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Review: Steelraiser
 
RACE OF STEEL

Album:
 RACE OF STEEL, 2008, Pure Steel

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 S.M., 04.06.2008

Review:
 Soviel Steel habe ich schon lange nicht mehr gelesen - Steelraiser, RACE OF STEEL und sogar das Label Pure Steel. Da dürfte fast klar sein, wohin die musikalische Reise geht: in die guten alten 80er, als der Metal noch ursprünglich, unverfälscht und im wirklichen Sinne old schooled war und Lederkluft, Nieten und Patronengurte zum Standard-Outfit der Bands gehörten.
Dieses Baby der Alten Schule entspringt der Idee des ehemaligen Noble Savage-Sängers Alfonso Giardano, der nach dem Weggang von seiner alten Band recht bald Mitstreiter fand, die seine neuen musikalischen Vorstellungen teilten. In seinem neuen Projekt stehen ihm Gianluca Rossi, der die Gitarre (und zumindest im Studio auch den Bass) bedient und Drummer Rico Rodriguez zur Seite. Nicht fest, aber wohl als Sessionmusiker gehört noch Gianfranco Strano zum Line-Up der Italiener.
Ich bin gespannt, ob Steelraiser den Geist des traditionellen Metal wieder auferstehen lassen können oder einfach nur wie ein ausgelutschter Abklatsch alter Heroen klingen.

Eine Luftschutzsirene und ein knackiges Riff leuten die Scheibe jedenfalls standesgemäß im Stile der NWOBHM ein. Ein einfaches und eingängiges Songkonstrukt führt im Opener "Ride the Fire" geradelinig auf den Refrain zu, der auch direkt ins Ohr geht. Das ist Old School as its best. Auch das Solo ist gelungen.
Genauso geht es im Titeltrack "Race of Steel" weiter. Ein recht simpler Aufbau im Mid-Tempo-Rhythmus und Riffs, die gerade durch die Unkompliziertheit glänzen, steuern die Hookline gekonnt auf den gesanglichen Höhepunkt zu, der besonders punkten kann. Auch das Lick zur Refrainuntermalung ist klasse, erinnert mich an Zeiten von Steeler. Die deutschen Steeler versteht sich - mit Axel Rudi Pell. Hm, irgendwie bin ich jetzt schon wieder beim Wörtchen Steel gelandet!
Aus den Anfangszeiten des True Metal könnte "Dragon Battalion" stammen. Ein deutlich epischeres Konstrukt lässt Erinnerungen an Frühwerke von Manowar auferstehen. Auch die Schlachtenklänge mit aufeinandertreffenden Klingen im Mittelteil passen in die True Metal-Szenerie. Das Gitarrenspiel wirkt wesentlich virtuoser und differenzierter, als in den vorhergenden Tracks und die hymnischen Vocals setzen dem Epik-Track die Krone auf.
"Rising into the Night" ist dann Judas Priest pur. Alfonso Giardanos variabler Gesang holt sich die Inspiration beim Metal God persönlich, und auch der Aufbau und das Riffing zeigen deutliche Einflüsse der härteren Priest-Scheiben á la PAINKILLER. Aber wie auch schon zuvor, ist das Songwriting erste Sahne, Plagiat hin oder her.
Mit Orgeltönen und Wolfsgeheul startet "Princess of Babylon". Es ist der erste Song, den ich in eine etwas spätere Ära stecken würde, so ausgehende 80er/Frühneunziger. Und die Ursprünge des Sounds erinnern mich an teutonischen Metal dieser Zeit, wie Kompositionen von Stormwitch oder Rage. Allerdings ist das Tempo schleppend und die Stimmung recht emotional. Auch das Gitarrenspiel ist melodiöser, geht fast in Richtung Melodic Metal. Erneut gilt es Giardanos Gesang hervorzuheben, der trotz seiner Rauheit mit einem melodischen Timbre die Atmosphäre des Stücks stark rüberbringt.
Mit "Roar of Revenge" geht es deutlich kompromissloser weiter. Leichte thrashige Anleihen und der diesmal wieder hohe Gesang lassen erneut Assoziationen zu harten Judas-Stücken zu. Oder vielleicht noch passender zu Rob Halfords Sideprojekt Fight. Der Refrain ist trotzdem wieder recht eingängig, und das Lead-Solo ist sehr abwechslungsreich und zeigt sich von seiner besten Seite.
Eine balladeske Keyboardeinleitung lässt bei"Gloria perpetua" erst einen ruhigeren Song erwarten. Doch dafür haben Steelraiser offenbar nicht viel übrig, was ich persönlich sehr schätze. Nach dem Intro wird aufs Gaspedal gedrückt und ein Stück nach bester Rage-Manier aus den Boxen geblasen. Giardano wechsel wieder spielend in eine mittlere Tonlage mit rauherem Unterton und ist damit auch gar nicht so weit von Peavy Wagner entfernt.
Dem episch angehauchten US-Metal aus der Eighties-Periode fröhnt "The Night". Es ist schleppend, hymnisch, fast ein wenig pathetisch und lebt vor allen Dingen vom Gesang - von Giardanos ausdruckskräftigem Organ, aber auch von den starken Chorälen. Gianlucca Rossi zeigt sein Können im bis dato besten Lead-Solo des Albums.
Im Grund habe ich schon die ganze Zeit auf einen ordentlichen Thrasher gewartet. "Gears of War" kommt diesem mit aggressiverem Gesang und Riffing und vorantreibender Rhythmusbasis am Nähesten. Das geht zugegebenermaßen ein wenig auf Kosten der bisherigen Eingängigkeit, dennoch intonieren Steelraiser auch diese Stilart überaus gekonnt. Ungewöhnlich ist dabei der Ausklang mit kirchlischen Orgentönen.
Beim Rausschmeißer "Evilīs Rage" kehrt man zu den Einflüssen von Judas Priest/Fight zurück. Trotzdem kann sich hier nur die instrumentale Seite auszeichnen, besonders das Gitarrenspiel. Vom Aufbau, Songwriting und Gesang ist es wohl der schwächste Track. Die Platzierung dieses Stücks am Ende scheint mir deswegen ziemlich ungünstig.

