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Review: Red Harvest
 
THE RED LINE ARCHIVES

Album:
 THE RED LINE ARCHIVES, 2008, Indie Recordings

Stil:
 Industrial Metal

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 M.K., 15.05.2008

Review:
 Mit THE RED LINE ARCHIVES bringen Red Harvest eine Best-Of auf den Markt, die die gesamte Karriere und Entwicklung der norwegischen Truppe innerhalb von elf Stücken zusammenfasst. Vom Art Rock um krachenden Industrial Metal und das von 1996 bis 2008. Nach dem letztjährigen A GREATER DARKNESS-Studioalbum, das für den bedeutsamsten norwegischen Musikpreis nominiert war, also eine Zusammenfassung des bisherigen Schaffens des Quintetts.

Mit allerlei Sampling und rein elektrisch beginnt der Opener "Move or be moved", hier im Full Version Mix 2008. Im Original erschien das Stück auf dem 2000er COLD DARK MATTER-Album und nach wenigen Sekunden kommen Gitarren und Schreigesang von Sänger Ofu Khan aka Jim Bergsten hinzu. Die 2008er Version kommt auf eine stattliche Länge von 05:39 Minuten und ist größtenteils experimentell. Harte Parts wechseln mit ruhigen, komplett atmosphärischen, die über weiteres Sampling und verzerrte Vocals verfügen. Aber auch die ruhigen Parts werden durch Riffs und Drums aufgemischt, das Tempo wird ordentlich angezogen. Insgesamt liegen hier größtenteils mehrere Soundschichten übereinander, die manchmal eine Einheit, manchmal ein verstörendes Etwas ergeben. Exprerimenteller Opener.
"Dead (Sick Transit Gloria Mundi - 2002 :: ReFactor 2008)" ist der gesamte Titel des zweiten Stückes und wie sich aus diesem Titel entnehmen lässt stammt "Dead" vom SICK TRANSIT GLORIA MUNDI-Album. Auch hier gibt es zu Anfang nur Samples und Drums, allerdings werden die Drums schneller, Riffs und verzerrter Klargesang werden hinzugefügt. Viel Echo ist Teil des Gesangs. Das Stück ist nicht so vielschichtig wie der Opener, verfügt jedoch dennoch über eine ruhigere Bridge, die wie der Beginn des Stücks aufgebaut ist. Die fast fünf Minuten des Stücks gehen überraschend schnell rum, gutes Lied!
Weiter geht es mit "Last Call", ebenfalls vom COLD DARK MATTER-Tonträger aus dem Jahr 2000. Treibende Drums und Sampling von LRZ sind dominieren die Anfangsphase des Liedes. Der ruhige Klargesang von Ofu Khan klingt leicht bedrohlich, während das Stück seinem Gesang ordentlich Platz bietet und eher in den Hintergrund gerät. "Last Call" ist insgesamt ruhiger als die Vorgänger und mit knapp vier Minuten trotzdem in angebrachter Länge, kann mich jedoch nicht unbedingt begeistern.
Wieder einmal mit Drums und Samplings starten Red Harvest in "Abstract Moral - Junction Mix", 2008 erscheint das Stück im Remix des Originals vom 2004er INTERNAL PUNISHMENT PROGRAMS-Album. Der Song baut unterschwellig durch die Samples Tempo auf, ist jedoch im Prinzip nicht schneller als "Last Call", dafür abwechslungsreicher und eingängiger. Dennoch gehen die drei Minuten des Stücks kurzweilig und schnell rum. Gutes Stück!
Wie langsamer Gabber beginnt "Synthesize My DNA", übrigens vom selben Album wie das Stück zuvor. Orientalisch anmutende Geräusche paaren sich hiermit sowie harsches Drumming. Klingt im Prinzip richtig gut, der einsetzende Riff knallt auch ordentlich. Die Vocals werden geshoutet und passen gut zum aggressiven Grundton des Stückes. Das bisher schnellste Stück auf THE RED LINE ARCHIVES kann mich durchaus durch Abwechslung und Härte überzeugen, tritt also mächtig in den industriellen Hintern.
"Bleed" aus dem Jahre 1996 ist mit 02:23 Minuten nicht wirklich lang ausgefallen, hält sich jedoch zu Beginn lange mit Sampling auf, bis ein überraschender Schrei den einnickenden Hörer erweckt. Dieser Schrei zieht sich lange hin und wird dann mit Text weitergeführt. Sehr ruhige Musik und harte Shouts hier also. Nette Kombination.
Noch kürzer ist mit 01:51 Minuten das nachfolgende "4418", ebenfalls vom INTERNAL PUNISHMENT PROGRAMS-Album. Das Stück geht nahtlos in den Vorgänger über und besteht zu Beginn aus einem andauernden Ton und mehreren düsteren Tonfolgen, bis weiteres Sampling hinzukommt. Das ist dann auch schon alles.
Der Beginn von "Desolation" vom 2002er SICK TRANSIT GLORIA MUNDI-Album erinnert mich an Frühwerke von Nine Inch Nails, der klare und langsame Sprechgesang untermauert diesen Eindruck. Das Stück ist insgesamt recht ruhig gehalten. Nach zweieinhalb Minuten wird dann zumindest der Gesang aggressiver, klingt dafür aber nicht sonderlich gut. Dafür gibt es danach endlich ordentliche Drums, Riffs und ein Mid Tempo-Stampfer entwickelt sich aus dem ruhigen Beginn. Mit 05:51 Minuten handelt es sich übrigens um das längste Stück auf THE RED LINE ARCHIVES und es ist durch das Drumming und das sich wiederholende Sampling eingängig. Netter Song mit zwei Seiten und einem ca. 50 Sekunden langen Outro.
Mit "Technocrate (Dunkelheit Version 2008 Mix)" geht es direkt mal schnell und krachend zur Sache, Ministry lassen zu Beginn grüßen. So stell ich mir krachenden Industrial Metal vor. Mit dem Einsatz von Khan wird das Tempo nochmals angezogen und die BPM zu zählen...wer das hier schafft bekommt nen Keks von mir. Ich bin gescheitert. Als die Strophe dann beginnt wird es wieder kurzzeitig ruhiger und langsamer, das Tempo bleibt durch die Snare jedoch recht anspruchsvoll. Jedoch geht es dann wieder schneller zur Sache. "Technocrate" ist definitiv der schnellste Song auf THE RED LINE ARCHIVES und ballert ordentlich die Ohren durch.
"Cyborg Era / Dead End" ist der vorletzte Song der Compilation und knapp über fünf Minuten lang. Mit weiblichen Sprachsamples und Keyboards starten die fünf Norweger recht atmosphärisch in das Lied. Nach gut zwei Minuten geht es dann mit der Dead End-Hälfte des Songs weiter, hier wird neben einem simplen Riff auf langsame Drums und Hintergrundgesampel gesetzt. Diese Phase endet dann ebenfalls mit Gesampel und das instrumentale Stück ist dann nach fünf Minuten vorbei.
Mit "The Central Sun - Part 1" kommt man nun zum letzten Song auf THE RED LINE ARCHIVES. Dieses hat eine Länge von 04:21 Minuten und beginnt mit verzerrtem Kindergesang oder ähnlich klingendem. Mit weiteren verzerrten (Chor-)Gesängen geht es weiter, im Hintergrund wird etwas gesampelt. Im weiteren Verlauf setzen langsame Drums im Background ein. Mehr gibt es in diesem sehr atmosphärischen Song nicht wirklich.

