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Review: Steel Panther
 
FEEL THE STEEL

Album:
 FEEL THE STEEL, 2009, Universal

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 S.M., 13.01.2010

Review:
 Mitunter geschehen merkwürdige Dinge. Man schaut über die Neuzugänge-Liste der Redaktion, entdeckt einen interessanten Bandnamen, nimmt sich deren Werks rezensierenderweise an und hört schließlich eines der besten Hardrock-Alben des Jahres. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass diese Band eigentlich gar nicht wirklich geilen Hardrock komponieren will, sondern eine geile Hardrock-Parodie auf die Beine stellt - zweimal die Woche in Clubs in Los Angeles mit offensichtlich sehr großem Erfolg. Das Album entstand dabei wohl mehr als ein Nebenprodukt. Dennoch nahm sich ein großes Label wie Universal der ungewöhnlichen Band an, und das auch durchaus mit Recht.
Die Truppe, um die es geht, nennt sich Steel Panther und das Album FEEL THE STEEL. Die Mannen, die sich in dieser Parodie-Band versammelt haben, sind teilweise keine Unbekannten. Sänger Michael Starr kennt man unter seinem richtigen (?) Namen Ralph Saenz von den L.A. Guns. Außerdem singt er in der Van-Halen-Coverband Atomic Punks. Auch Gitarrist "Satchell" spielte als Russ Parrish schon bei Halfords Fight. Zudem entsprangen die Steel Panther aus der Band Metal Skool, die zuvor schon eine ähnliche Show abgezogen haben. Doch nun genug des Gelabers, lasst und den Stahl fühlen!

Der Opener "Death To All But Metal" klingt nicht nur beim Titel ziemlich True, sondern kann auch mit ein paar sehr dynamischen Anleihen beim True Metal punkten. Poserrock im Stile Twisted Sisters meets Manowar kommt mir bei der druckvollen wie flotten Nummer in den Sinn.
"Asian Hooker" fasziniert mich gleich mit lustigen fernöstlichen Einsprenkeln. Musikalisch legen sich Steel Panther da irgendwo in eine breite Lücke zwischen Dokken und den alten NWoBHM-lern Tokyo Blade. Der Song hat eine geniale Hookline und den Mitsing-Höhepunkt des Albums schlechthin. Und das Solo klingt, wie von Meister Malmsteen persönlich gespielt. Dafür, dass die Amis ja im Endeffekt nur eine Parodie sein wollen, haben sie aber ein unglaubliches Händchen für starkes Songwriting.
Beim folgenden "Community Property" ziehen sie eine Verbindung zwischen Skid Row und emotionalen Guns N Roses. Heraus kommt eine mitreißende Powerballade. So einen Song schreibt man auch nicht aus Zufall, da steckt viel Überlegung und Arbeit dahinter.
Die NWoBHM spielt auch bei "Eyes of a Panther" eine Rolle. Erneut kommen mir Gedanken an Tokyo Blade (ich glaube, das liegt am Klang der Leadgitarre) in den Sinn, das ganze mit einer Prise rotzigem Rocksound á la Raven vermischt. Ich kann nicht anders, als ständig diese Vergleiche zu ziehen, da sie von Steel Panther ja irgendwie auch gewollt sind. Nichtsdestotrotz ist bisher jeder Song auch ein Prachtstück seiner Art. Die "Parodisten" schütteln eingängige Melodien und interessante Hooks en Masse aus dem Ärmel.
Ordentlich schmalzig wird es bei "Fat Girl (Thar she blows", einer Ballade die zwischen typisch amerikanischen AOR-Gefilden und einem gefühlvollen Bon-Jovi-Track anzusiedeln ist.
Ein knackiges Riff und hohe Schreie führen den Hörer bei "Eatin' ain't cheatin'" zu den alten US-Hardrock-Helden Van Halen. Dieser Song ist aber sowas von einer guten Parodie. Die Riffs machen Eddie van Halen alle Ehre, und Michael Starr beweist, das er gesanglich hinter Dave Lee Roth nicht zurücksteht.
Sprach ich zwei Songs zuvor von Bon Jovi? Hier kommt nochmal eine Parodie auf den Rock-Schönling. Bei "Party all Day" nehmen sich Steel Panther aber eher seine flotten, rockigen Songs vor und zaubern eine Party-Rock-Nummer, die lange nach ihresgleichen suchen muss. Mir bleibt echt ein bisschen die Spucke weg. So was kann man doch nicht einfach aus Slapstick komponieren! Das geht doch nicht! Das ist einer der besten und stimmungsvollsten Rocker der letzten Jahre. Der gehört sogar im Radio gespielt, damit ihm auch die richtige Anerkennung widerfahren kann. Was für ein klasse Songwriting, auch wenn's zugegebenermaßen ein bisschen zusammengeklaut ist.
Ein kräftiger Sleaze-Rocker ist "Turn out the Lights" und erinnert an Mötley und Konsorten. Auch hier ist die Hook sehr interessant arrangiert mit einem klugen Tempowechsel nach ungefähr der Hälfte des Songs. Danach wird er dynamischer und punktet auch gut. Die Texte, die ja mitunter recht derbe sind, erfahren hier mit Zeilen wie ...suck my dick... und ähnlichem hier ihren Höhepunkt.
"Stripper Girl" ist eine weitere Power-Ballade, die zwar auch sehr intensiv ist, aber nicht zwangsweise hätte sein müssen. Da fährt das etwas Kiss-artige "The Shocker" mit seiner eingängigen Melodie und dem gut erabeiteten Höhepunkt mehr auf meiner Wellenlänge.
Zum Abschluss sind es noch einmal mehr die ruhigen, besinnlicheren Klänge, dieses mal so ein wenig von Mr. Big ausgeliehen, die sich Steel Panther bei "Girl from Oklahoma" als Vorbild genommen haben. Ich finde es ein bisschen schade, dass solch ein Track das Album beendet, da gerade die härteren und rockigen Nummern die ganz großen Hits dieses Werkes sind.

