinander ohne Totalausfall.
Wieder rein elektronisch startet "Wenn ich schlafe". Der Text kann jedoch nicht überzeugen, Reinhard Mey hat den Refrain hier wohl mitverfasst. Man muss seine Ohren vom klebigen Schleim hier schon fast zwanghaft befreien, doch ich halte durch und bekomme eine härtere Gitarre mit. Die zweite Strophe folgt hiernach, der Refrain nimmt dann dank der Gitarre etwas mehr an Fahrt auf. Nach gut dreieinhalb Minuten entscheiden sich Psycho Luna zu einem härteren Part, der nicht schlecht vorgetragen wird. Doch aufgrund des lyrischen Defizits kann ich mich mit "Wenn ich schlafe" nicht wirklich anfreunden. Außerdem nervt der exzessive Einsatz aller möglichen Keyboardparts nach einiger Zeit.
"Glaube" folgt nun und macht den Hörer schon nach wenigen Sekunden irre: Mönchsgesang, hoher Frauengesang, Akustikgitarren, Keyboards, Synthesizer und dämliche Lyrics zeichnen diesen Song aus. Der Promozettel bezeichnet das Stück völlig zu Recht als "nicht einzuordnenden Track". Hier wird alles gemischt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Was das hier soll, wissen wohl nur Psycho Luna selber.
Nun folgt mit "Wenn ich gehe" der letzte Song auf GÖTTIN und ich war selten so froh um diesen Umstand. Die Keyboardmelodie klingt schon fast schlagerhaft, das Tribaldrumming im Hintergrund wird lieblos ausgefadet und eine Ballade startet. Diese wird von ruhigen Drums und viel Keyboards getragen. Der Song hat im Endeffekt genau die selbe Aussage wie Peter Maffays "So bist du", sprich: "Und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir". Psycho Luna singen: "Und wenn ich geh, dann glaube mir/ein Teil von mir bleibt hier bei dir". Woher ich das mit Peter Maffay weiss? Schwere Kindheit.
Fazit: Was Psycho Luna hier als Album abliefern, ist schon fast nicht mehr zu ertragen. Es wird sich bei anderen Bands bedient oder deren erfolgreiche Konzepte nachgemacht, als Beispiel sei hier Oomph! mit "Augen auf" und ihrer Adoption von Kinderliedern sowie Zählweisen genannt. Psycho Luna versuchen es auf GÖTTIN oftmals nach dem selben Prinzip, auch musikalisch.
Lyrisch sind die meisten Songs eher lächerlich als ernstzunehmend und auch das Songwriting wirkt oft nur aneinandergereiht, teilweise überladen. Jedoch beherrschen immerhin die Musiker ihr Handwerk, das rettet die CD noch einigermaßen.
Bis auf eine Handvoll guter bis befriedigender Songs ist auf GÖTTIN nichts hörenswert. Eine CD, die man wunderbar seinem ärgsten Feind schenken kann. Auch als Depressionstherapie könnte GÖTTIN Wunder wirken, die Patienten würden aus dem Lachen kaum heraus kommen.
Ernsthaft: Finger weg. |
Anspieltipp:
| | Annehmbar sind in erste Linie "Punkt: Mensch" sowie "System: Runter". |
Titel-Liste:
| | - Blätter
- Feenpfad II
- Engel: Hoffnung
- Herrin vom See
- Punkt: Mensch
- Freiheit (Interlude)
- Komm wir leben
- Beltane
- Mörder der Liebe
- System: Runter
- Lunata
- Alles nur getan
- Wenn ich schlafe
- Glaube
- Wenn ich gehe
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.psycholuna.de  |
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