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Review: Shortino |
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Album:
| | CHASING MY DREAM, 2009, Metal Heaven |
Stil:
Wertung:
| |  4 von 7 Punkten | | C.L., 23.06.2009 |
Review:
| | Paul Shortino kennt der eine oder andere von Euch vielleicht noch aus seiner Zeit beim US-Hardrock-Flaggschiff Quiet Riot. Nach dem Weggang von dessen Frontmann Kevin DuBrow übernahm der Ex-Rough Cutt-Member auf Vermittlung seiner Managerin Wendy Dio hier 1987 das Mikro und konnte mit seiner bluesgetränkten Stimme vollauf überzeugen. Zwei Jahre später schmiss er dann aber wieder hin, als das schlicht QUIET RIOT betitelte Album floppte, um sich anderen Projekten zuzuwenden. So kam es 1993 zu einer ersten Zusammenarbeit mit dem Gitarristen JK Northrup, aus der der Longplayer BACK ON TRACK entsprang. Außerdem steuerte der umtriebige Sänger einige Songs zu dem 1994er Blues-Heavy-Rock-Projekt Badd Boyz bei, wo er auf den Ex-Quiet Riot-Bassisten Sean McNabb und den Ex-McAuley-Schenker-Axeman Mitch Perry traf.
Nach diesem Intermezzo gönnte sich der stimmgewaltige Amerikaner den Luxus einer eigenen Band namens Shortino, mit der er - die beiden Scheiben IT'S ABOUT TIME und BOOKED, TOURED…RELEASED! (LIVE) im Gepäck - auch den europäischen Kontinent fleißig beackerte. Zusammen mit seinem Weggefährten J.T. Garret nahm der charismatische Gesangssolist 1999 das Bluesrock-Opus STAND OR FALL unter dem Namen Paul Shortino & The Rhythm Junkies auf.
Man sieht sich im Leben bekanntlich immer zweimal. So sollte das 2002er Projekt Cutt mit SACRED PLACE eigentlich die schon längst überfällige Reunion mit den ehemaligen Rough Cutt-Mitgliedern einläuten, aber letztendlich scheiterte dies. Dafür tat sich Shortino dann wieder mal mit Saitenhexer JK Northrup zusammen, woraus als Ergebnis der Tonträger AFTERLIFE (2004) resultierte. Unter der Leitung von Produzent Michael Voss (Casanova, Silver) und unterstützt von zahlreichen deutschen und amerikanischen Musikern - u. a. Johnny Douglas (Keel, K2) und Robert Bergmann (Mad Max) - steht nun der nächste Streich des Vokalkünstlers namens CHASING MY DREAM zur Verfügung und dürfte für die Freunde seiner alten Band wieder sehr interessant sein. Vor allem verspricht er ja auch noch, dass er mit dieser Steilvorlage eine Tour mit einer noch zu benennenden Band plant. Man darf gespannt sein.
Beim Opener "Remember You" läuft mir gleich beim ersten Anhören eine Gänsehaut über den Rücken, so atmosphärisch dicht kommt dieser melancholisch angehauchte Song 'rüber. Es geht hier textlich um eine verflossene Liebe, und dieses Gefühl kann die Musik überzeugend transportieren. Schuld daran ist das sich thematisch wiederholende Melody Lick von Produzent Michael Voss, der hier eine wunderschöne Gitarrenlinie in bester Michael Schenker-Manier abliefert. Auch das von diesem performte wohlklingende Solo passt wie die Faust aufs Auge zu der packend ausgedrückten Stimmung dieses Titels. Hier stimmt einfach alles, ein toller Sänger und dazu noch ein eingängiges Riff, und die Drums brechen immer mal wieder mit fetten Wirbeln und Breaks aus dem sturen Rhythmus aus. Ein perfekter Hardrock-Song wie aus dem Lehrbuch, besser geht es einfach nicht. Lustig auch, dass Michael Voss hier ein kleines Gimmick eingebaut hat, denn zu Anfang hört man das Einrollen einer Roulettekugel. Diese technischen Spielereien werden sich thematisch durch fast alle weiteren Stücke von CHASING MY DREAM hindurchziehen.
