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Review: Steel Attack
 
CARPE DIEND

Album:
 CARPE DIEND, 2008, Massacre

Stil:
 Progressive Power Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 S.M., 07.06.2008

Review:
 Obwohl Steel Attack bereits fünf Alben veröffentlicht haben - von welchen vor allen Dingen das 2006er-Werk DIABOLIC SYMPHONY in Pressekreisen sehr gute Resonanzen erfuhr - konnten sie bislang nicht so richtig ins Rampenlicht des Power Metal rücken, sondern stehen noch immer im Schatten von anderen skandinavischen Acts wie Hammerfall oder Sonata Arctica.
Was in Steel Attacks Discography besonders auffällt, ist die Tatsache, dass man bei jedem bisherigen Label genau zwei Alben veröffentlichte. Das hier besprochene sechste Werk CARPE DIEND ist nun Nummero zwei aus dem Hause Massacre. Wir dürfen gespannt sein, ob die Zusammenarbeit danach ebenfalls ad acta gelegt wird oder ob mit der "Tradition" gebrochen wird. Noch mehr interessiert aber, ob Steel Attack mit CARPE DIEND endlich mit den führenden skandinavischen Power Metal-Bands gleichziehen können.
Zum Line-Up der Schweden gehören Ronny Hemlin (Gesang), Johan Löfgren (Bass), Peter Morén (Drums) und die beiden Gitarristen John Allen und Simon Johansson.

Das Intro mit demselben Titel wie das Album ist vergleichsweise nichtssagend und glanzlos. Man hätte es einfach ganz weglassen können und sich gleich an die "richtigen" Tracks machen können.
Die ersten beiden Songs "The Evil in me" und "I keep falling" sind hervorragende Beispiele von Steel Attacks Songwriting. Als Gesamtes gehen die Tracks durchaus ins Ohr, doch der Aufbau ist nicht so eingängig konstruiert und zeichnet sich desöfteren auch durch Breaks aus. Es wird mit Variationen beim Gesang experimentiert. Aggressive Vocals sind genauso an der Tagesordnung wie mitreißende Choralpassagen. In instrumentalen Arrangements können sich Gitarristen und Keyboarder auszeichnen.
Bei "Holy is evil", dem wahrscheinlich stärksten Stück des Albums, legen die Schweden noch eins drauf, denn hier wird noch die epische Komponente in die Komposition mit eingebracht. Der aggressive Gesang, der hier natürlich die Rolle des Bösen intoniert, wird noch intensiviert und die Keyboardparts werden pompöser.
"Perpetual Solitude" zeichnet sich dann durch etwas mehr Eingängigkeit und gekonnte Leadsoli aus, während bei "For whom I bleed" ein schleppender, fast doomiger Rhythmus und eine mystische, teilweise an Gothic erinnernde Gesamtstimmung vorherrschen. Sehr stark und passend sind dabei die mehrstimmigen Backing Vocals, die die düstere Atmosphäre noch forcieren.
"Angels" schließt wieder mehr an die ersten Tracks an, hat einen progressiven und vielschichtigen Aufbau und kann aber mit einem gelungenen Höhepunkt glänzen, den Ronny Hemlins Organ gekonnt ausreizt. Auch das romantisch angehauchte Solo ist bemerkenswert.
Romantisch geht es bei "Entrance to Heaven denied" mit einem Streicherintro erstmal weiter, bevor alle Instrumente einsetzen und den Aufbau dynamisieren. Im weiteren Verlauf wechseln sich die druckvollen Abschnitte dann mit ruhigen Passagen ab. Der Refrain bringt mit dem mehrstimmigen Back-Chorus und der Orgeluntermalung wieder eine mystische, sakrale Note mit ein, die sehr gut in das Songkonzept passt.
Ein dynamisches Mainriff und eine Piano-Untermalung bringen bei "Crawl" erstmal eine etwas konträre und verwirrende Atmosphäre mit sich. Der Hörer ist eine Weile nicht ganz sicher, ob sich das Stück nun ruhig oder energetisch entwickeln soll. Irgenwann verbinden Steel Attack die beiden Stimmungen gekonnt miteinander, sodass sich letztendlich doch noch eine Hookline entfaltet, die in den gesanglichen Höhepunkt mündet.
"Never again" ist ein sehr dynamischer Song mit teilweise aggressiven Passagen, bringt ansonsten aber nichts Neues und fällt durch einen schwachen Refrain eher negativ auf.
Da kann das Schlusslicht "Beyond the Light" nochmal besser punkten, weil es neben gekonntem Riffing eine eingängige Hookline und einen starken Refrain beinhaltet. Eigentlich können sich hier alle nochmal auszeichnen: die Instrumentalisten durch verschiedene Intermezzi und Ronny Hemlin durch den gleichermaßen energetischen wie emotionalen Gesang.

Fazit: CARPE DIEND ist eigentlich ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte typisch skandinavischen Power Metal mit eingängigen Melodien und jeder Menge Mitgröhl-Refrains erwartet. Stattdessen enthält CARPE DIEND teilweise recht komplexe und progressive Strukturen, die ein gesteigertes Maß an Konzentration verlangen.
Die Maßnahme, einige Anleihen aus dem extremeren Metal-Bereich mit zu integrieren, unterstützt dieses Konzept und erhöht die schwierige Eingewöhnung. Ich wage sogar zu behaupten, man wird beim ersten Hören nicht so richtig mit dem Album warm. Doch man sollte nicht resignieren und Steel Attacks sechstem Longplayer mehrere Runden im CD-Player gönnen. Es wird zwar auch dann keine Happy Metal-Attitude aufkommen, doch man entdeckt immer mehr kompositorische und virtuose Feinheiten und mitreißende Melodiebögen.
CARPE DIEND strotzt trotz - oder gerade wegen - der Komplexität vor gelungenem Songwriting. Im Grunde hebt sich die Scheibe dadurch auch von der Menge an Veröffentlichungen in dem Genre ab. Abgesehen vom belanglosen Intro und dem vorletzten Track, gibt es keine kompositorischen Schwachpunkte, aber nach mehrmaligen Hören entwickeln sich dafür einige richtige Highlights. Und die musikalische Leistung des Quintetts ist ohnehin einwandfrei.

Anspieltipps:
 "Holy is evil", "Entrance to Heaven denied" und "Beyond the Light".

Tipp:
 CARPE DIEND empfehle ich Leuten, die über den Power-Metal-Tellerrand schauen können und einem komlexeren, tiefgründigeren und progressiveren Gesamtkonstrukt gegenüber nicht abgeneigt sind.

Titel-Liste:
 
  1. Carpe DiEnd
  2. The Evil in me
  3. I keep falling
  4. Holy is evil
  5. Perpetual Solitude
  6. For whom I bleed?
  7. Angels
  8. Entrance to Heaven denied
  9. Crawl
  10. Never again
  11. Beyond the Light

Laufzeit:
 48:30 Min.

Band-Infos:
 
  • www.steelattack.com 


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