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Review: Skid Row
 
SLAVE TO THE GRIND

Album:
 SLAVE TO THE GRIND, 1991, Atlantic

Stil:
 Hard Rock, Heavy Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 C.L., 24.11.2009

Review:
 Skid Row sollte man nicht verwechseln mit der gleichnamigen irischen Folk-Rock-Formation, wo sich damals Thin Lizzy-Chef Phil Lynott und Gary Moore kennenlernten. Hier geht es um eine US-amerikanische Musikgruppe, die man unter der Sparte Hairspray Metal kategorisiert. Das zum Bandnamen gleichnamige Debüt schlug 1989 wie eine Bombe ein, was aber kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Gitarrist Dave “Snake“ Sabo ein alter Spezi von Jon Bon Jovi ist. Letzterer vermittelte dem New Jersey-Fünfer nämlich den Plattendeal und beteiligte sich auch selber über Veröffentlichungstantiemen an den hoffnungsvollen Newcomern.
Außerdem legte Starproducer Michael Wagener (produzierte u.a. auch Doro & Bonfire) hier wieder eine für ihn recht typische Meisterleistung hin. Hinzu kam dann noch, dass Sänger Sebastian Bach in Aussehen und Statur genau der richtige war, um Teenie-Phantasien anzustacheln. Die Konzerte der Truppe begleiteten kreischende Fans in etwa so wie heutzutage bei Tokio Motel.
Da bei den ausgekoppelten Singles neben "Youth gone Wild" noch die beiden Power-Balladen "18 and Life" und "I remember you" zu Buche standen, wurden Skid Row schnell als üble Poser abgestempelt. Die Kritiker feierten das Quintett schon als die neuen Bon Jovi. Hörte man aber unvoreingenommen in SKID ROW hinein, dann erkennt man, dass die Jungs hier viel rauher und rustikaler zur Sache gehen als dies beispielsweise auf der NEW JERSEY ihrer angeblichen Vorbilder geschieht.
Für SLAVE TO THE GRIND wurde wieder derselbe Produzent des Erstlings verpflichtet, und so konnte man wieder ein perfekt aufgenommenes Album im guten, alten L.A. Metal-Stil erwarten.

