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Review: Railroad
 
WHERE TO GO

Album:
 WHERE TO GO, 2007, Eigenvertrieb

Stil:
 Rock'n'Roll, Boogie Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 29.12.2007

Review:
 Manchmal steht uns in der Redaktion der Mund offen, wenn wir unsere CD-Player mit neuem Futter bestücken, welches aus eigenen Produktionen stammt. Es ist inzwischen scheinbar viel zu leicht ein Album zu produzieren und seine Mitmenschen mit musikalischen Grenzwertigkeiten die grüne Farbe ins Gesicht zu treiben mit manchmal unvermeidbaren Folgen.

Glücklicherweise gibt es aber auch Bands, die sich mit der Produktion ihres Debüts etwas mehr Zeit nehmen um dann aber gleich Nägel mit XXL-Köpfen zu schmieden.

Die Jungs von Railroad aus dem hohen Norden Deutschlands jenseits des Hamburger Breitengrades sind dafür ein gutes Beispiel. Obwohl man bereits seit Herbst 1989 mit der Band auf Tour ist und auch schon einige Line-Up-Wechsel hinter sich hat, brauchte es für das Debüt WHERE TO GO ganze 18 Jahre. Damit konnte man die Schweden Gypsy Rose mit ihren 23 Jahren bis zum Erstling noch nicht ernsthaft gefährden, aber warum nicht ein paar Jährchen früher drin waren, das muss uns die Band wohl mal unter vier Ohren erzählen.

Railroad gehören mit ihrem gitarrenlastigen Rock'n'Roll und Boogie Rock sicherlich nicht zu den innovativsten Bands der letzten Jahre können sie doch ihre großen Vorbilder Status Quo und AC/DC nur schwer verbergen. Kritiker werden sicherlich sofort gezielt in diese Kerbe schlagen, vielleicht sogar von Cover-Ambitionen sprechen. Aber nur weil man sich gerne bei anderen Größen bedient muss die Musik deshalb nicht langweilig oder gar schlecht sein. Immerhin bekommen auch Bands wie Rhino Bucket, Airbourne, Bullet uvm. durchaus gute Kritiken.
Genau so simpel, geradlinig und einprägsam wie das Coverbild ist auch die Musik der Rocker - und das im positiven Sinne.

Ruft man sich nochmals die beiden genannten Vorbilder ins Gedächtnis, so lässt sich die Musik der Norddeutschen recht schnell in drei Schubladen einsortieren. Da wäre zunächst das durchaus bekannte Riffing der Briten Status Quo. Wüsste man es nicht besser, könnten "The Tramp", "Ocean Drive", "I don't mind", "A little Letter" ("Break the Rules") qualitativ auch von den Großmeistern stammen, die zugegebenermaßen bei ihrem aktuellsten Album den vierten Akkord noch nicht gefunden haben.
Und dann wären da die Riffs der Stromkünstler von Down Under AC/DC, die besonders bei "We know", "For a Ride" ("It's a long Way to the Top"), "Bad Boy" mit seinem gesprochenen Bon Scott-Immitat Refrain wie bei "Can I sit next to you Girl" zu Tage treten.
Weitgehend selbstgestrickt bzw. gut gemischt erscheinen "Emergency", der Titelsong "Where we go", "Telefonzelle", der Doppelsong "Wanted Man / On the Run" mit seinem ausgedehnten Instrumental-Teil und schließlich noch der Rausschmeißer "160" mit dem etwas anderen Nachschlag.

Fazit: Auch wenn viele Songs ziemlich altbacken klingen mögen, weil sie im Grunde genommen schon thematisch seit Jahren bekannt sind, werden gerade Fans der Inspirationsquellen sicherlich auch dieser Scheibe ein paar Extrarunden spendieren. Railroad haben trotz der Nähe zu ihren Vorbildern konsequent die beiden Felder Rock'n'Roll und Boggie Rock mit extrem eingängigen und mitreißenden Melodien beackert und dabei einen guten Job geleistet. Klar, dass ich wegen der Innovationskiste ein paar Prozent abziehen muss, aber in jedem Fall eignen sich die Songs prima um eine dröge Party über eine Stunde lang aufzupeppen und auch live sollte dieses granatenstarke Songmaterial zum Abfeiern taugen.
Und deshalb: Shit happens! Long live Rock'n'Roll!

Anspieltipps:
 Hier gibt es eigentlich keine Durchhänger und man wird bei jedem Song ein kleineres oder größeres Quäntchen an Bekanntem wiedererkennen.

Tipp:
 Alle, die von AC/DC, Rose Tattoo, Status Quo, eben dem guten Rock'n'Roll und dem tierisch groovenden Boggie Rock nicht genug bekommen können, werden hier hervorragend bedient.

Titel-Liste:
 
  1. The Tramp
  2. We know
  3. Ocean Drive
  4. I don't mind
  5. For a Ride
  6. A little Letter
  7. Emergency
  8. Where we go
  9. Bad Boy
  10. Telefonzelle
  11. Wanted Man / On the Run
  12. 160

Laufzeit:
 61:55 Min.

Band-Infos:
 
  • www.railroad-rocks.de 


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