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Review: Social Distortion
 
HARD TIMES AND NURSERY RHYMES

Album:
 HARD TIMES AND NURSERY RHYMES, 2010, Epitaph

Stil:
 Blues Rock, Punk Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 04.03.2011

Review:
 Wüsste ich es nicht besser und wäre da nicht das Instrumental-Intro, käme ich kaum auf die Idee hinter Social Distortion eine dynamische aber auch in die Jahre gekommene Punk Rock-Band zu vermuten. Was Mike Ness, Jonny Wickersham, Brent Harding und Dave Hidalgo Junior hier abliefern riecht wohl mehr nach erdigem Rock mit einem gehörigen Schuss Rhythm & Blues bzw. Country. Ist das nun gut oder schlecht? Wurden dem Rebell mit den Jahren (Ness ist inzwischen 48 Jahre alt) die zubeißenden sozialkritischen Zähne gezogen? Nun, die unter den Punk Rock-Freunden, die das US-Amerikanische Quartett nicht auf den letzten Live-Gigs erlebt haben und noch immer ihre Stereo-Anlage regelmäßig mit Alben wie WHITE LIGHT WHITE HEAT WHITE TRASH füttern, haben wohl die Entwicklung der Band etwas verschlafen - gelinde ausgedrückt.
Was sich live schon längst abgezeichnet hat, wird mit dem Neuling einfach greif- und hörbare Realität. Social Distortion sind den pubertären und rüpelhaften Punk-Schuhen entwachsen und zeigen sich gereifter denn je. Der Punk ist vordergründig einem erdigen und kernigen Rock gewichen, der seine Rhythm & Blues-Zuneigung ebenso wenig, wie seinen tatsächlichen Punk-Ursprung hintergründig nicht verleugnen kann.

Klingt der "Road Zombie"-Instrumental-Opener noch punklastig wie gewohnt, schwenkt man mit "California (Hustle and Flow)" deutlich in Richtung Country & Southern-Rock ab. So wie es für einen richtig bluesschwangeren Song gehört, werden die Gitarren entsprechend getrimmt und mehrstimmige Frauenchöre im Refrain sorgen für Authentizität. Auch wenn zum Ende hin das Tempo angezogen wird, so bleibt es doch noch meilenweit hinter einem flotten Punker.
Als gekonnter Mix aus ursprünglichem Punk und dem neuerdings eingeschlagenen blueslastigen Rock, präsentiert sich "Gimme the Sweet and Lowdown". Dezente flotte Gitarrenriffs sorgen im Hintergrund für eine Basis, auf der sich die Blues-Attribute im Vordergrund austoben dürfen.
"Machine Gun Blues" macht den Titel zum Motto und zeigt eine interessante Kreuzung aus bluesigen Klängen gepaart mit flottem Punk-Rock-Rhythmus. So ganz nebenbei hat er sich auch zu meinen persönlichen Favoriten gesellt.
Sicherlich wird es geschwindigkeitsverliebten Fans etwas schwer verdaulich scheinen, wenn die gemächlich walzende Ballade "Bakersfield" durch die Gehörgänge kriecht. Es ändert jedoch nichts an der handwerklich überzeugenden Leistung - schnörkellos, erdig und vollkommen frei von überzogenem Pathos. Ähnlich arrangiert ist auch das spätere "Writing on the Wall", dass jedoch einen Tick mehr Schmalz für die Ohren im Gepäck hat.
So ganz gemächlich wäre dann aber doch etwas zu viel des Guten und so marschiert "Alone and Forsaken" recht flott voran, verzichtet jedoch auf Aggressivität und übt sich in nachdrücklicher Sanftheit.
Keine Angst, für alle, die nun zunächst etwas enttäuscht vom bisher Gebotenen sind, gibt es mit "Can't take it with you" und der Beteuerung "Still Alive" mit seinem Klavier-Ausklang - ja Social Distortion leben noch und haben sich einen Ausflug gegönnt. Ob ihnen das gereicht hat oder ein Nachschlag nötig ist, wird das nächste Album zeigen.

Fazit: Wer noch immer tief in den 90ern steckt und die alten oder viel mehr die jungen Social Distortion sucht, der wird sie hier nur ansatzweise finden und so manche Erwartungshaltung wird wohl nicht erfüllt. Für stiloffene Rock-Fans versteckt sich hinter HARD TIMES AND NURSERY RHYMES ein exzellentes Album aus der Feder von Mike Ness. Genau so, wie der kürzlich verstorbene Gary Moore in den letzten Jahren das Rockgewand gegen eine Blues-Weste getauscht hatte, machen auch Social Distortion mit ihrer neuen stilistischen Ausrichtung eine gute Figur. Freunde des bluesigen Southern Rock sei das Album wärmstens empfohlen, aber auch die toleranten Fans der ersten Stunden, die sich in der letzten Zeit mit der Entwicklung der Band auseinandergesetzt haben, ist der Neuling nur die konsequente Präsentation der aktuellen Live-Aktivitäten mit genügend altbewährten Tugenden.

Titel-Liste:
 
  1. Road Zombie
  2. California (Hustle and Flow)
  3. Gimme the Sweet and Lowdown
  4. Diamond in the Rough
  5. Machine Gun Blues
  6. Bakersfield
  7. Far Side of Nowhere
  8. Alone and Forsaken
  9. Writing on the Wall
  10. Can't take it with you
  11. Still Alive

Laufzeit:
 46:54 Min.

Band-Infos:
 
  • www.socialdistortion.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Social Distortion: HARD TIMES AND NURSERY RHYMES

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