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Review: Reaper
 
GARDENS OF SETH

Album:
 GARDENS OF SETH, 2009, STF

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 V.R., 16.08.2010

Review:
 Seit 1984 gibt es die Band Reaper bereits, die schon damals für klassischen teutonischen Heavy Metal im Stil von Grave Digger und Konsorten stand. Dennoch konnten sich die Jungs bisher keinen großen Bekanntheitsgrad erarbeiten, da die Band sozusagen vom Pech verfolgt war. Einige Mitgliederwechsel musste die Truppe im Laufe der Jahre verkraften. Bis zur Veröffentlichung des ersten Albums vergingen so einige Jahre, bis 1990 endlich das Debut BEYOND ALL TIME bei Metal Enterprises erschien. Leider hatte man bei der Wahl des Labels kein glückliches Händchen bewiesen, denn Metal Enterprises entwickelte sich kurz darauf zur Anlaufstelle für Nazibands. Dementsprechend musste ein neuer Vertriebspartner her, der mit Mausoleum Records zwar bald gefunden war, doch da die Band von ihrem Produzenten nicht die nötige Unterstützung bekam, stagnierte die Bandkarriere.

Als dann auch noch der Sänger ausstieg, war Reapers Schicksal besiegelt. Nach einer Zwangspause, in der sich schließlich Daniel Zimmermann, bis dahin ausschließlich Gitarrist, entschied, auch die Position des Sängers zu übernehmen, veröffentlichte die Band zwar noch weitere Alben, allerdings ausschließlich in Eigenproduktion. Erst 2009 ist mit STF endlich wieder ein Labelpartner gefunden, bei dem auch das neue Album GARDENS OF SETH veröffentlicht wird. Ob sich die bewegte Vergangenheit der Band wohl negativ auf ihre Musik auswirkt?

Glücklicherweise gar nicht, denn das Album beginnt nach dem kurzen, relativ nichtssagenden Intro "Into the Gardens of Seth" mit "The Age of Hunger" angenehm erdig und bodenständig. Reaper stehen auch heute noch für teutonisch geprägten rauen und traditionsbewussten Heavy Metal. Daniel Zimmermanns Gesangsorgan erinnert dabei frappierend an Chris Boltendahl, wobei er stellenweise auch nicht mehr weit vom Grunzen entfernt ist. Die Grave Digger-Parallelen sind zwar an allen Ecken und Enden herauszuhören, dennoch geht die Band eigenständig genug zu Werk, um nicht als simple Kopie abgetan zu werden. In einer kurzen Instrumentalpassage sind sogar dezente Black Sabbath-Einflüsse zu vernehmen.
Noch wesentlich stärker in die Grave Digger-Richtung tendiert der nächste Song "Ten thousand Nightmares". Das Gaspedal wird bis zum Anschlag ausgereizt und der Sänger darf sich seine Wut so richtig aus dem Bauch schreien. Leider fehlt es dem Lied aber an einem eingängigen Refrain, so dass er nicht über gutes Mittelmaß hinauskommt.
Wesentlich besser ist da schon "Super mystique", das trotz des merkwürdigen Songtitels sehr stimmungsvoll ausgefallen ist und zwischen getragenen langsamen Passagen und schnellen schwermetallischen Ausbrüchen hin und her pendelt. Hier erinnert die Band deutlich an alte Iced Earth und erreicht dabei stellenweise sogar das hohe Niveau des großen Vorbilds. Ganz klar der beste Song des Albums!
"Dark beyond Black" ist zwar nicht so abwechslungsreich und spannend ausgefallen wie der letzte Titel, aber trotzdem ein sehr gelungener Song. Die Nummer lädt sofort zum Mitbangen ein und würde auf dem letzten Grave Digger-Album in keiner Weise negativ auffallen. Da einige Stellen auch wieder an Iced Earth erinnern und andere, zugegebenermaßen recht kurze, Passagen sogar dem Doom Metal entliehen sind, hat der Song einen sehr eigenständigen Charakter.
Weiter geht es mit sanften Gitarrenmelodien und deutlich gesenktem Tempo - handelt es sich bei "Leviathan" etwa um eine Ballade? Das vielleicht nicht gerade, doch der Song zeigt die Band trotzdem von ihrer nachdenklichen, ruhigeren Seite. Im weiteren Verlauf werden härtemäßig dann aber doch einige Schippen draufgelegt und wir haben es wieder mit einem typischen Heavy Metal-Kracher teutonischer Prägung zu tun. Mit über sechs Minuten ist die Nummer zwar recht lang, aber definitiv nicht langweilig ausgefallen.
Eine deutliche Hard Rock-Schlagseite kennzeichnet den folgenden Titel namens "Revolution". Dass Reaper auch im rockigen Bereich voll überzeugen können, beweist trotz aller Traditionsbewusstheit ihre Vielseitigkeit. Somit ist auch dieser Song als sehr gelungen zu bezeichnen und kann mit einem wunderbaren Ohrwurmrefrain aufwarten.
Das folgende, nur von Akustikgitarren getragene Instrumentalstück "Al Andaluz" übernimmt dann ein bisschen die Rolle der fehlenden Ballade. Ganz dem Songtitel entsprechend erinnert das Lied ein bisschen an spanische Folklore und stellt eine gelungene Abwechslung zu den anderen, durchgehend recht harten, Songs des Albums dar.
Leider enthält die Platte mit "Der Erlkönig" aber auch einen absoluten Totalausfall. Die Umsetzung des klassischen Goethe-Werks ist der Band leider überhaupt gelungen. Der melancholische Text will so gar nicht zu der stumpf-fröhlichen Saufmetal-Musikuntermalung passen. Da der Fremdschamfaktor fast ins Unermessliche steigt, ist dieser Song ein klarer Fall für die Skip-Taste.
Von einer ganz anderen und zudem wesentlich interessanteren Seite zeigen sich Reaper schließlich beim letzten Song "Light of Anger". Hier beweisen die Jungs, dass auch alte Black Sabbath zu ihren Favoriten zählen. Wie schon beim letzten Song versucht sich der Sänger hier an klaren Gesang, was ihm hier auch wesentlich besser gelingt als bei der Goethe-Verwurstung. Somit liefert die Band mit dem schleppenden Song einen gelungen Abschluss einer größtenteils sehr guten CD ab.

