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Review: Shenaniganz
 
FOUR FINGERS FIST FIGHT

Album:
 FOUR FINGERS FIST FIGHT, 2008, Silverwolf

Stil:
 Rock'n'Roll, Heavy Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 J.G., 25.02.2008

Review:
 Früh übt sich, das ist zumindest das Motto der Rockband Shenaniganz aus dem Oberbayerischen Haag. Als Sieger des bundesweiten SchoolJam Wettbewerbs haben die 17-21-jährigen im April 2006 ihren bisher größten Erfolg feiern dürfen.
Der Weg bis dorthin war sicherlich nicht leicht, denn immerhin musste man ganze 900 Mitbewerber hinter sich lassen. Auch international konnte die Band mit ihrem 4. Platz beim Bandwettbewerb "Emergenza" Aufsehen erregen.
Was ist also das Geheimnis des Erfolgs, wenn es da überhaupt eins geben mag?
Nun, Erfolg stellt sich in der Regel immer dann ein, wenn das Produkt eine gewisse Massentauglichkeit mit sich bringt. Dort wo sich Headbangen, Luftgitarre-Spielen und Tanzen lässt, hat man schon die halbe Miete in der Tasche. Und natürlich die Klischees bedienen, das ist ganz wichtig. Wer nicht mit Phrasen wie "Pissing in the Wind" oder "Jesus was a Rock'n'Roller" aufwarten kann und seine Refrains mit reichlichen "Fuck you"s ausstattet, der verschenkt wertvolle Credits. Allzu leicht sehen kritische Zuschauer auch großzügig über holprige Stellen hinweg und drückt drei Augen zu, wenn die Akteure auf der Bühne zumindest rein optisch eine gute Figur abgeben. Da mag der genialste Gitarren-Virtuose ein geniales Solo nach dem anderen abfeuern, es nützt kaum etwas, wenn er dabei als steifer Klotz introvertiert links hinten auf der Bühne im Schatten der großen PAs steht.
Nach den ersten paar Durchläufen stellt sich schnell Ernüchterung ein.
Auch wenn die einzelnen Songs bei genauerem Hinhören durchaus unterschiedlich sind, so klingen sie oberflächlich betrachtet einfach zu ähnlich. Das liegt sowohl am Aufbau, als auch am exzessiven Arbeiten mit Background-Chor nach immer gleichen Strickmuster und was noch störender ist, in immer gleicher Tonlage. Der geringe Oktavumfang des Frontmanns mit sich immer wiederholenden Gesangslinien ist sicherlich fünf Lieder lang amüsant, aber spätestens dann wirkt es ermüdend. Das Ohr schaltet auf Durchzug und so rauscht ein Song nach dem anderen durch die Gehörgänge ohne auch nur minimale Abdrücke im Ohrenschmalz zu hinterlassen. Auch die ähnliche Spieldauer der Songs tragen dazu bei. Für eine Punkband wäre sie ganz ok, denn kaum ein Song ist länger als vier Minuten, nur einer streift knapp die fünf Minuten-Marke. Das ist einfach schade und ich behaupte mal, dass das nicht nötig gewesen wäre. Zwei Songs weniger und dafür etwas mehr Abwechslung und Länge wären sicherlich drin gewesen.

