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Review: Sinwell
 
TRUE SENSE

Album:
 TRUE SENSE, 2008, Point Music

Stil:
 Melodic Metal, Hard Rock

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 J.G., 09.01.2008

Review:
 Es macht eben doch einen gewissen Unterschied, ob man schon auf eine gewisse Erfahrung und Spielpraxis zurückgreifen kann oder eben nicht. Die aus Nürnberg stammenden Sinwell spielen nun seit acht Jahren zusammen und haben 2003 mit dem neuen Mann an der Gitarre, Benno Baum, einen Traumpartner an Land gezogen. Das hatte nicht nur eine Änderung des Namens mit sich gezogen, sondern auch eine deutliche musikalische Weiterentwicklung. Dass Benno nebenbei noch ein eigenes Studio besaß, erleichtere die ersten Schritte bis zum Debüt sicherlich ungemein. Der Verdienst gebührt jedoch nicht einem einzelnen, sondern der ganzen Mannschaft. Wäre da nicht Joschi Hänsels markante Stimme, Dierk von Tesmars dominantes und variables Bass-Spiel und nicht zuletzt Tommy Reschs punktgenaues immer angemessenes Drumming, so könnte Benno alleine kaum etwas ausrichten.

Der Opener "Nowhere Man" entpuppt sich als tougher Rocker mit tief gestimmten Gitarren, einem bestechenden Groove und einer markanten Gesangslinie, die auf der ganzen Linie überzeugen kann. In jedem Fall hat man es geschafft, schon zu Beginn einen Song hinzulegen, den man so schnell nicht vergisst.
Da spielt man mit "Old Love" schon in einer anderen Liga. Von Anfang an ist es eine intensive Langsamkeit, die wohl ab der Hälfte des Songs immer dichter wird, jedoch nie zu viel Tempo aufnimmt.
Da geht man mit dem Titelsong "True Sense" schon andere Wege. Ganz auf Nummer sicher hat sich Sinwell für eine eingängige Halbballade entschieden, die besonders beim Refrain sein wahres Rockgesicht zeigt. Dezente Chöre und eine druckvolle Rhytmusabteilung runden den positiven Gesamteindruck ab.
Slap-Bass und aggressive Stakkato-Gitarren sorgen für einen interessanten Einstieg bei "Say what". Einerseits sorgen sie für einen Schuss Moderne nach Art des Nu Metal, behalten jedoch andererseits die dominante Basslinie bei und lassen die Gitarren nur selten aus der zweiten Reihe hervortreten. Ein interessantes Songwriting mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit.
Für "Change my World" schlägt man überwiegend ruhige Töne an und bewegt sich auf den Spuren amerikanischer Liedermacher. Im Gegensatz zu vielen solchen Werken erhält man jedoch die Spannung aufrecht mit passenden Breaks, Gitarren-Soli, und variabel dichter Instrumentalisierung. Zur Krönung hat man sich nicht nur fetter Chöre bedient, sondern gleich einen ganzen Kinderchor engagiert, der auch für das fade out sorgt.
Eigentlich ist es fast zu schade, das Album so analytisch zu betrachten. Durch das hohe Maß an Eigenständigkeit fällt es auch schwer, passende Vergleiche zu ziehen und deshalb beleuchte ich die zweite Hälfte des Albums nur doch stichpunktartig.
Bei "Time of Revival" lässt man eine Spur Punk einfließen und bläst zur Double-Bass Attacke.
Mit seinen ultratief gestimmten Gitarren kann "Where your Heart belongs" kaum Druck nach vorne aufbauen und deshalb hat man sich geschickterweise für einen hohen Groove-Faktor entschieden, der den fehlenden Druck mehr als kompensiert.
"Pretender" eine ruhige Ballade, die stellenweise etwas an Iron Maiden erinnern mag, beweist einmal mehr, dass man mit Plattheiten und Schnulzen nichts am Hut hat, sondern gekonnt sein eigenes Ding durchzieht.
Ähnlich wie schon der Opener den fröhlichen Reigen eröffnet hatte, schließt man mit "Dead End" das Album auf eine passende jedoch etwas härtere Art und Weise. Da bleibt mir dann nur noch ein Wort zum Schluss: "Bravo!"

Fazit: Stilistisch bewegt man sich an der Grenze zwischen toughen Rock und melodischem Metal, wobei die alternativ angehauchten und mit einigen neuen Klangakzenten ausgestatteten Rockelemente überwiegen. Die Gitarren agieren dabei meist in den unteren Regionen und halten dadurch geschickt Joschis tiefe Gesangslinie frei. Trotz der spielerischen und musikalischen Vielfalt ist es den Nürnbergern gelungen, jedem ihrer Songs einen Stempel aufzudrücken.
Das Album ist nicht unbedingt zum simplen Abfeiern auf Parties geeignet und auch für eine Hintergrundberieselung zu schade. Hierfür sollte man sich einfach etwas Zeit nehmen, abschalten und in die musikalische Welt von Sinwell eintauchen.
In jedem Fall hat es dieses Album mühelos geschafft schon jetzt in meine Top-Liste der 2008er Debüts einzuziehen.

Tipp:
 Alle die modernem Hard Rock mit Metal-Einflüssen aufgeschlossen begegnen, sollten hier näher hinhören und werden sicherlich bald in den musikalischen Bann des Albums gezogen.

Titel-Liste:
 
  1. Nowhere Man
  2. Old Love
  3. True Sense
  4. Say what
  5. Change my World
  6. Shot in the Middle
  7. Time of Revival
  8. Sleepwalker
  9. Where your Heart belongs
  10. Pretender
  11. See the Light
  12. Dead End

Laufzeit:
 52:09 Min.

Band-Infos:
 
  • www.sinwell.eu 


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