Fazit: Ob Steel Panther nun Parodie-Hardrocker sind oder ernstzunehmende Musiker, ist mir eigentlich egal. Fakt ist, FEEL THE STEEL ist ein absolut gelungenes Hardrock-Album, das zwar nach meinem Befinden mindestens einen ruhigen Song zuviel hat, aber auf jeden Fall keinerlei kompositorische Schwächen aufweist. Ich bin auch nicht sicher, ob Steel Panther zukünftigen Kompositionen eine verstärkte eigene Note geben sollten. Vielleicht geht gerade dann der Charme der Songs verloren. In dem Fall muss man wirklich sagen, lieber gut geklaut (und schlau arrangiert!!!), als schlecht selbst gemacht. Lyrisch geht es auf FEEL THE STEEL oft um das Eine, und das meistens ziemlich deftig. Das gehört natürlich mit zur Parodie. Man sollte die Texte mit einem lachenden Zwinkern sehen und das Hauptaugenmerk auf die musikalische Leistung legen.
FEEL THE STEEL wird die Meinungen zweifelsohne spalten. Manche werden es nur als doofe Farce sehen, die anderen als ein durchgehend gutes Rock-Album. Ich gehöre logischerweise zu den Zweiteren und rate jedem Hardrock-Anhänger zu einer unbedingten Hörprobe. Danach darf man dann die Band je nach Meinung lieben oder hassen. Ich lasse bei meiner hohen Bewertung von 6 Punkten den Umstand, dass sich Steel Panther von renommierten Bands haben ordentlich "inspirieren" lassen, außer Acht. Dies sollten Interessenten bei einer möglichen Kaufentscheidung bedenken.

Anspieltipps:
 "Asian Hooker", "Eyes of a Panther", "Party all Day" und "The Shocker" sind meine Favoriten.

Titel-Liste:
 
  1. Death to all but Metal
  2. Asian Hooker
  3. Community Property
  4. Eyes of a Panther
  5. Fat Girl (Thar she blows)
  6. Eatin' ain't cheatin'
  7. Party all Day
  8. Turn out the Lights
  9. Stripper Girl
  10. The Shocker
  11. Girl from Oklahoma

Laufzeit:
 41:23 Min.

Band-Infos:
 
  • www.steelpantherrocks.com 


  • Probehören und Kaufen:
    Steel Panther: Feel the Steel

     
     
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