Fazit: Steelraiser bedienen sich umfassend bei den Größen der Früh- und Mittelachtziger, besonders bei den britischen und teutonischen Urgesteinen dieser Zeit. Dabei verhindern sie, durch die ordentliche Durchmischung der Einflüsse, dass sie wie ein Plagiat einer dieser Größen klingen. Vielmehr klingen sie wie ein Konstrukt aus vielen Bands dieser Zeit. Eigenständigkeit ist also nicht unbedingt die Devise der Italiener.
Die Songs zeichnen sich durch Einfachheit aus und können trotzdem fast durchweg zünden und mitreißen, was für ein starkes Songwriting spricht. Die Leistung der Musiker ist einwandfrei, und Bandleader Giardano sticht durch seinen variablen Gesang heraus.
RACE OF STEEL ist sicherlich kein Meilenstein des Heavy Metal, aber die beste "neuzeitliche" Old-School-Scheibe, die ich in letzter Zeit gehört habe. Ich bin gespannt, womit uns Steelraiser beim nächsten mal überraschen werden.

Anspieltipps:
 "Race of Steel", "Dragon Battalion", "Princess of Babylon" und "The Night".

Tipp:
 Wer auch heute von der Epoche des NWOBHM noch nicht genug bekommen kann, sollte sich unbedingt eine Hörprobe gönnen. Insbesondere die Freunde früher Accept-, Grave Digger- und Rage-Alben oder der mittleren Schaffensperiode von Judas Priest könnten an RACE OF STEEL gefallen finden.

Titel-Liste:
 
  1. Ride the Fire
  2. Race of Steel
  3. Dragon Battalion
  4. Rising into the Night
  5. Princess of Babylon
  6. Roar of Revenge
  7. Gloria Perpetua
  8. The Night
  9. Gears of War
  10. Evil's Rage

Laufzeit:
 39:23 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/steelraiser 


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