In meiner damaligen Rock-Disco war "Monkey Business" der absolute Tanzflächen-Kracher, der mit einem langsamen Intro aus Stimme und Akustik-Gitarre anfängt, um dann richtig schön abzugehen. Sebastian Bach röhrt hier los, als stünde das jüngste Gericht bevor, Klasse. Das ist kein Bon Jovi-Rock, das ist Heavy-Metal mit AOR-Elementen vom Feinsten. Einen tollen Groove hat diese Midtempo-Nummer, der sofort in die Beine geht und dafür sorgt, dass man die langen Haare ganz automatisch im Takt hin- und herschwingt. Wagener macht bei der Aufnahme der Gitarren wahrlich keine Gefangenen, denn dort wird mit Distortion statt mit Overdrive gearbeitet. Das ist für Party Metal deutlich zu hart und straft diejenigen Lügen, die Skid Row in die Schublade mit dem Weichgespülten stopfen wollten. Das ist ein absolutes Hammer-Teil gleich zu Beginn, und man könnte eigentlich das weitere Anhören sofort beenden, denn die Überraschung ist den US-Boys wirklich gelungen. Kein Wunder, dass dieser rotzige Auftakt von SLAVE TO THE GRIND auch im amerikanischen Soldatensender AFN 1991 mehrfach am Tag von den Hörern gewünscht wurde.
Nach dem „faulen Zauber“ (für mich eindeutig eine versteckte Kritik an den unlauteren Gepflogenheiten des Musikbusiness) machen die Amis mit "Slave to the Grind" Nägel mit Köpfen, denn hier wird jetzt richtig auf die Schwermetall-Tube gedrückt. Der flotte Rocker könnte den Melodic-Fan vor den Kopf stoßen, aber ich sehe dies als gelungene Absage an den schlechten Ruf in Fachkreisen durch den sehr kommerziell geprägten Erstling. Wer auch das Gefühl hat, sich auf welche Weise auch immer in einer „Tretmühle“ zu befinden, der kann mit diesem Track richtig Dampf ablassen und durch extremes Headbanging Aggressionen reduzieren.. Bachs rotzfrecher, schmutziger Gesang macht sich prima zusammen mit der klassischen HM-Rhythmik durch das Riff-Duo Sabo/Hill. Uptempo-Stücke sind normalerweise nicht mein Fall, aber für mich heißt es einfach nur Volume 'rauf und die HipHop-Nachbarn mal ordentlich aufmischen.
Mit "The Threat" ist man dann in gemäßigteren Gefilden unterwegs, aber die Aggressivität ist noch deutlich spürbar und steht den Burschen weiterhin sehr gut zu Gesicht. Die Gitarristen sind zwar keine Virtuosen auf ihrem Gebiet, aber dafür braten sie recht amtlich daher und bringen es auf den Punkt. Klingt genauso kompromisslos wie ein älterer Titel von Accept im Stile von “Too High To Get It Right“ und auch die fetten, aber stimmlich tief gesungenen Chöre erinnern mitunter an dieses deutsche Hardrock-Schlachtschiff. Wahrlich keine leere Drohung von Sebastian Bach & Co., sondern eine Visitenkarte, um auch mal Metallica supporten zu können.
Keine Sorge, Skid Row machen mit "Quicksand Jesus" keinen White Metal, sondern rechnen hier mit Pharisäern ab, die nicht an Gott glauben, aber dies nach einem Schicksalsschlag sofort wieder revidieren. Von ihren Power-Balladen kommen die Mannen einfach nicht los, und auch diese ist einfach hervorragend gelungen, auch wenn dem einen oder anderen Lauscher ein Lied mit dem Thema Religion vielleicht sauer aufstoßen sollte. Nicht nur an herbstlichen Novemberabenden wird einem da eine Gänsehaut über den Rücken laufen, da bin ich mir sicher.
Wenn die große Liebe irgendwann nur noch darin besteht, dass man sich gegenseitig dass Leben zur Hölle macht, dann hat man nur noch eine "Psycho Love". Mastermind Sebastian Bach interpretiert das hier gekonnt gelungen und bleibt wie die Gitarrenfraktion weiterhin schön angriffslustig am Ball. Die Riffs knallen mächtig 'rein und auch die mit Wah-Wah-Pedal gespielte Melodiephrase kann überzeugen, aber der Refrain schwächelt leicht. Doch dafür entschädigt einen die ruhige, abgeklärte Bridge in der Mitte dieses Songs, denn die ist einfach erste Sahne.
In der Kürze liegt die Würze, müssen sich unsere Rock 'n' Roll-Spitzbuben gesagt haben, als sie "Get the fuck out" schreiben. Ein kurzer und schmerzloser Abgesang auf die guten Sitten, um sich hier mal schnell die Ohren durchpusten zu lassen und Stress abzubauen. Mit diesem temporeichen Gassenhauer hatte die Combo dann bei der Livetour in einigen Ländern Probleme mit der dortigen Zensur wegen des F-Wortes. Außerdem geht es hier um eine schlüpfrige, unmoralische Aufforderung an die Groupies im Backstage-Bereich. Heutzutage kräht kein Hahn mehr danach. Für mich ist der Song eine gelungene Bewerbung, um sich als Vorgruppe einer US Power Metal-Combo wie Nightshade oder Riot ins Gespräch zu bringen.
Je länger die CD in meinem Player läuft, desto mehr wird der Hüne am Mikro für mich der noch dreckiger klingende kleine Bruder von David Coverdale. So auch auf "Livin’ on a Chain Gang", wo hier eine Mörder-Background-Hookline zu vernehmen ist, die sich wirklich gewaschen hat. Unser Skid Row-Shouter packt hier alles aus, was er so draufhat, wohlklingende hohe Töne mit der Kopfstimme und dann wieder eine Reibeisenstimme a la Udo Dirkschneider. Ungeheuer vielseitig, der Mann, was auch beweist, warum er auch ohne die alten Kumpanen lebensfähig ist. Für mich ein erneuter Seitenhieb auf die Plattenindustrie, die ihre Künstler fest an sich kettet und ihnen den nötigen künstlerischen Freiraum zu beschneiden versucht.
Auch eine bisher starke erste Hälfte einer Scheibe kommt mal an einen schwächeren Punkt, und das ist hier mit "Creepshow" der Fall. Nein, ich kann euch beruhigen, der Titel ist keine Gruselshow, um den Freund der gepflegten Zerre zu vergraulen. Aber er plätschert wie ein notgedrungener Lückenfüller uninspiriert den Sebastian herunter. Für mich ein Alibi-Teil, das etwas halbherzig zusammengezimmert wurde, und den man nicht mehr auf die Favoritenliste beim nochmaligen Anhören setzt.
Wer im Winter morgens im Dunklen zur Arbeit geht und auch wieder ohne Tageslicht nach Hause wankt, könnte die Stimmung bei "In A Darkended Room" sicher gut nachfühlen. Aber auch in anderen Lebenssituationen kann diese reinrassig-edle Schmackes-Ballade genau das Richtige sein, wenn man über einem Problem brütet und der Holzhammer dann genau das Falsche wäre. Beide Daumen hoch für ein Arbeitsergebnis, das einfach süchtig macht und den berühmten Schauer über den Rücken laufen lässt.
Zum Einschlafen ist der Rest des Silberlings aber nicht, denn mit "Riot Act" folgt gleich ein Wachmacher mit geballter Power. Ideal im Sommer für’s Cabrio, wenn man denn eines hat. Vorsicht, der Bundeshardrockminister warnt: Stiftet an zum Krawallmachen. Hotelfernseher bitte fest anschrauben.
Auch der nächste Stampfer mit "Mudkicker" ist eine richtig schnelle Hardrock-Dreckschleuder par excellence. Haut mächtig ’rein wie ein Schlag genau auf die Zwölf.
Hört man richtig hin, dann ist bei "Wasted Time" wirklich keine Zeit vergeudet, denn das Vorspiel ist ganz klar alte Metallica-Schule wie z.B. bei "Master Of Puppets". Wenn das kein Kirk Hammett in Reinkultur ist, dann fresse ich einen Besen. Wieder eine düstere Hymne im markanten Stil der falsch eingeschätzten "Spandex-Poser", die neben Klasse genau den richtigen Tiefgang hat, um im Gedächtnis zu bleiben.

