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Review: Queensryche |
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Album:
| | AMERICAN SOLDIER, 2009, Rhino |
Stil:
Wertung:
| |  5,5 von 7 Punkten | | U.B., 23.06.2009 |
Review:
| | In den Achtzigern und Neunzigern waren Queensryche aus Seattle eines der ganz großen Aushängeschilder des Progressive Metal. Die Band verstand es sich mit jedem Album zu steigern was schließlich in den Götterscheiben OPERATION MINDCRIME 1988 und EMPIRE 1990 gipfelte. Zu der Zeit prangte auf der Heckscheibe meines Autos ein Queensryche Schriftzug und im Sommer rannte ich mit dem entsprechenden Band Shirt durch die Gegend. Mit PROMISED LAND 1994 konnte man das Niveau nur noch teilweise halten und der Niedergang setzte sich später kontinuierlich fort. Als dann 2006 OPERATION MINDCRIME II erschein, was bis auf den Titel so gar nichts mit dem alten Meisterwerk gemeinsam hatte, schien die Götterdämmerung endgültig vollzogen. Führt nun das Soldier Album raus aus dem Tal? Queensryche war und ist vor allem eins, die Band um die unverwechselbare, großartige Gesangsstimme von Geoff Tate. Tate hat auf AMERICAN Soldier mit wenigen Ausnahmen alle Songs zusammen mit Produzent Jason Slater geschrieben. Es ist ein überaus ambitioniertes Konzeptalbum über die Schrecken des Krieges aus der Sichtweise von Soldaten. Tates eigener Vater war Teilnehmer am Vietnam und Korea Krieg. Durch Gespräche mit ihm und weiteren Veteranen die an den Schauplätzen des zweiten Weltkriegs bis hin zum Krieg im Irak und Afghanistan gedient haben, wurde der Grundstein für das Album gelegt. Die Stimme mancher dieser Veteranen sind auf den einzelnen Songs zu hören. Das und die Soundeffekte von Helikoptern und Waffengeräuschen verleihen dem Werk besondere Authentizität und tragen zur bedrückenden, melancholischen Stimmung bei. Tate betonte in Interviews es sei nicht seine Absicht gewesen mit AMERICAN SOLDIER eine politische Aussage zu treffen, er macht aber auch aus seiner tiefen Ablehnung gegenüber kriegerischen Auseinandersetzungen keinen Hehl. Da die Lyrics ein wichtiger Bestandteil sind möchte ich auch etwas mehr darauf eingehen als üblich.
Mit dem Schrei: On your feet! des Drill Sergeant wird man zu Beginn von "Sliver" zu dem rauen Alltag der Soldaten Ausbildung geweckt. Die zynischen: Welcome to the show, Rufe der Ausbilder führen gut in die Thematik des Albums ein und erinnern an den Antikriegsfilm Full Metal Jacket. Der Song besitzt einen harmonischen Chorus und ein energisches Gitarrensolo. An keiner Stelle ist die Instrumentierung zu dominant so dass der Text nicht zu weit in den Hintergrund gedrängt wird. An den Vocals von Tate gibt es sowieso nichts zu meckern. Für den Hintergrund Chor sind Jason Ames und A.J. Fratto verantwortlich.
Sirenen und Helikopter Geräusche leiten "Unafraid" ein. Das Stück ist mit Sprach Samples von Kriegsveteranen unterlegt aus Interviews die Tate bei den Recherchen zum Album geführt hat. Das alles macht den Track authentisch so dass man sich mitten auf dem Schlachtfeld fühlt. Der Bass brummt dumpf und die Vocals fahren wie aus weiter Ferne langsam nach vorn. Mit den Sprach Samples übertreibt man es aber im Mittelteil aus meiner Sicht, behindern sie doch den Fluss des Stückes. Besonders hervorzuheben sind die tollen Drums und das entfesselte Gitarrensolo. Der Text spiegelt den Versuch des Soldaten wieder, der inzwischen in Kämpfe verwickelt ist, sich selber Mut zu machen in dem er sich einredet vor nichts Angst zu haben: I`m unafraid, I fear nothing. Kaum erwähnenswert das dies ein hilfloser Unterfangen ist.