Zuerst dachte ich ja, dass mein CD-Player defekt ist, denn "To The Cross" beginnt mit einer abstürzenden Basslinie. Gott sei Dank war das wieder eine Vosssches Kabinettstückchen und damit die Welt wieder in Ordnung. Etwas ungewohnt ist das "garagige" Riffing an so mancher Stelle. Der Song klingt so, als wolle der gute Voss hier den Melodic Rock mit Nu Metal kreuzen, um dem immer noch vor sich hin dümpelnden Hardrock zu einer "Frischzellenkur" zu verhelfen. Ich weiß nicht, ob das dem klassischen Rock-Fan gefallen wird, denn der Titel bekommt hier einen Touch von Stoner Rock a la Kyuss. Natürlich passen Elemente des legendären "Wüstenrocks" bestens zur bluesigen Stimme Paul Shortinos, aber ich bin mir sicher, dass umgekehrt Queens of the Stone Age viele Anhänger verlieren würden, wenn Sie Melodic Rock unter ihre Musik mischten. Man muss mit einem solchen Mix klarkommen, für mich ist er weder Fisch noch Fleisch und der erste Durchhänger gleich nach dem glänzenden Anfangsstück.
Gerade als ich meine Enttäuschung noch nicht ganz verdaut habe, kündigt sich "Prelude Missing" mit einigen Streichern und einer sicherlich hörenswert eingespielten Akustikgitarre an. Was sich wie der Beginn eines neuen "Gabriel Burns"-Mystery Hörspiels anhört, ist nur der Auftakt zum nächsten Titel. Ganz nett, aber harmlos.
Das eigentliche "Missing" ist eine ganz ordentliche Rockballade, und sie hat durchaus ihre Reize. Ich kann ihr schon etwas abgewinnen, so ist das nicht, aber ich habe im Hinterkopf leider die Stücke von Rough Cutt, wo viel mehr Power dahinter war, die auch das Markenzeichen dieser Band bis heute sind. Dort gab es einfach die richtige Mischung aus Gefühl und Härte; hier wird zwar nicht auf das obligatorische Gitarrensolo verzichtet, aber die Akkorde bleiben ohne meinen geliebten Overdrive einfach zu blass. Die Nummer ist einfach etwas zu ruhig für mich, könnte aber für das nächste Weihnachts-Fest sicherlich eine Alternative zu den üblichen Verdächtigen sein.
Wenn ich jetzt gerade aus dem Fenster schaue, und eine neue Regenfront über meine Gegend hinwegziehen sehe, dann könnte Shortino das mit "Nocturnal" vorausgesehen haben. Denn der Track beginnt mit strömendem Regen und einem Donnern, und letzteres kann man auch als Motto dieses Liedes deuten. Falls einen die lieben Nachbarn mit ihrem HipHop nerven, kann man es mal ganz dezent lauter stellen und sein Revier markieren, denn es fetzt ganz gehörig in den Ohren. Falls vom Vampir-Epos "Underworld" mal der vierte Teil gedreht werden sollte, könnte man ihn ohne Federlesens zum Soundtrack hinzufügen. Dies liegt nicht nur daran, dass die Riffs noch "grungiger" als auf "To The Cross" sind, nein, denn es geht hier wirklich um einen Jäger der Nacht, der vom Blut anderer Menschen lebt. Positiv zu vermelden ist dann noch die Bridge, wo mal kurz vom Gaspedal 'runtergegangen wird und der Blues perlt. Für die Hardrock-Polizei ist hier aber immer noch zuviel "Melodic Rock meets Nu Metal" dabei, was aber das Besondere an diesem Titel auf keinen Fall schmälert.
