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Review: Royal Hunt
 
COLLISION COURSE - PARADOX II

Album:
 COLLISION COURSE - PARADOX II, 2008, Frontiers

Stil:
 Melodic Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 21.02.2008

Review:
 Seit die dänische Band Royal Hunt 1992 ihr erstes Album LAND OF BROKEN HEARTS veröffentlichte, habe ich den Werdegang eifrig verfolgt und mittlerweile stehen alle Studio CDs in meinem Schrank. Von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch Keyboarder und Mastermind Andre Andersen mit dabei der wieder alle Songs im Alleingang geschrieben hat. Nachdem Ausnahmesänger D.C. Cooper vor Jahren ausschied und John West seinen Platz einnahm, wurde die Position abermals neu besetzt. Mark Boals, der bei dem für hire and fire berüchtigten Malmsteen das Kunststück fertig brachte auf fünf Scheiben vertreten zu sein, ist der neue Mann am Mikro. Der zweite Teil des Albumtitels deutet es an, COLLISION COURSE versteht sich als Fortsetzung des Konzeptalbums von 1997, PARADOX. Nach MOVING TARGET eine der besten Scheiben der königlichen Jäger. Die auf COLLISION COURSE vertretenen Flöten, Cellos und Violinen sollen nach Aussage von Andre Andersen echt sein und nicht aus der Konserve kommen. Außerdem hat man sich der Unterstützung so bekannter Kollegen wie Doogie White und Ian Parry versichert. Als Motto hat man die Konfrontation (Collision Course) der westlichen Welt mit einer neuen, sich auf östliche Religionen stützende Bewegung gewählt. Ein brisantes wie aktuelles Thema.

Mit Donnergrollen, Regenplätschern und Flöten begleitet von einem Piano beginnt "Principles of Paradox". Später gesellen sich Drums und Keyboards dazu und der Song gewinnt an Fahrt. Sobald die Gitarre mit einem schnellen Lauf einfällt werden die Drums härter und auch die Keys halten sich nicht länger zurück. Die Gesangeinlagen sind nur in äußerst geringer Dosis vorhanden, man kann eigentlich von einem Instrumental sprechen.
Fast unmerklich geht die Nummer in "The first Rock" über, ein flotter, melodischer Song mit treibenden Drums und nicht übertriebenen Keyboardeinlagen. Die Gitarre legt in der Mitte ein schnelles Solo hin. Die Vocals bleiben in angenehmen mittleren Tonlagen und können sich gegen den orchestralen Sound gut behaupten.
"Exit Wound" beginnt mit Violine und kurzen Keyboardanschlägen. Die Vocals sind in den ruhigeren Abschnitten weich und gefühlvoll steigern sich in den härteren Teilen deutlich und werden dann durch einen Hintergrund Chor unterstützt. Die Melodie ist eingängig und betont melodisch. Rundum gelungen.
Auf "Divine and Reign" haben die Drums und der Bass das Ruder anfangs fest in der Hand. Kurze Gitarrenriffs steigern sich zusammen mit den Keyboards. Schönes Zusammenspiel von Vocals und Chor. Besonders markant ist aber das Power Metal Drumming das sich durch den ganzen Song zieht. Kraftvoll und mit viel Drive.
Mit einem Schuss und verhaltenem Kampflärm wird "High Noon at the Battlefield" eingeläutet. Was dann folgt ist vom Stil am besten mit Country Song mit einer guten Portion Rock Genen beschrieben. Zurückhaltende Drums, weiche Vocals mit einem weiblichen Chor im Hintergrund, das alles ist sehr melodisch. Genau ab der Mitte mutiert die Nummer zu einem reinrassigen Rock Song. Die Gitarren klingen schärfer und die Vocals werden rau. Dieser Wechsel ist dermaßen gelungen, dass er trotz des harten Kontrastes nicht als Bruch empfunden wird. Der Track lässt an Abwechslung keine Wünsche offen.
Genau so rockig "High Noon at the Battlefield" aufhört, so geht es mit "The Clan" weiter. Ein Bass- und mehrere Gitarren- und Keyboardsoli gestalten die Nummer sehr kurzweilig. Prima Rocker der mit seinem flotten, betonten, etwas stampfenden Rhythmus nichts anbrennen lässt.
Deutlich ruhiger gibt sich der Anfang von "Blood in Blood out". Vogelgezwitscher und an Urwaldtrommeln erinnernde Drums lassen Afrika-Feeling aufkommen. Nach etwa einer Minute ist es aber vorbei mit der besinnlichen Stimmung. Heftig dröhnen die Drums und die Gitarre wetteifert mit den Keyboards. Viele Tempowechsel und unterschiedliche Stile erklingen in bester Progressive Manier einschließlich einer orientalischen Einlage. Ungewöhnlich aber sehr interessant.
Auch Royal Hunt sind auf den Zug mit weiblichen Vocals aufgesprungen. "Tears of the Sun" legt Zeugnis davon ab. Die schmachtende weibliche Stimme ist teils allein aber auch im Duett mit dem Leadsänger zu vernehmen. Ein neoklassischer Abschnitt mit Streichern ist schön eingebunden in die ansonsten schnelle und alles andere als softe Nummer. Die Drums drücken gewaltig. Schnelle Pianoeinlagen, dann wieder Streicher und plötzlich wie aus heiterem Himmel ein harter Break. Als man glaubt, dass Ende sei erreicht folgt nochmals ein Duett.
Nach einem gebetsartigen gesprochenen Text startet die Gitarre mit kurzen Riffs "Hostile Breed", einem ständig zwischen Mid- und Uptempo pendelnden Song. Wie bereits so oft gibt es den kräftigen Drumsound, ein schnelles Gitarrensolo, jede Menge Tempowechsel und mehrstimmigen Gesang.
Den würdigen Abschluss bildet "Chaos A.C.". Die harten, düsteren Riffs erzeugen in Zusammenarbeit mit den Drums eine bedrohliche Stimmung. Ein Gitarrensolo mit zum Teil dissonanten Akkorden schlägt in die gleiche Kerbe. Die Vocals klingen sehr episch mit viel Pathos, einer Spur Heldentenor. Der Schluss ist ruhig mit Flöten, fast schon wehmütig, man hört erneut Donnergrollen und das Rauschen des Regens wie ganz am Anfang der CD. So schließt sich der Kreis eines Albums, dessen Stilmix nie aufgesetzt wirkt und eine echte Bereicherung für die Metal Landschaft darstellt.