Auch auf "A hundred Mile Stare" sind die Drums sehr prägnant und variabel. Die Vocals gehen stellenweise in Sprechgesang über um dann im Refrain mehrstimmig um so voller zu klingen. Der Blick des Soldaten der zum Horizont gerichtet ist, stur geradeaus, die Augen hinter einer verspiegelten Brille versteckt, unbeteiligt unbeugsam? Das aggressive, leider kurze Gitarrensolo von Wilton ist erste Sahne.
Auf "30,000 Ft" wechselt die Sichtweise zu einem Bomberpiloten der sich, siehe Titel, in großer Höhe über dem Kriegsschauplatz (welche Perversion in diesem Wort doch steckt, in Zusammenhang mit Krieg von Schau zu sprechen) befindet. Anfangs hört man Sprechfunk. Der Song ist ein melodisches Wechselspiel von sanfteren und härteren Passagen und spiegelt die schwankende Gemütslage des Piloten wieder der mit einem Knopfdruck, Bombenabwurf, über Leben und Tot entscheidet. The tortured painful cries will never fall upon my eyes. Erst am Ende setzt sich sein Gewissen durch und er fragt sich: What the hell did I make? Hier ist sie wieder die alte Queensryche Magie, tolles Songwriting und die Vocals von Tate mit viel Vibrato in der Stimme. Das vielleicht stärkste Stück des Albums was gekonnt auf der musikalischen Gefühlsleiter spielt. Ein progiger Midtempo Rocker wie er im Buche steht.
"Dead Manīs Words" der mit über sechs Minuten längste Track, erhält nach verhaltenem Start mit dem einsetzender Drums eine unterschwellig bedrohliche Note. Die Melodie ist langsam schleppend und mit orientalischer Note durchsetzt die im Verlauf noch deutlicher zu Tage tritt. Das Stück ist komplex und nicht sehr eingängig aber interessant. Neben Tate übernahm Vincent Solano einen Gesangspart. Hier wird die Geschichte eines in der Wüste verwundeten Soldaten und seines Kameraden der sich freiwillig gemeldet hat um ihn zu retten erzählt. Tate und Solano erzählen jeweils aus Sicht eines der beteiligten Soldaten. Beim ersten Abspielen mag der Song etwas langatmig und schwerfällig erscheinen aber die Müdigkeit und Erschöpfung der Soldaten unter der glühenden Wüstensonne sind hier im Lied sehr gut umgesetzt und die Hookline gefällt ohnehin. Tate lässt nochmals sein Saxophon erklingen und beweist auch mit diesem Instrument viel Gespür für die Stimmung.
Auf "The Killer" hört man Tates Gesang im Wechsel mit mehrstimmigen Backing Vocals die teils elektronisch verfremdet wurden. Das Stück thront auf einem soliden Bass und fällt in die Kategorie Progressive Rock. Im melodischen Chorus stellt der Protagonist sich die Frage ob es zum Überleben zum Killer werden muss. Kann nur derjenige der tötet überleben und den Sieg davontragen? Who will be the killer, who will be the winner. Nach einigen Durchläufen fallen dann so Feinheiten auf wie die Drums die in einer Phase wie die Snare des Trommlers in einer historischen Armee klingen. Im Verlauf des Stücks treten die Vocals vermehrt in den Hintergrund und die Saiteninstrumente übernehmen die Vorherrschaft mit harmonischem Zusammenspiel und Lead- und Rhythmusgitarre.
Außer den Drums die mit gehörig Druck zur Sache gehen gestaltet sich der Auftakt von "Middle of Hell" ruhig. Der Song strahlt so etwas wie Resignation aus, in den beschaulichen Vocals schwingt Verzweifelung mit. Die Intention ist klar, hier soll neben den Lyrics auch die Musik die Hölle des Krieges verdeutlichen und das wird treffend umgesetzt. Wiltons Gitarre startet Ausflüge in sphärische Klangwelten was dem Ganzen einen unwirklichen Anstrich verleiht. Gegen Ende teilt sich Tates Saxophon die Aufmerksamkeit mit den Gitarren.
