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Review: Jennifer Rostock |
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Album:
| | INS OFFENE MESSER, 2008, Warner |
Stil:
Wertung:
| |  6 von 7 Punkten | | M.K., 19.04.2008 |
Review:
| | Jennifer Rostock, das ist eine fünfköpfige Band aus Berlin und Usedom. Bekanntheit erlangten die Newcomer durch die recht erfolgreiche Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, wo sie mit "Kopf oder Zahl" ordentlich abschnitten. Seitdem wird die Republik betourt, um das Debütalbum INS OFFENE MESSER zu supporten. Dieses erschien Ende Februar und stieg mühelos in die Top 30 der Albumcharts ein.
Los geht es mit "Feuer", einem frustierten Schrei von Jennifer und einem Drumbeat sowie vereinzelten Riffs. Jennifers ironische Lyrics kommen zum Einsatz und im Refrain wird dann losgerockt, auch Keyboards kommen zum Einsatz. Die Lyrics überzeugen durch Wortwitz und geschickte Reime, erfrischend, sowas im deutschsprachigen Rock mal wieder zu hören. "Feuer" ist der perfekte Opener und zeigt in wenigen Minuten einen Großteil der Bandbreite von Jennifer Rostock, die hier ordentlich los rocken.
Nun kommen wir zur Leadsingle, das allseits bekannte "Kopf oder Zahl" folgt und wird massiv durch die NDW beeinflusst. Keyboards, abgehackte Riffs und ein recht hohes Tempo dominieren das zweite Stück auf INS OFFENE MESSER, das einen wahren Ohrwurm darstellt. Der Song müsste eigentlich jedem, der Mal das Radio oder MTViva angemacht hat, bekannt sein. Diejenigen wissen, was ich meine. Jennifers Stimme quietscht und kieckst ab und zu wie Nena zu ihren besten Zeiten, während der musikalische Teil irgendwo zwischen Punk und NDW herum schwirrt. "Kopf oder Zahl" ist kurz, knackig und macht Spaß. So muss das sein.
Weiter gehts mit "Blut geleckt", welches mit dumpfen Sampling beginnt, Keyboards von Songwriter Joe und Jennifers leiser Gesang kommen hinzu. Kurz darauf kommt auch die restliche Band hinzu und wieder einmal überzeugen mich die Lyrics. Im Chorus wird es simpler, es darf losgerockt werden und man glaubt der Band, dass sie "Blut geleckt" hat. Denn bisher macht INS OFFENE MESSER uneingeschränkt Spaß. In der Bridge gibt es ein kurzes Synthiesolo zu hören, eine ruhige Gesangspassage folgt und mit dem, wie erwähnt, rockigen Refrain endet der Song. Bemerkenswert ist, dass Jennifer zum Ende hin richtig aggressiv klingt.
Mit einem astreinen Indieriff der Marke Mando Diao startet die Band in "Nichts tät ich lieber". Gesanglich geht es um eine Romanze, die locker-flockig dargeboten wird. Die im Gesicht massiv gepiercte Frontfrau und ihre vier Mannen spielen hier einen Gute Laune-Song, der Fuß wippt mit und ein Gitarrensolo in der flotten Bridge darf ebenso wenig fehlen. Kurz und knackiger Indierock.
Mit dem "Drahtseiltakt" geht es weiter, der Song ist im Prinzip ruhiger als die Stücke zuvor und vom Bass des Viersaiters Christoph dominiert. Vereinzelt gibt es Keyboardmelodien zu vermelden. Das ich von den Lyrics begeistert bin, brauche ich im weiteren Verlauf ja wohl nicht mehr zu erwähnen, das ist wirklich erfrischendes Zeug, was die ostdeutsche Band hier vorlegt. Der Song geht gut ins Ohr, einzelne Passagen setzen sich fest und der Song endet immer langsamer werdend.
"Gedanken, die man besser nicht denkt" ist die erste Ballade auf dem Debütwerk der Band und erinnert im ersten Moment an Kapellen wie Silbermond. Gerade der Refrain klingt vom Stil her ähnlich. Aber Jennifer Rostock verpassen ihrer Ballade eine lyrisch härtere Version als die Poprocker aus Bautzen. Ein sehr ruhiges Stück, dass nur ab und an rockig wird und ansonsten eher auf Keyboard und Gitarre sowie Gesang begrenzt ist.
Mit "Tier in dir" geht es dann wieder rockig weiter. Im Booklet ist der Text mit dem nachfolgenden Song leider irgendwie vertauscht. In jedem Fall beginnt das siebte Stück mit Synthesizer, Drumbeat und einem weiteren Indieriff sowie Jennifers zuckersüßen und recht hohen Gesang. Im Refrain wird dann wieder losgerockt, in den Strophen geht es etwas ruhiger zu. Der Chorus bleibt im Ohr hängen, genau wie die nach dem zweiten Durchlauf folgende Bridge. Desweiteren gibt es ganz am Ende noch ein kurzes Synthsolo und dann ist das Stück vorbei.
Ordentlich den Punk, fast schon Ska, da es zu Trompeteneinsatz kommt, kehrt die Band bei "Wer hätte das gedacht" heraus. Up-Tempo ist hier angesagt, gerade Drummer Baku drückt ordentlich aufs Gaspedal. Jennifer Rostock lassen im achten Stück keine Sekunde zum durchatmen sondern machen ordentlich Druck und Spaß. Der Song hätte ruhig noch etwas länger sein dürfen, nein müssen, endet jedoch mit dem Gesang eines Kindes.