Zu Anfang hört man die hohen Saiten einer E-Gitarre, die mit dem Plektrum ganz unorthodox angezupft werden und mit etwas Delay vor sich hin schweben, aber mehr Luft zum Atemholen bleibt einem mit "Side FX" wahrlich nicht. Der Heavy Metal-Stampfer macht keine Gefangenen und überrascht vor allem dadurch, dass es hier nicht wieder um Herz-Schmerz-Gereime geht, nein, Shortino thematisiert hier Medikamente und ihre Nebenwirkungen. Er prangert den zu sorglosen Umgang der Menschen mit diesen kleinen Helfern an, die nur allzu gerne verschrieben werden, wenn man sich mal schlecht fühlt, dann aber schnell zu einer Sucht führen können. Die "abstürzende" Gitarre beim Solo kann die Problematik hier sehr schön plastisch darstellen. Sehr effektvoll inszeniert das Ganze, aber Hardrock steht dem facettenreichen Gesangskünstler einfach viel besser.
Wer jetzt immer noch auf einen klassischen Partyrocker wartet, der wird mit "Alone They Ride" bestens bedient. Ganz brauchbar, aber das hat man einfach schon zu oft gehört. Klingt als wäre er auf dem Reißbrett entworfen worden. Für lange Autofahrten dürfte er aber genau das Richtige sein.
Gerade wenn man so vor sich hin sinniert, ob da vielleicht doch noch etwas passiert auf der CD, kommt die große Überraschung in Form von "Chasing Your Dream". Der Anfang klingt wie eine weitere Ballade, aber dann bricht plötzlich die Hölle los. Das Mörderriff dieses Tracks schraubt sich sofort in meine Gehirnwindungen und dann haut Shortino auch noch eine unglaubliche Titelzeile heraus, die einfach süchtig macht. Also, so muss Hardrock klingen, dann klappt's auch mit der Nachbarin. Für mich der zweite Reißer auf CHASING MY DREAM neben "Remember You", ohne Zweifel. Der gute Vossibär holt hier aus dem Ausnahmesänger wirklich alles heraus: den Rock, den Blues und ein unglaubliches Gespür für einen wirklich dramatisch aufgebauten Titel mit langsamen und schnelleren Passagen, wo es sehr schön groovt.
Nach so einem Kracher erwartet man nicht mehr viel, aber dann geht doch noch ein Traum in Erfüllung, denn Shortino präsentiert mit "Great Dreamer" einen weiteren Hammer-Song, der gleich mit den ersten Takten der schönen harten Rhythmusgitarre tierisch ins Ohr geht. Alle guten Dinge sind drei, und damit hat der Ex-Quiet Riot-Frontmann sein Plansoll bei mir eigentlich schon erfüllt. Erwähnenswert ist außerdem die wirklich hervorragende Gitarrenarbeit von Ralf Heyne (Doc Heyne, Biss). Die Frage ist wirklich, ob Rough Cutt das noch besser machen könnten, ich glaube nicht.
Auf einem Bein kann man bekanntlich nicht stehen. Deshalb gibt es mit "Take My Heart And Run" auch gleich noch den zweiten Wohlfühl-Gassenhauer. Wer sowieso schon in positiver Grundstimmung ist, der kann dies mit diesem locker-flockigen Titel noch um etliches verstärken. Egal ob Gehaltserhöhung, neue Flamme oder der ersehnte Gewinn eines Preisausschreibens, er passt einfach auf alles, was man so erleben kann in Sachen persönliches Glück. Leider etwas zu positiv für mich, aber der Geschmack ist ja Gott sei Dank verschieden. Könnte recht gut zusammen mit "Alone They Ride" bei diversen Radiostationen kommerziell verbraten werden.
Auf CHASING MY DREAM gilt der Satz, dass eine Ballade selten allein kommt, und so schiebt der Meister des gepflegten Hardrock-Liedguts mit "Promises" wieder einen traurig-nachdenklichen Track hinterher, der aber noch weniger überzeugen kann als "Missing". Böse Zungen könnten ihm unterstellen, dass er hier schon die passende Krisenstimmung in seiner mit zahlreichen Bankenpleiten gebeutelten Heimat vorweggenommen hat und es vielleicht dieses Jahr für die dortige Bevölkerung einfach nichts mehr zu lachen gibt.