Fazit: THE RED LINE ARCHIVES bietet zu großen Teilen experimentelle und atmosphärische Songs, die durch ungewohnte Klangereignisse den Hörer entweder begeistern oder langweilen, das kommt auf die Offenheit des Hörers an. Mir hat es größtenteils gefallen, jedoch sollte man bei Red Harvest nicht nur Industrialgeballer erwarten.
Für Neulinge im Industrialbereich mag diese Best Of der passende Einstieg ins Red Harvest-Universum sein, für Fans der Band bieten sich immerhin einige Remixe. Eine gelungene Zusammenstellung, die zwar zufriedenstellt, aber nicht totale Begeisterung hervorrufen kann.

Anspieltipps:
 "Synthesize my DNA" und "Technocrate" bieten derbes Geballer.

Titel-Liste:
 
  1. Move or be moved (Full Version Mix 2008)
  2. Dead (Sick Transit Gloria Mundi, 2002 :: Refactor 2008)
  3. Last Call (Cold Dark Matter, 2000)
  4. Abstract Moral, Junction Mix (Internal Punishment Programs, 2004, Remix 2008)
  5. Synthesize my DNA (Internal Punishment Programs, 2004)
  6. Bleed (1996/2008)
  7. 4418 (Internal Punishment Programs - 2004)
  8. Desolation (Sick Transit Gloria Mundi, 2002)
  9. Technocrate (Dunkelheit Version 2008 Mix)
  10. Cyborg Era / Dead End (Remix 2008)
  11. The Central Sun, Part 1 (1996)

Laufzeit:
 46:37 Min.

Band-Infos:
 
  • www.redharvest.com 


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