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Review: Sister Sin
 
SWITCHBLADE SERENADE

Album:
 SWITCHBLADE SERENADE, 2008, Metal Heaven

Stil:
 Hard Rock, Heavy Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 05.08.2008

Review:
 Der Einzug weiblicher Stimmen in die Hard Rock- und Heavy Metal-Szene schreitet unaufhaltsam voran und das ist auch gut so. Mögen die unverbesserlichen Betonköpfe auch den ken was sie wollen, von wegen, eine Metal-Braut gehört auf den Sozius des Bikes, aber nicht ans Mikro, den belehren aktuelle Bands wie Benedictum, Hydrogyn, Lullacry oder Skew Siskin eines besseren. Was im Gothic-Bereich spätestens seit den Erfolgen skandinavischer Bands, wie z.B. Nightwish selbstverständlich wurde, nämlich eine meist sanfte weibliche Stimme mit ins Boot zu holen, klappt so im Rock- und Metal-Geschäft nicht so leicht. Hier braucht man charismatische Frontfrauen, die auch schon mal die Rockbitch herauskehren. Das Erbe von Doro Pesch, Sabina Classen oder Angela Gossow anzutreten ist nun einmal nicht so leicht.
Die Schweden Sister Sin aus Gothenburg starteten 2002 nun ebenfalls einen Versuch in diese Richtung und bauten ein Quartet mit Liv als Lead-Sängerin. Damit der zelebrierte kantige und ungeschliffene Mix aus Rock'n'Roll, Hard Rock und Heavy Rock auch funktioniert, braucht es natürlich einer gewissen Stimmlage, die alle Facetten von "smooth" bis "dirty" abdeckt und Liv scheint dabei die berühmte passende "Faust auf's Auge" zu sein. Nicht nur rein optisch fügt sich die Frontfrau nahtlos ins Bandgefüge und sorgt für den nötigen Druck am Mikro.
Wer gleich zu Beginn einen ängstlichen Blick auf seinen CD-Player wirft, ob dieser denn über Nacht zum Schallplattenspieler mutiert ist, der sei beruhigt. Die Knister-Geräusche sind samt und sonders künstlich und trennen, wie es sich gehört, die sechs Songs der "Vorderseite" von der zweiten Hälfte auf der "Rückseite". Ja Kinder des CD/DVD-Zeitalters, so hörten sich die guten alten Vinyls in meiner Jugend nach ein paar Durchläufen an - und es hat trotzdem Spaß gemacht. Aber nun zu den einzelnen Songs...

Als Opener hat man sich mit "Beat the Street" für einen wilden Up-Tempo-Rocker entschieden, der mit Volldampf aus den Boxen bläst und die ersten Reihen mit einem richtigen Riff-Gewitter befeuert. Liv am Mikro lässt dabei voll die Bitch von der Leine und stachelt nicht nur ihre Jungs zu wahrer Höchstleistung an. Hier werden sofort Erinnerungen an Girlschool und ihre damalige Zusammenarbeit mit Motörhead wachgerufen.
Etwas gemäßigter, aber dabei mit deutlich mehr Basisdruck packen die Schweden mit "Death will greet us" ihren nächsten Dachbalken Marke Extrabreit aus dem Rucksack. Diesmal bekommt Liv auch die Gelegenheit für einige sanftere Einlagen, die ebenfalls prima funktionieren, egal ob clean oder über Fazer.
Wieder etwas mehr Gas gibt's für "One out of Ten", jedoch hat man diesmal die gesunde Aggressivität den Gitarren überlassen und die Frontfrau stimmlich überwiegend auf gehobenen Rock-Niveau agieren lassen, was heißt, dass sie diesmal etwas gemäßigter die Lyrics in die Menge "schreit". Wer bisher fleißig mitgerockt hat, der wird wohl die ersten Schweißflecken auf dem Shirt bemerkten. Für eine Verschnaufpause ist jedoch keine Zeit, denn auch "Breaking the Ground" mit seinem zwingenden Groove und anfeuernden Chören lässt wohl kaum einen Muskel ruhen. Auch wenn hier deutlich die 80er-Jahre-Wurzeln zu Tage treten, wirkt der Song erfrischend neu und nicht wie bei einigen der Kollegen nur aufgewärmt oder gar altbacken.
Der erste etwas gemäßigtere "Song On Parole" verlangt diesmal der Frontfrau deutlich mehr ab, als bisher. Jetzt zeigt sich, dass Liv nicht nur in den rauhen tiefen oder ausdrucksstarken geschriehenen, sondern auch in den cleanen hohen Passagen zielsicher die richtigen Töne trifft.
"Make my Day", ein weitere Up-Tempo-Street Rocker ist nicht so rau, wie der Opener, aber nichtsdestotrotz geht voll die Post ab und die ersten kurzen Pausen für ein paar Mal Luftholen sind wohl keine Schande.
Das Knistern nach dem Fade-Out und Nadelaufsetzen signalisiert jedem Fan mit Vinyls im Regal, die erste Hälfte ist zu Ende, es folgt nun die Rückseite. Diese unterscheidet sich jedoch qualitativ in keinster Weise von der Vorderseite. "Hostile-Violent", als weiterer Up-Tempo-Rocker mit anfeuernden Chören und genialen Gitarren-Solo kann ebenso überzeugen, wie der stampfende Titel-Song "Switchblade Serenade" mit eine etwas zahmeren Liv, dem ungeschliffenenen wilden Arschtreter "Love/Hate", dem ausdruckstark gesungenen "All Systems Go!" oder gar dem balladesk beginnenden, aber nach wenigen Augenblicken voll durchstartendem Schluss-Song "Eye to Eye".
Genau so wünsche ich mir eine gute Rock-Scheibe und glücklicherweise landet auch immer wieder eine solche Perle auf meinem Tisch und wartet auf ihre Chance getestet zu werden. Diese Chance haben sich die Schweden Sister Sin mit ihrem Debüt SWITCHBLADE SERENADE redlich verdient!

Fazit: Schade, nach einer knappen Dreiviertel Stunde ist diese rockige Reise schon wieder vorbei. Glücklicherweise liegt der Play-Button in greifbarer Nähe und ich spendiere nur allzu gerne eine neue Runde. Wer jetzt immer noch behaupten will, schmutziger Rock funktioniere nur mit männlichen Stimmen, der ist wohl grenzenlos uneinsichtig. Was die Schweden hier auf ihrem Debüt abliefern ist ein Street-Rocker aller erster Sahne und funktioniert wohl live ebenso, wie im heimischen Wohnzimmer. Es rockt von der ersten bis zur letzten Rille und das ohne Filler oder Durchhänger. Hey, was will man mehr - außer vielleicht Liv auf dem eigenen Sozius?

Tipp:
 Wer schon immer auf Rock-Bands wie Girlschool, Skew Siskin, Benedictum, Sinergy oder meldrum abfuhr, der wird sich hier sofort wohl fühlen.

Titel-Liste:
 
  1. Beat the Street
  2. Death will greet us
  3. One out of Ten
  4. Breaking the Ground
  5. On Parole
  6. Make my Day
  7. Hostile-Violent
  8. Switchblade Serenade
  9. Love/Hate
  10. All Systems Go!
  11. Eye to Eye

Laufzeit:
 44:26 Min.

Band-Infos:
 
  • www.sistersin.com 


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