Fazit: Respekt, meine Herren von Skid Row, wie locker, flockig, leicht Sie den Imagewechsel von der Bon Jovie-Kopie zum eigenständigen Heavy Metal-Act vollzogen haben, ohne auf die vom Hardrock-Anhänger so heißgeliebten AOR-Zutaten zu verzichten. SLAVE TO THE GRIND mischt geschickt den Hardrock mit seinem großen Bruder Heavy Metal, sozusagen das Beste aus beiden Welten. Dies gelingt nicht jeder Band. Der Mut wurde hier belohnt mit einer weiteren guten Platzierung in den LP-Charts. Ob dies nun eine geschickte Strategie des Managements war, um dem immer dominanteren Grunge die Stirn zu bieten, oder ob die fünf Racker für sich eine ganz eigene musikalische Nische besetzen wollten, ist eigentlich zweitrangig. Denn die Produktion rockt einfach so gut ab, dass hier regelrecht die Wände wackeln. Für mich jedenfalls ein Kauf, den man nicht zu bereuen braucht und der in keiner Rock-CD-Sammlung fehlen sollte.
Die Kids warteten 1991 sehnsüchtigst auf ein neues Guns ’n’ Roses Album, und da das nicht kam, war SLAVE TO THE GRIND ein rotzfrecher, schmutziger Ersatz zum richtigen Zeitpunkt, um die diversen Probleme heranwachsender Jugendlicher zu begleiten.
Zum Cover gibt es noch ein interessantes Detail, denn das hat der Erzeuger unseres umtriebigen Frontmanns verbrochen. Es zeigt drei mittelalterlich gezeichnete Totengräber, von denen einer einen verdächtig nach unserem Herrn Bach aussehenden jungen Mann in ein bereits ausgehobenes Grab zu hieven beabsichtigt. Unter den Augen von einigen Zuschauern hat sich hier ein Mann, wie es der Name dieses Opus verrät, wie ein Sklave für etwas bis zum Äußersten aufgerieben und geschunden. Schuld daran sind wohl die beiden feinen Pinkel im Business Outfit, die wohl im Musikgeschäft unterwegs sind. Ungerührt schauen beide dem Treiben zu, wobei der eine über sein heutzutage relativ antiquiert wirkendes Funktelefon wohl eine neue Band unter Vertrag nehmen will, während unser Skid-Row-Männe hier „entsorgt“ wird. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Also deutlicher geht es hier wohl nicht mehr mit der Bachschen Kritik an den Plattenbossen. Recht hat er. Dass Mittelalter und Neuzeit zugleich auf dem CD-Umschlag erscheinen, will uns wohl sagen, dass die Mechanismen der Ausbeutung wohl in beiden Zeitabschnitten nach dem gleichen Muster ablaufen und sich nichts wirklich geändert hat außer der Mode.

Anspieltipps:
 "Monkey Business", "The Threat", "Livin’ on a Chain Gang", "Wasted Time"

Tipp:
 Wer eigentlich eingefleischter Melodic-Fan bzw. AOR-Freund ist, aber auch mal etwas Härteres für den kleinen Hardrock-Hunger zwischendurch braucht, der kann neben SLAVE TO THE GRIND auch mal Whitesnakes 1987, Thin Lizzys THUNDER AND LIGHTNING oder STEEL THE LIGHT von Q5 bzw. DEAD OF NIGHT von Nightshade antesten. Zwei weitere Geheimtipps sind der Erstling von Blue Murder und Mechanix' STEEL RAIN. Wer es noch etwas progressiver möchte, der kann auf Wicked Marayas CYCLES oder Milleniums JERICHO zurückgreifen. Noch einen Tick metallischer sind dann noch Metal Church oder Vicious Rumours. Von letzteren spielt deren ehemaliger Axtschwinger Vinnie Moore übrigens auf dem 2009er UFO-Album THE VISITOR wesentlich ruhiger und melodischer.

Titel-Liste:
 
  1. Monkey Business
  2. Slave to the Grind
  3. The Threat
  4. Quicksand Jesus
  5. Psycho Love
  6. Get the fuck out
  7. Livin’ on a Chain Gang
  8. Creepshow
  9. In a darkened Room
  10. Riot Act
  11. Mudkicker
  12. Wasted Time

Laufzeit:
 47:58 Min.

Band-Infos:
 
  • www.skidrow.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Skid Row: Slave to the Grind

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