Bereits der Opener "Punk that Rocks" offenbart ein paar kleinere Widersprüche. Punk kommt immer sofort auf den Punkt. Warum dann die vielen Wiederholungen des Intro-Riffs? Dazu ist es dann doch etwas zu einfach, um so häufige Wiederholungen verdient zu haben. Klar, wer einfach abtanzen möchte - ohne wenn und aber - kommt hier voll auf seine Kosten.
"Andy Warhol" ist da schon ein Stück weit griffiger, lässt jedoch den geneigten Rocker durch einige Hip-Hop-Phrasen zurück zucken. Mit Punk hätte man sich als eingefleischter Lederjackenträger ja noch arrangieren können, aber mit Hip-Hop...
"25 Years ago" waren die Jungs vermutlich noch nicht mal in Planung, aber was soll's, auch Geschichtslehrer dürfen über längst Verstorbene referieren. In jedem Fall ist es eine weitere Steigerung und lässt die guten alten Zeiten der Status Quo-Ära aufleben (die eigentlich bis heute anhalten). Was allerdings der schräge (Sprech-)Gesang nach dem Break soll, möchte ich schon mal wissen, abgesehen von den unzähligen "Fuck you"-Wiederholungen.
Und dann ist mit "Hangin' with the Boys" endlich ein wirklich netter Rocker an der Reihe, aber was passiert? Gerade hier gehen die Ideen frühzeitig aus und nach nicht mal drei Minuten ist schon wieder Schluss.
Aha, nicht die ersten, die behaupten, "Jesus was a Rock'n'Roller" und zur Abwechslung mal ein wirklich neues musikalisches Thema. Diesmal ist es schleppender Boogie Rock ala AC/DC, der durchaus handwerklich überzeugen kann, wenn auch kein Blumentopf für Innovation heraus springen mag.
"Why?", ok das frage ich mich auch. Zugegeben, mehrstimmige Gesangslinien mit unterschiedlichen Texten macht kaum jemand. Das hat aber vielleicht auch seine Gründe. Nicht jede Band hat gleich mehrere Sänger am Start, aber selbst wenn dem so wäre, ist der Effekt dann optimal, wenn damit auch unterschiedliche Tonlagen bedient werden. Das ist hier aber nicht der Fall und so bleibt ein etwas konfus wirkendes Arrangement übrig.
"Hobo Slide" beginnt mit einer Spur Southern Rock, kann sich jedoch kaum von den anderen Songs absetzen, denn dafür ist eine etwas andere Gitarrenabstimmung zu wenig. Immerhin war der Wille erkennbar und das unterstreicht einmal mehr, dass die Jungs auch geneigt sind, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.
"Ordinary Dreams" und der zum Abschluss nochmal in die Vollen gehende Rock'n'Roller "The Frankey commercial Song" bringen nichts wesentlich Neues, unterstreichen nur das bereits Gehörte.
Was bleibt ist ein angenehmes Maß an Party-Feeling, schweißnasse Achseln bei allen, die durchgetanzt haben, gefüllte Kassen beim Wirt, der für den flüssigen Treibstoff gesorgt hat und die Erkenntnis, dass der Rock'n'Roll so schnell nicht aussterben wird.

Fazit: "Beste Schülerband Deutschlands 2006", mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Diesen Titel haben sie sich in jedem Fall verdient. Wollen sie jedoch von der Kreisliga in die Regionalliga oder gar 2. Liga aufsteigen, so gehört noch etwas mehr dazu, als leidenschaftliches Engagement, Refrains mit "Fuck you", leben in Rocker-Klischees und zitieren abgefahrener Riffs. Jetzt heißt es, den SchoolJam-Lorbeer-Kranz auf's Regal legen und lernen, wie man sich als Erwachsenen-Band im harten Business behaupten kann. Hierzu gehört auch ein überarbeitetes Songwriting.
Wäre dies hier eine Demo gewesen, so hätte ich sicherlich Beifall geklatscht. Wer jedoch bei den Großen mitspielen möchte, muss sich warm anziehen und sollte für konstruktive Kritik offen sein.
Auch wenn sich die einzelnen Songs nicht so recht im meinem Ohr festsetzen wollen, so haben sich die Jungs zumindest bei Google mit jeder Menge Treffer für "Shenaniganz" festgesetzt.
Hype, kurzfristiger Höhenflug oder High Quality? Nun, das wird die Zukunft und das nächste Album zeigen, denn genügend Leidenschaft haben die Oberbayern in jedem Fall.

Tipp:
 Wer gerne wissen möchte, was unser Rock'n'Roll-Nachwuchs so alles drauf hat und gerne Parties feiert, der wird hier gut bedient.

Titel-Liste:
 
  1. Punk that Rocks
  2. Andy Warhol
  3. 25 Years ago
  4. Hangin' with the Boys
  5. Pissing in the Wind
  6. Jesus was a Rock'n'Roller
  7. Why?
  8. Hobo Slide
  9. Social Misfit
  10. Can't await the Moon
  11. Ordinary Dreams
  12. The Frankey commercial Song

Laufzeit:
 42:08 Min.

Band-Infos:
 
  • www.shenaniganz.de 


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