Weit aus dem Hintergrund rückt auf "If I were King" die Gitarre gemächlich nach vorn zu einer Erzählstimme. Sehr ruhig mit akustischer Gitarre geht es melodisch weiter bis plötzlich die Drums und E- Gitarren eine harte Zäsur setzen nur um im nächsten Momente zurück auf die weiche Schiene zu wechseln. Von diesen abrupten Einschnitten gibt es mehrere. Die Vocals sind im Refrain intensiv voll mit Wehmut und dem Wunsch über die Möglichkeit zu verfügen einen gefallenen Kameraden wieder an seiner Seite zu haben. Aber selbst ein König verfügt nicht über die Macht einen Toten lebendig zu machen. Diesen unerfüllbaren Wunsch vermittelt Tate dem Hörer. Wilton steuert erneut ein prima Solo bei.
"Man down!" beginnt fast genau wie der vorangegangene Track um sich dann komplett zu wandeln. Schnell, treibend, ruhelos ja beinahe hektisch geht es zu. Toll wie die Drums nach vorn preschen und die Gitarren einen Parforceritt starten. Gitarrist Kelly Gray hat an diesem Stück mitgeschrieben da ist es kein Wunder, dass die Sechsseiter hier das tragende Gerüst bilden. Die Vocals sind untadelig mit der einmaligen Stimmfärbung die ich an Tate so schätze. Laut, hart, voller Dramatik so geht es zu wenn ein Soldat getroffen wird, Musik und Text bilden eine Einheit. Der leise Ausklang der Nummer suggeriert nichts Gutes was das Schicksal des Soldaten betrifft und ist gleichzeitig die perfekte Überleitung zu "Remember me". Die Drums halten sich stark zurück was auch notwendig ist handelt es sich hier vom Text doch um eine Art Liebesbrief eines Soldaten an seine Frau / Freundin in der Heimat. Tate versteht es mit den flehentlichen, sehnsüchtigen Untertönen in der Stimme die Atmosphäre vortrefflich einzufangen, Melancholie pur, ohne Kitsch. I promise when I get back home Iīll be the man you used to know. Will you wait for me? Remember me. Wird die Angebetete auf ihn warten oder, wenn er fällt, ihn in Erinnerung behalten.
Auf "Home again" gibt es ein Duett von Tate mit seiner jüngsten Tochter Emily (10 Jahre) Zu einer akustischen Gitarre untermalt von einem elektrischen Pendant wird der Briefwechsel zwischen einem Soldaten und seiner Tochter daheim erzählt. Der Gesang von Tate Tochter ist kindlich naiv und unvollkommen. Manchen wird es stören aber ich vermute die Unzulänglichkeiten in Emilys Singstimme wurden bewusst in Kauf genommen denn erst so wirkt die Sache echt. Beide sehnen sich danach bald wieder zusammen zu sein. Hier wird das private Schicksal des Soldaten deutlich. When I return I promise you Iīll never leave you alone again. Vielleicht schwingt hier doch ein wenig zu viel Pathos mit und es wird zu heftig auf die Tränendrüsen gedrückt aber das ist wie immer Geschmackssache. Keinen Zweifel gibt es am Gitarrenspiel. Das Instrument scheint oft zu schweben und erinnert mich an David Gilmour zu besten Pink Floyd Zeiten.
"The Voice" bildet den dramatischen Abschluss mit einer aufwändigen Instrumentierung die den epischen Song zur Geltung bringt. Wir erfahren von einem verwundeten Soldaten. Die dramatische Musik sorgt für eine unheilvolle Stimmung, düster und bedrohlich. Hier ist die Stimme von Tates Vater zu hören der von seinen Kriegserlebnissen erzählt. Der Verwundete weiß, dass er sterben muß: I know Iīm warm and safe and no harm from whatever comes from now on. Zu den Geräuschen von Gefechtslärm hört man ganz am Ende die geflüsterten Worte: Don`t be afraid des sterbenden Soldaten.
