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Review: Schattenspieler
 
BABEL

Album:
 BABEL, 2009, Dr. Music

Stil:
 Gothic Metal, Dark Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 17.11.2010

Review:
 Seit 2000 sind Schattenspieler schon im Musikbusiness unterwegs. Gehört habe ich von ihnen noch nichts, aber lieber spät als nie. Mir liegt zur Rezension heute ihr zweites und bisher letztes Werk BABEL von 2009 vor. Nach eigenen Angaben spielt die Band Dark Rock an einer Schnittmenge aus Deep Purple und Rammstein. Dabei wechseln sie zwischen deutschen und englischen Texten. Meines Erachtens gibt der Begriff Gothic Metal die Musik im Großen und Ganzen aber eher wieder.

Der Opener "Sister Terror" ist unerwartet geradlinig und hat mehr einen Aufbau aus dem traditionellen Metal. Der Höhepunkt ist gut erarbeitet und geht schnell ins Ohr. Gitarre und Keyboard bringen durch die Melodie zwar einen leicht gothischen Touch ein, doch im Endeffekt ist das ziemlich schnörkelloser Heavy Metal. Eine Gastsängerin fügt noch gesangliche Variation bei, was sich gut mit den Vocals von David Esser ergänzt.
Bei "Das Böse lebt" hält dann der Gothic Metal Einzug. Die Atmosphäre wird düsterer und das Konstrukt geht mehr in die Tiefe. Die Gitarren sorgen für dynamische Energie, die mit der leicht unheilvollen Stimmung, für die in erster Linie das Keyboard verantwortlich zeichnet, eine gelungene Verbindung eingeht.
"Totes Glück" geht anfangs noch mehr in die Tiefe. Später, wenn die gesamte Instrumentenriege dazustößt, wird auch dieser Track dynamisiert und erhält durch harsche Vocals teilweise eine richtig grimmige Seite. Das Keyboard sorgt dabei für die mystische Untermalung.
Mit "Violence" wird wieder die Sprache gewechselt. Die Musik funktioniert in deutsch und englisch bestens, nur stört bei diesem Song der zu starke Akzent ein wenig. Ansonsten gibt es auch bei diesem Track nichts auszusetzen. Die gothisch-tiefgründige Melodie und ein recht geradliniger Groove ergänzen sich prima.
"Der weiße König" rauscht relativ eindruckslos durch die Gehörgänge, da Schattenspieler erneut auf die bewährte Zutaten vertrauen und doch etwas zu wenig Abwechslung einbringen. Diese gibt es dann mit dem emotionalen, nur von einem Piano und Gesang geführten "Let me go", das eine schön romantische Seite der Band offenbart. Und David kann dem Stück mit seiner charakteristischen, tief-sonoren Stimme einen Stempel aufdrücken.
"The last Stand" beginnt nach dem bekannten Schema erst etwas unscheinbar, intensiviert sich aber zum Höhepunkt hin deutlich, wenn die Gitarren einsteigen und nach und nach an Energie zulegen. Und David reizt den Refrain stark aus.
Zum Abschluss wird es bei "In Ewigkeit Amen" erstmal ganz mystisch. Ein tiefer rauher Sprechgesang betet mit einer fast satanisch anmutenden Stimme das Vater Unser, und wird nur von einer sphärischen Keyboardmelodie begleitet. Der eigentliche Song startet dann mit Orgeluntermalung auch erstmal mit einer Art Sprechgesang und sehr kritischen Lyrics, die diverse Brennpunkt-Themen anklagen. Und auch wenn später alle Instrumente einsteigen und der Song an Energie zugewinnt, bleibt er sehr tiefsinnig und kritisch.
Für den Unsinn, der danach kommt, habe ich aber absolut kein Verständnis. Ab Minute neun herrschen sage und schreibe 17 (!) Minuten Stille, bevor so eine Art Hidden Track beginnt. Dieser ist dann wohl eine englische Kurzversion des gleichen Stücks, die sehr alt klingt (war der klasse deutsche Song etwa nur ein Cover???) mit typischem Plattenspieler-Gekratze und schlechtem Sound. Sorry liebe Band, aber das ist ganz, ganz großer Mist, und plustert die Spielzeit nur unnötig auf - zumal der Hidden-Track mit seinem Gerausche nur nervt. Dämliche Mogelpackung!

Fazit: Wenn man mal den nicht unerheblichen Ärger über den "Hidden Track" außen vor lässt, liefern Schattenspieler ein solides Werk an der Schnittstelle aus Gothic Metal und und Dark Rock ab. Noch ein paar mehr Variationen bei den vom Keyboard geführten Melodien wären nicht schlecht. Doch insgesamt kann sich der Auftritt der Düstertruppe sowohl kompositorisch wie auch technisch sehen und hören lassen. Sie versteifen sich wenigstens nicht nur auf Tiefsinniges, sondern grooven auch mal, fahren etwas Energie auf und haben sogar eine richtig tolle Ballade am Start. Das gefällt mir gut.
Wer sich für die Düstergenres interessiert, sollte auch mal BABEL antesten.

Titel-Liste:
 
  1. Sister Terror
  2. Das Böse lebt
  3. Totes Glück
  4. Violence
  5. Der Weiße König
  6. Let me go
  7. The last Stand
  8. In Ewigkeit Amen

Laufzeit:
 71:51 Min. (wegen Hidden-Track!)

Band-Infos:
 
  • www.schattenspieler.de 


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