Fazit: Wer hätte das gedacht? GARDENS OF SETH ist wirklich eine absolut überzeugende Scheibe geworden, die den Vergleich mit den großen Vorbildern wie Grave Digger oder sogar Iced Earth nicht zu scheuen braucht. Wäre da nur nicht die schreckliche Erlkönig-Verwurstung, dann hätte die Scheibe noch mindestens einen halben Punkt mehr bekommen. Doch auch so sollte jeder Liebhaber erdiger Metalklänge mit traditioneller Schlagseite unbedingt in die Scheibe reinhören, denn von oben genannten Totalausfall und ein bis zwei mittelmäßigen Titeln abgesehen ist jeder Song ein Knaller! Wem Grave Digger nicht abwechslungsreich genug zu Werke gehen, der sollte sich mal dieses Album zu Gemüte führen. Den Jungs von Reaper bleibt damit nur zu wünschen, dass sie nach über 25 Jahren endlich den Durchbruch schaffen, denn verdient hätten sie ihn angesichts der Qualität von GARDENS OF SETH absolut!

Anspieltipps:
 "The Age of Hunger", "Super Mystique", "Dark beyond black", "Revolution", "Light of Anger"

Tipp:
 Grave Digger-Fans werden wahrscheinlich auch Reaper mögen, aber auch Liebhaber alter Iced Earth-Alben sollten mal ein Ohr riskieren.

Titel-Liste:
 
  1. Into the Gardens of Seth
  2. The Age of Hunger
  3. Ten thousand Nightmares
  4. Super mystique
  5. Dark beyond Black
  6. Leviathan
  7. Revolution
  8. Al Andaluz
  9. Der Erlkönig
  10. Light of Anger

Laufzeit:
 44:43 Min.

Band-Infos:
 
  • www.reaper.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Reaper: GARDENS OF SETH

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