Fazit: Nein, ein zweites OPERATION MINDCRIME oder EMPIRE ist es nicht geworden aber das hatte ich auch nicht erwartet. Dennoch ist AMERICAN SOLDIER das beste Album seit PROMISED LAND, gewisse Parallelen zu dem Album gibt es auf musikalischer Seite einige. Nach dem schwachen OPERATION MINDCRIME II ist Queensryche endlich wieder ein stimmiges Werk gelungen was in erster Linie durch seine dichte, nachdenklich stimmende Atmosphäre punkten kann. Besondern Wert legte Tate auf die Texte. Sich damit eingehender zu beschäftigen lege ich jedem Musikfreund hiermit ausdrücklich nahe, sind sie doch ein wesentlicher Teil von AMERICAN SOLDIER. Ganz anders als auf GLORIOUS BURDEN von Iced Earth, einem Album das sich ebenfalls mit Schlachten in denen amerikanische Soldaten kämpften beschäftigt, fehlt auf AMERICAN SOLDIER zum Glück übertriebener Pathos. Vielmehr wird hier mit stellenweise brutaler Nüchternheit, ungeschminkt und authentisch, das Schicksal von Soldaten geschildert ohne falsche Glorifizierung und übersteigertem Nationalstolz. So wird der Krieg auf das reduziert was er ist, kein Schauplatz für Helden sondern ein unmenschlicher Konflikt bei dem es nur Verlierer gibt.
Musikalisch kann man zumindest teilweise an alte Großtaten anknüpfen. Gut, die Songs sind nicht vom Kaliber "Eyes of a Stranger", "I donīt believe in Love" und "Best I can" die bereits beim ersten Hören Gänsehaut erzeugen und auch nach mehr als zwanzig Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Auch steht auf AMERICAN SOLDIER Tates Ausnahmestimme (3 ― Oktaven Umfang!) zu selten im Vordergrund, (bitte mehr von den unglaublichen Falsettos) aber die Scheibe kann sich trotzdem wirklich hören lassen. Nach dem Weggang von Gitarrist Chris DeGarno gelingt es Michael Wilton immer mehr aus dessen Schatten zu treten und mit seinem tollen, einfühlsamen Gitarrenspiel Akzente zu setzen, unterstützt durch die Gastmusiker Kelly Gray und Damon Johnson. Die Drums von Scott Rockenfield klingen druckvoll wie eh und je und so variabel, dass sie als Lehrstück für jeden Prog Drummer dienen könnten. Rockenfield liefert hier eine glänzende Vorstellung ab. Selbst die Saxophoneinlagen von Meister Tate persönlich fügen sich gut in das Gesamtkonzept der Scheibe. Die Spielzeit von gut einer Stunde ist progtypisch lang wobei der Umfang der einzelnen Songs mit im Schnitt vier bis fünf Minuten eher kurz ausgefallen ist. Die Geschichte die mit AMERICAN SOLDIER erzählt wird reicht vom Ausbildungslager der Rekruten bis zum bitteren Ende, dem Tod auf dem Schlachtfeld. Die Musik ist dem Thema angemessen geprägt von einer verhalten düsteren Stimmung und Tragik die den Hörer nachdenklich zurück lässt. Etwas Zeit sollte man sich mit dem Album schon nehmen, aber das trifft ohnehin auf die meisten Progressive Metal Scheiben zu. |
Anspieltipps:
| | "At 30,000 Ft", "The Killer", "If I were King", "Remember me" und "The Voice" |
Tipp:
| | Alte Queensryche Fans sollten hier unbedingt reinhören wenn sie gewillt sind AMERICAN SOLDIER nicht unbedingt mit OPERATION MINDCRIME zu vergleichen. Allen anderen Prog Anhängern sei die Scheibe ebenfalls an Herz gelegt speziell denen, die sich näher mit der Botschaft des Albums beschäftigen wollen. |
Titel-Liste:
| | - Sliver
- Unafraid
- Hundred Mile Stare
- At 30,000 Ft
- A dead Manīs Words
- The Killer
- Middle of Hell
- If I were King
- Man down!
- Remember me
- Home again
- The Voice
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