Fazit: Ich bin kein großer Freund von Michael Voss und seinen Projekten Silver und Casanova, aber der gewiefte Produzent hat seinen schon länger zurückliegenden Aufenthalt in den Vereinigten Staaten gut genutzt, denn er hat CHASING MY DREAM so fabriziert, dass es sich mit den klassischen US-Studio-Outtakes locker messen kann. Vielleicht unterschätzt man den Münsteraner etwas, wenn man hier moniert, dass Melodic Rock und Nu Metal bei einigen Titeln zusammengemischt worden sind, was auf den ersten Blick nicht so recht passen will. Der ehemalige U.D.O-Bassist hat vielleicht genau das richtige Gespür, um den Hardrock zu modernisieren, und für ihn ist es wahrscheinlich die richtige Entscheidung, das Beste aus beiden Welten entsprechend in die Songs zu integrieren. Es wäre zu kurz gedacht, Voss hier zu unterstellen, dass er für Shortino ganz neue Fankreise mit ein bisschen Alternative Rock zu erschließen hofft, denn der Zug ist ja wohl endgültig abgefahren. Bestes Beispiel sind die Grunge-CDs von Warrant und Ratt, die ziemlich übel floppten und die der Hardrockfan in der Form gar nicht hören wollte.
Man kennt sich ja in der Szene, und ich denke mal, dass der teutonische Studio-Crack die Europe CD START FROM THE DARK (2004) genau studiert und festgestellt hat, dass Saitenartist John Norum hier ganz selbstverständlich den typischen Hardrock der Band mit Nu Metal-Elementen zusammengerührt hat.
Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei. In der Vergangenheit taten sich immer namhafte Musiker hochkarätiger Bands zusammen, tauschten die obligatorischen MP3-Files aus, frickelten alles zusammen und das Ergebnis war nur heiße Luft.
Shortino und sein deutscher Mentor haben das hier einen Tick besser gemacht.
Für denjenigen, der in Sachen Rock quer Beet hört, wird CHASING MY DREAM ein abwechslungsreiches Album sein, das von zart bis hart alle Facetten des Genres bietet. Wer aber immer noch auf den gewohnten 1980er Hardrock setzt, der wird sich einfach die besten Rosinen herauspicken müssen und die sind dafür einfach spitze umgesetzt.
25 Jahre Musikbusiness hat Paul Shortino nun auf dem Buckel und ist dabei kein bisschen leise. Ob er mit CHASING MY DREAM einen weiteren Meilenstein zur "Hall Of Fame" des Rock 'n' Roll gemeistert hat oder ob er vielleicht doch nur ganz profan von der geheimnisvollen Lady im weißen Kleid auf dem CD-Cover träumt, diese Spekulationen überlasse ich dem geneigten Hörer.
Mit dieser immer noch fantastischen Blues-/Hardrockröhre sollte er auf jeden Fall noch ein drittes Rough Cutt-Album in Angriff nehmen. Wenn nicht jetzt, wann dann? |
Anspieltipps:
| | "Remember You", "Great Dreamer", "Chasing Your Dream" |
Tipp:
| | Wenn man sich für den Back-Katalog und den Werdegang von Paul Shortino interessiert, dann sollte man sich die beiden Rough Cutt-Scheiben ROUGH CUTT (1984) und WANTS YOU (1986) unbedingt 'reinziehen. Solltet Ihr noch auf einen echten Gitarrenhelden an dessen Seite Wert legen, dann kann ich Euch nur BACK ON TRACK und AFTERLIFE mit JK Northrup ans Herz legen. |
Titel-Liste:
| | - Remember you
- To the Cross
- Prelude Missing
- Missing
- Nocturnal
- Side FX
- Alone they Ride
- Chasing your Dream
- Great Dreamer
- Take my Heart and Run
- Promises
- - - Bonus Track - - - - Plan of Attack
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Laufzeit:
| | 46:28 Min. ohne Bonus Track |
Band-Infos:
| | www.paulshortino.com  |
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