Westernmäßig startet "Mein Parfum". Eine weitere Ballade wird hier fabriziert. Hier wird Chorgesang im Hintergrund gebraucht, dazu gibt es den Einsatz einer Mundharmonika zu bestaunen. Wie gesagt klingt "Mein Parfum" musikalisch sehr nach einer Country-Ballade oder ähnlichem. Lässt sich schwer in Worte fassen und ist sicherlich für die Freunde härterer Klänge gewöhnungsbedürftig.
Das zehnte Stück stellt "Kind von dir" dar. Hier geht es wieder etwas rockiger zu und Jennifer präsentiert in den Strophen ungewöhnliche Gesangsrhythmiken. Musikalisch ist das Ganze nicht mehr als handelsüblicher Rock, dafür gibt es in den Lyrics wieder viele Wendungen und auch vor Fremdwörtern hat die Truppe keine Angst. Ordentliches Stück ohne große Highlights, man könnte von einem Füller sprechen. Tu ich nun auch: Füller. Nicht mehr.
Weiter geht es mit "Diadem", hier gehts wieder deutlich in den Indierocksektor, musikalisch erinnert das wieder an Truppen wie Franz Ferdinand oder Mando Diao, Up-Tempo ist angesagt, versüßt mit Keyboards. Jennifers Gesang klingt größtenteils aggressiver als in den anderen Stücken, was ihrer Stimme durchaus gut steht. Sehr überraschend ist die Bridge, die völlig unerwartet ruhige Keyboards und leisen Gesang einsetzen lässt. Sehr interessantes Songwriting, denn danach geht es wieder aggressiv-laut weiter. Gutes Stück.
"Mona Lisa" nennt sich nicht nur ein Bild in Paris, sondern auch der zwölfte Song auf INS OFFENE MESSER, der in den Strophen recht langsam rockt. Jennifer singt so schnell, dass man schon fast von rappen reden kann, während im Refrain das Tempo ordentlich angezogen wird und der Punkrock reagiert. Nach dem zweiten Refrain gibt es eine Bridge, in der gestöhnt wurd, danach folgt eine sehr schnell gesungene Strophe und der Refrain beendet das knackige Stück dann.
"Himalaya" stellt nicht nur den vorletzten Song, sondern auch die dritte Ballade bzw. Halbballade auf dem Debütwerk der Mecklenburg-Vorpommeraner dar. Im Refrain wird dann etwas gerockt, die Keyboards erinnern an die Sportfreunde aus München. Wieder einmal überzeugt die lyrische Ansichtssweise der Frontfrau, auch gibt es in "Himalaya" wieder viele unerwartete Elemente, was das Songwriting angeht. Nettes Stück!
Das letzte Lied auf INS OFFENE MESSER ist "Ich will hier raus". Eine gleichnamige EP gab es im Vorjahr von Jennifer Rostock zu bestaunen. "Ich will hier raus" klingt astrein nach Stoner, der Riff erinnert direkt an Bands wie Kyuss und Konsorten. Das vierzehnte Stück gibt noch ein Mal Gas und beendet das Album mit ordentlich Tempo und Spaß in den Backen. Ein letztes Mal gibt es viele Breaks und abwechslungsreiche Passagen und Jennifer schreit sich die Seele aus dem Leib.
Fazit: Jennifer Rostock überzeugen mich mit AUFS OFFENE MESSER durch frisches, unkonventionelles Songwriting. Sicher, die Altgedienten, die ein Ohr riskieren möchten, werden sagen: Das gabs alles in den 80ern schon. Klasse, da war ich aber grade mal auf der Welt, für mich bieten Jennifer Rostock hier also abwechslungsreiche, durch viele Stile beeinflusste Musik.
Und vor allem lyrisch steht die Band durch ihre Metaphern und Wortwitze bei mir hoch im Kurs. Teilweise gibt es da richtig gute Kunst zu hören und im Booklet nachzulesen, von denen viele deutschsprachige Künstler nicht einmal zu träumen wagen.
Im Endeffekt kann mir fast jedes Stück gefallen, die Produktion ist in Ordnung. Wer also irgendwie auf Pop-Punk, Rock, Indie oder NDW-Elektro-Pop steht oder stand, darf hier durchaus mal ein Ohr riskieren, ebenso dürfen sich musikalische Über-den-Tellerrand-Gucker angesprochen fühlen. Als Bonus ist auf der CD noch das Video zu "Kopf oder Zahl" in der Originalversion enthalten. |
Anspieltipps:
| | "Kopf oder Zahl", "Blut geleckt", "Tier in dir", "Wer hätte das gedacht". |
Titel-Liste:
| | - Feuer
- Kopf oder Zahl
- Blut geleckt
- Nichts tät ich lieber
- Drahtseiltakt
- Gedanken, die man besser nicht denkt
- Tier in dir
- Wer hätte das gedacht
- Mein Parfum
- Kind von dir
- Diadem
- Mona Lisa
- Himalaya
- Ich will hier raus
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.jennifer-rostock.de  |
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