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Review: Pyramaze
 
IMMORTAL

Album:
 IMMORTAL, 2008, Locomotive

Stil:
 Melodic Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 17.05.2008

Review:
 Als Pyromanen bezeichnet man eine Person die zwanghaft Brände legt. Mit IMMORTAL dem dritten Album der Brandstifter wird die dänisch- amerikanische Kombo langsam zum Serientäter. Erneut zündelt das Sextett im Power Metal Wald und zwar dermaßen gekonnt, dass sich schnell ein musikalischer Flächenbrand entwickelt. Schon auf den ersten beiden Alben MELANCHOLY BEAST und LEGEND OF THE BONE CARVER beeindruckte Pyramaze mit sehr gutem Songwriting und gelungenem, leicht progressiven Melodic Power Metal. Das Wort "leicht" bezieht sich dabei nur auf den progressiven Anteil, ansonsten geht man recht heftig zu Werke und verdient sich den Begriff Power in der Stilbezeichnung redlich. Stand bei den beiden Vorgänger Alben noch Lance King am Mikro der bereits einen ausgesprochen guten Job machte, so goss man diesmal mit Matt Barlow als Frontmann regelrecht Kerosin als Brandbeschleuniger in die Flamen. Barlow der ehemalige Sänger von Iced Earth hat nach den Aufnahmen zu IMMORTAL um näher bei seiner Familie und seinen beiden Kindern in den Staaten sein zu können, den Weg zurück zu seiner alten Tiefkühl Truppe gefunden und Tim "Ripper" Owens abgelöst. Gut für Iced Earth, schade für Pyramaze. Obwohl sein Wechsel bei den Aufnahmen zu IMMORTAL bereits fest stand, hat Barlow es an professioneller Einstellung nicht fehlen lassen und beeindruckt hier mit seiner mächtigen Stimme in allen Belangen. Und so lodert die Pyramaze Flamme heißer denn je.

