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Review: Shadowman
 
GHOST IN THE MIRROR

Album:
 GHOST IN THE MIRROR, 2008, Escape

Stil:
 Melodic Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 20.12.2008

Review:
 So schnell vergeht die Zeit und mit GHOST IN THE MIRROR veröffentlichen die Briten nun bereits das dritte Studioalbum. Umso erstaunlicher, denn All-Star-Formationen schießen in den letzten Jahren aus dem Boden, wie Pilze im feuchten Herbst. Wenige davon haben dabei eine lange Haltbarkeit. Anders bei Shadowman, deren Musiker ihre Wurzeln zu Thunder, 10cc, Heartland oder FM zurück verfolgen können. Entsprechend routiniert und erfolgreich präsentierten sie 2006 auch ihr Album DIFFERENT ANGELS, welches nun einen Nachfolger bekommen hat.
Um es vorweg zu nehmen, musikalisch blieb alles beim (bewährten) Alten und das ist auch gut so. Die Produktion von Profi-Knöpfchendreher Tommy Hansen ist in jedem Moment zeitgemäß und wirkt frisch, was besonders dem Frontmann Steve Overland zugute kommt, der den Songs mit seiner bluesigen Stimme seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken konnte. Klar, dass auch bei Shadowman die Entwicklung nicht nur auf der Stelle getreten ist, und so haben sich beispielsweise an einigen Stellen Bläser eingeschlichen, die für mehr Spannung und Abwechslung sorgen konnten ohne dabei aufgesetzt zu wirken.
Wenn man schon den Frontman erwähnt, darf man seine Mitstreiter nicht übergehen. Hier ist er vorallem der Gitarrist Steve Morris, der sich in blendender Spiellaune präsentiert und die Songs mit seinen Solo-Einlagen veredelt.
Was wäre Sänger und Gitarrist ohne die Basiseinheit und diese ist mit Bassist Chris Childs und Drummer Harry James in guten Händen. Die beiden Thunder-Recken brauchen weder Stock noch Radar um zielsicher die richtigen Töne zu treffen. Tempo und Druck wenn nötig, Gefühl und Akzente, wenn angebracht.
Am wenigsten kann Steve Millington seine Herkunft verleugnen, denn schon zu Zeiten von 10CC verhalf der Keyboarder seiner damaligen Truppe zu unverkennbaren Trademarks.

Einen druckvollen Rocker mit jeder Menge Retro-Keyboards haben Shadowman für den Start gewählt. Auch wenn "Road to Nowhere" zunächst etwas an Mike Oldfield erinnern mag, wendet sich das Blatt schon nach weniger als 20 Sekunden. Danach ist gepflegtes Abrocken angesagt mit jeder Menge Tempo und eingängigem Refrain.
Ganz anders verhält es sich bei "Bad for you". Die Gitarren mit Gänsehaut-Wimmern lassen dem Blues und den Gefühlen freien Lauf. Man kann unbesorgt genießen, denn Steve Overland und seine Mitstreiter lassen es nicht zu, dass man in Richtung Schmalz oder Pathos abdriftet. Das Ergebnis ist eine moderne Rockballade, die Abwechslung und Gefühl perfekt in sich vereint.
Groovender Rock mit dichter Instrumentierung erwartet den Zuhörer bei "Colour of your Love". Hier wird nicht um jeden Preis Wert auf absolute Gefälligkeit Wert gelegt, sodass die reichhaltigen Ecken und Kanten für eine gesunde Rock-Härte sorgen können.
Klar, dass man auch den alten Größen Tribut zollt und was liegt für Briten näher, als z.B. Whitesnake. Genau das könnte auch der Gedanke für den Song "Keeper of my Heart" gewesen sein, der weniger Wert auf Tempo legt, jedoch den bluesigen Rock besonders durch die markanten Keyboards voll entfalten kann.
Bei "I've been wrong before" kommen einmal mehr Kuschel-Rock-Fans voll auf ihre Kosten. Der balladeske Charakter soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Rock-Tiger immer wieder kurz die Krallen blitzen lässt.
Eine kleine Überraschung lauert hinter "Outlaws", denn der Einstand in bestem Western-Style sorgt schon zu Beginn für die richtige Stimmung. Leider wird das Thema nicht konsequent weiter genutzt und driftet stellenweise in Richtung AOR-Dutzendware ab. Besonders den Refrain hätte ich mir anders vorgestellt und empfinde ich als unpassend.
Spätestens bei "The hard Way" werden auch Hard Rocker wieder munter, denn passend kurz vor Schluss ist Rock das Motto. Durchsetzt mit dezenten Bläser-Einsätzen wirkt der Song zeitgemäßer ohne sich dem Funk zu sehr anzubiedern. Dafür sorgt schon Steve Morris, der mit teils dominanter, teils dezenter Arbeit den richtigen Weg vorgibt.
Mit "Little Miss Midnight" wird dann endgültig die Schlussrunde eingeleitet und offenbart noch einmal die Stärken der Truppe. Sie schaffen es selbst zunächst harmlos erscheinende Belanglosigkeiten zu einem überraschend vielschichtigen Rocksong aufzubauen. Einmal mehr zeigt sich eben, wer nicht nur spielen und singen kann, sondern wer dazu auch die nötige Erfahrung und Spielpraxis im Rücken hat.

Fazit: Shadowman konnten mit GHOST IN THE MIRROR die hohen Erwartungen auf ganzer Linie erfüllen, die man seit den guten Kritiken von DIFFERENT ANGELS an die All-Stars gestellt hatte. Melodic Rock und AOR-Fans werden hier voll auf ihre Kosten kommen und die üppige Spielzeit von fast einer Stunde verspricht genügend Stoff an dem man sich erfeuen kann.

Tipp:
 AOR und Melodic Rock-Fans aufgepasst, denn GHOST IN THE MIRROR wartet nur darauf, eure Sammlung im CD-Regal mit erstklassigem Stoff zu bereichern.

Titel-Liste:
 
  1. Road to Nowhere
  2. No Mans Land
  3. Bad for you
  4. Colour of your Love
  5. Fire and Ice
  6. Keeper of my Heart
  7. I've been wrong before
  8. It's electric
  9. Blues City
  10. Outlaws
  11. The hard Way
  12. Little Miss Midnight

Laufzeit:
 56:52 Min.


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