Fazit: Im Vergleich zu früher ist Royal Hunt stellenweise härter geworden, die Songs komplexer und teils schon etwas Prog inspiriert. Der neue Sänger passt ausgezeichnet, seine Stimme ist angenehm und kraftvoll, er überzeugt mit einem breiten Spektrum verschiedener Tonlagen. Die Songs sind flott, durchweg prima arrangiert und instrumentiert. Die lange, halbjährige Studioarbeit während der Aufnahme merkt man dem Silberling an. Die eingestreuten Klassik Einlagen sind gelungen und sorgen für einen schönen orchestralen Klang. Geschickt vermeidet man in die Kitsch Ecke abzudriften. Alle Nummern besitzen gehörig Druck und Power.

Gegen den Strom: Nachdem erneut Promo-CDs noch vor dem Veröffentlichungstermin bei eBay zum Verkauf angeboten wurden, sah sich leider auch Frontiers genötigt seine Promo CDs mit Voice Over zu verstümmeln. Da erhält der Album Titel direkt eine andere Bedeutung. Es ist einfach total nervig wenn mehrfach während eines Songs die Musik unterbrochen wird und man immer wieder aufs Neue erzählt bekommt welche CD man gerade hört. Da kommt keine Stimmung auf, der Fluss ist dahin und man wartet förmlich auf die nächste Störung. Und das bei einem Album bei dem alle Songs nahtlos ineinander übergehen, ein absolutes Unding! Dagegen sind die nervigen Unterbrechungen der Privatsender im TV noch wesentlich leichter zu ertragen. Niemand käme auf die Idee einem Rezensenten ein Buch in die Hand zu drücken in dem in jedem Kapitel einige Seiten rausgerissen sind oder einen Film vorzuführen, in dem Szenen unkenntlich gemacht wurden.
Ok, mir fällt außer einer aufwändigen Personalisierung mit laufender Nummer für eine eindeutige Identifizierung auch keine gescheite Lösung ein, die solche illegalen Machenschaften einiger Unverbesserlichen eindämmt. Und selbst dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, bzw. die Songs schon unters Volk gebracht - nur dass man gleich weiß, wer's war.
Mehr dazu unter: Volle Ladung auf die Lauscher

Anspieltipps:
 "Exit Wound", "High Noon at the Battlefield", "The Clan", "Blood in Blood out"

Tipp:
 Fans der alten Royal Hunt Alben kommen auch hier auf ihre Kosten. Stilistisch hat sich zwar einiges getan, vor allem die Prog Einlagen gab es in dieser Art noch nicht zu hören, aber für gut gemachten, abwechslungsreichen mit etwas Bombast angereicherten Melodic Metal, das Label spricht von Pomp Metal, kann sich bestimmt eine breite Käuferschicht erwärmen. Besonders gut empfinde ich die nahtlosen, weichen Überblendungen zwischen den einzelnen Stücken. Wer auf Artension steht sollte hier unbedingt mal reinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Principles of Paradox
  2. The first Rock
  3. Exit Wound
  4. Divine and Reign
  5. High Noon at the Battlefield
  6. The Clan
  7. Blood in Blood out
  8. Tears of the Sun
  9. Hostile Breed
  10. Chaos A.C.

Laufzeit:
 51:38 Min.


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