Mit "Arise" gibt es ein kurzes Intro. Engelartiger Gesang und orchestrale Klänge dazu eine dunkle Stimme die einen Text zitiert bilden den Auftakt.
Sehr starke Drums und die etwas heisere, aber ungemein kraftvolle und wandlungsfähige Stimme von Matt Barlow prägen "Year of the Phoenix". Schnelles Riffing der beiden Gitarren die vereinzelt auch ein Solo spielen und dazwischen aufblitzende Keyboardeinlagen vermitteln viel Power und doch ist der Track zugleich melodisch.
"Ghost Light" ist vom Tempo und Rhythmus ähnlich. Vielleicht wäre hier eine andere Reihenfolge besser gewesen. Für sich betrachtet ist der Song jedoch ein Melodic Power Metal Kracher wie aus dem Lehrbuch. Die Vocals wechseln zwischen Sprechgesang und dem tiefen vollen Sound den man von Barlow schon von DARK SAGA und SOMETHING WICKED THIS WAY COMES aus alten Iced Earth Zeiten kennt. Der Chorus ist ausgesprochen melodisch und teils mehrstimmig. Wie bei den meisten anderen Songs hat der gute Matt im Studio mehrere Spuren eingesungen. Dazwischen gibt es eine ruhige Phase mit Keyboard Streichern bevor die Gitarren zu wilden Läufen durchstarten. Komplex aber eingängig endet das Ganze mit sakralen Chorstimmen.
"Touched by the Mara" serviert Twingitarren und Piano bevor nach einem kurzen Break die musikalische Flammenwand wie eine Feuerwalze auf den Hörer zu rollt. Die Drums sind stark im Vordergrund wie meist bei Pyramaze und knüppeln den Rest der Truppe vor sich her. Die Gitarren riffen was das Zeug hält und Barlows Vocals sind souverän wie immer. Der Mann hat eine Wahnsinns Kraft in den Stimmbändern. Auch hier fährt man zwischenzeitlich das Tempo runter, es folgt ein kleines melodiebetontes Zwischenspiel und erneut der Wechsel zu schnellem, harten Sound. An Flöten erinnernde Keyboards werden abgelöst durch einen Gitarrenlauf bis zum Schluss marschierende Riffs dem Song eine Art militärischen Anstrich verleihen.
"A beautiful Death" startet mit dominierenden Gitarren und vertracktem Drumming. Schnell prescht der Song voran, prima die perlende Keyboarduntermalung. Die Vocals reichen von tiefem Bass bis in große Höhen und zeigen die ganze Bandbreite des Sängers.
"Legacy in a Ryhme" ist der Ruhepol des Albums. Eine Ballade mit Piano und Keyboardstreichern. Die Vocals sind anfangs leise und werden zunehmend eindringlicher. Auch bei den verhaltenen Tönen macht Barlow eine vorzügliche Figur. Eine tolle Melodie mit Gänsehautfaktor und dabei ganz ohne Kitsch.
Nach dieser Verschnaufpause brennt Pyramaze mit "Caramon`s Poem" ein regelrechtes Feuerwerk ab. Gitarren und Drums fetzen fulminant los und sind aggressiver als bisher und doch gelingt auch hier die tolle Mischung aus Kraft und Melodie die ich an der Band so schätze. Nach einem Gitarrensolo gestaltet sich das Ende für meinen Geschmack etwas zu abrupt.
Mit "The Highland" versucht uns die Truppe in schottische Gefilde zu entführen, ganz ohne Dudelsack aber mit Gewittergrollen. Die Drums vermitteln viel vom Flair der Musik aus dem Hochland. Nach ruhigem Beginn wandelt sich der Track zu einer typischen Power Metal Nummer. Die Vocals steigen ständig höher mit einzelnen Shouts, mehrstimmiger Gesang, dann fallen die Gitarren ein. Man hat die Kampfgesänge der streitbaren Kiltträger förmlich im Ohr. Viele Tempowechsel gestalten den Song recht progressiv. Am Ende kann man sich nochmals an Barlows gewaltiger Stimme erfreuen.
Auf "Shadow of the Beast" rennen Gitarren und Drums um die Wette. Weniger melodisch, aber dafür mit einer Gewalt ausgestattet die die meisten Bands dieser Gattung klar in die zweite Reihe verweist, hat Pyramaze hier nochmals prächtig Feuer unter dem Kessel. Barlow singt und schreit mit einer Inbrunst die ihresgleichen sucht. Die dann aufspielenden Akustikgitarren empfinde ich trotz des harten Kontrasts nicht als Stilbruch, der Übergang ist irgendwie harmonisch. Den Abschluss bildet eine Tempoverschärfung mit flinken Gitarrenläufen.
Ob man bei dem Titel "March through the endless Rain" an den letzten Sommer dachte weiß ich nicht. Die Drums klingen stark nach den Trommeln der aufmarschierenden Heere zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs und ziehen sich durch den ganzen Song. Die druckvollen Gitarren steigern sich langsam bevor alles plötzlich abbricht.

Fazit: Kraftvoll und sehr melodiös, ausgestattet mit einem überragenden Sänger, schafft es Pyramaze ihren feurigen Power Metal Klang in eine eingängige Verpackung zu kleiden. Mit IMMORTAL hat man sich zu den beiden bereits sehr guten Alben nochmals in allen Punkten gesteigert. Nun steht die Band vor der sehr schweren Aufgabe einen adäquaten Ersatz für den Sänger zu finden damit die Flamme nicht erlischt.

Anspieltipps:
 "Year of the Phoenix", "A beautiful Death", "Legacy in a Rhyme", "Shadow of the Beast"

Tipp:
 Stilistisch drängen sich Vergleiche mit Iced Earth auf was nicht nur an der Stimme von Matt Barlow liegt. Nur gelingt es Pyramaze eben deutlich eingängigere Songs zu schreiben mit besseren Melodien als es Jon Schaffer, der Kopf von Iced Earth, meist kann. Fans von Iced Earth, Zandelle und Dungeon werden an IMMORTAL ihre helle Freude haben und brauchen beim Hören noch nicht mal die feuerfeste Unterwäsche wie Formel 1 Fahrer sie tragen anzulegen. Zugreifen, an der Scheibe verbrennt man sich garantiert nicht die Finger.

Titel-Liste:
 
  1. Arise
  2. Year of the Phoenix
  3. Ghost Light
  4. Touched by the Mara
  5. A beautiful Death
  6. Legacy in a Ryhme
  7. Caramonīs Poem
  8. The Highland
  9. Shadow of the Beast
  10. March through the endless Rain

Laufzeit:
 45:27 Min.

Band-Infos:
 
  • www.pyramaze.com 


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