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Review: Rush
 
CLOCKWORK ANGELS

Album:
 CLOCKWORK ANGELS, 2012, Roadrunner

Stil:
 Progressive Rock, Hard Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 M.A., 22.06.2012

Review:
 12 Minuten nach 9 Uhr zeigt der Zeitmesser auf dem - optisch einmal mehr von Hugh Syme ansprechend in Szene gesetzten - Cover des 19. Studioalbums der kanadischen Prog-Rock-Institution Rush an. Oder anders dargestellt: 21:12 Uhr. Na, klingelt’s? Richtig, das Cover des lang erwarteten neuen Werkes CLOCKWORK ANGELS enthält einen direkten Verweis auf die ruhmreiche Vergangenheit des Power-Trios aus Toronto. 2112, veröffentlicht 1976, war das 4. Album der Band und bedeutete für Rush den internationalen Durchbruch. Ansonsten hat das aktuelle Werk mit dem Klassiker wenig gemein, einmal davon abgesehen, dass der Titelsong "2112" ein über 20 Minuten langer Konzeptsong war und CLOCKWORK ANGELS ein Konzept-Album ist, erstaunlicherweise das erste in beinahe 40 Jahren Bandgeschichte. Textlich geht es um einen jungen Mann, der seinen Träumen folgt sowie um vergangene - bereits gelebte - Zeit. Musikalisch befindet sich die Band jedoch voll und ganz im Hier und Jetzt!

Die Punkte, die auf den letzten Alben von Rush Anlass zur Kritik gaben, nämlich der sterile und kalte Sound, die übertriebene Härte sowie die fast schon mathematisch exakten Kompositionen, die jedwedes Feeling sowie beinahe jede Melodie im Keim erstickten, wurden auf CLOCKWORK ANGELS eliminiert. Was das Album u.a. auszeichnet sind der warme, live-ähnliche und klar definierte Sound, die einfallsreichen, pointierten und spannenden Gitarrensounds von Alex Lifeson sowie das vergleichsweise straighte und songdienliche Drumming von Meister Neil Peart, der natürlich trotzdem hier und da in die berühmte Trickkiste greift. Insbesondere das virtuose Bassspiel Geddy Lees ist auf CLOCKWORK ANGELS so gut wahrnehmbar, wie seit vielen Monden nicht mehr. Die Soundmaschine Rush wurde also ordentlich geschmiert und läuft im Jahr 2012 runder denn je.

Natürlich wäre das alles nur Makulatur, wenn nicht auch großartige Songs auf CLOCKWORK ANGELS vertreten wären. Und davon gibt es hier so einige. Rifforientierte Nummern wie das bereits seit dem Jahr 2010 als Download erhältliche "Caravan" oder aber die neueren Songs "Headlong Flight" (Killer-Riff!!) und "Clockwork Angels" beweisen eindrucksvoll, dass selbst Musiker, die stramm auf die 60 zugehen, noch jede Menge Power und Biss haben können und mit ihrer Erfahrung so manchen jüngeren Kollegen geschmeidig an die nächstgelegene Wand blasen . Eine verspielte und groovig rockende Komposition wie "Carnies" hätte durchaus auch auf COUNTERPARTS, dem letzten großen Album der Band aus dem Jahre 1993, einen Platz verdient gehabt.
Vor allem aber sind es die fantastischen Melodien, die auf einem Rush-Album endlich wieder den Ton angeben. Man höre sich nur einmal den formidablen Ohrwurm "Halo Effect", den trockenen Seventies-Rocker "Wish them well" oder aber das hymnische "The Wreckers" mit seinem unwiderstehlichen Chorus an. Der Glanzpunkt des Albums kommt jedoch ganz zum Schluss. "The Garden", eine sich langsam aufbauende, balladeske Nummer, die durch üppige Streicherarrangements, anheimelnde Akustikgitarren und luftige Drum-Beats getragen wird, setzt einen würdigen und melodieseligen Schlusspunkt. Gerade dieser Song stellt noch einmal unmissverständlich klar, was für ein fantastischer Sänger Geddy Lee auch heute noch ist. Definitiv einer der stärksten Songs aus der Feder von Rush!

CLOCKWORK ANGELS stellt für mich somit das beste Album des kanadischen Trios seit COUNTERPARTS dar. Und dieses Werk hat nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel. Je oller, je doller heißt es doch so schön. Nun, im Falle von Rush trifft diese -zugegebenermaßen arg strapazierte - Redewendung aber sowas von ins Schwarze!!!<

Fazit: Mit CLOCKWORK ANGELS haben Rush nach vielen eher durchwachsenen Jahren ein Album rausgehauen, das endlich mal wieder von vorne bis hinten überzeugen kann, weil es das Beste aus sämtlichen Karriereabschnitten des Power-Trios beinhaltet. Ein warmer, organischer, klarer Sound, abwechslungsreiche Arrangements, eine unbändige Spielfreude und nicht zuletzt Songs, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen. Man lausche einfach nur den saftigen Riffs, den vertrackten Rhythmuswechseln, den liebevollen Details und den tollen Refrains und Melodien, die sich bereits nach einigen wenigen Durchläufen ins Langzeitgedächnis einbrennen und einfach jedem Rush-Fan Tränen der Verzückung in die Augen treiben dürften. Fünf Jahre haben sie sich für CLOCKWORK ANGELS Zeit gelassen und kommen nun so stark, kreativ und hungrig zurück, wie ich es ihnen nicht mehr zugetraut hätte. Hut ab meine Herren, ihr seid wieder eine feste Größe in meiner Playlist!!!

Anspieltipps:
 "Clockwork Angels", "Headlong Flight", "The Garden", "Seven Cities of Gold", "The Wreckers".

Titel-Liste:
 
  1. Caravan
  2. BU2B
  3. Clockwork Angels
  4. The Anarchist
  5. Carnies
  6. Halo Effect
  7. Seven Cities of Gold
  8. The Wreckers
  9. Headlong Flight
  10. BU2B2
  11. Wish them well
  12. The Garden

Laufzeit:
 66:08 Min.

Band-Infos:
 
  • www.rush.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Rush: CLOCKWORK ANGELS

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