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Review: Steelwing
 
LORD OF THE WASTELAND

Album:
 LORD OF THE WASTELAND, 2010, Noiseart

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 V.R., 20.01.2011

Review:
 Wer in letzter Zeit mal wieder ein klassisches Heavy Metal-Album Iron Maiden’scher Schule, so ganz ohne modernere Power Metal-Einflüsse, hören wollte, der wird zumeist zwangsläufig auf ein älteres Klassikeralbum zurückgegriffen haben. So viel Neues gab es da nämlich nicht, zumal viele der alten Helden nicht mehr aktiv sind oder sich stilistisch an modernere Strömungen angepasst haben. Auch neuere Bands wie beispielsweise Hammerfall haben nach zwei klassischen Heavy Metal-Scheiben zunehmend Einflüsse aus dem Hard Rock- und dem Power Metal-Bereich in ihre Musik einfließen lassen. Immerhin gab es 2010 aber geniale neue Alben von Accept und Iron Maiden, die für Fans puren Heavy Metals wahrscheinlich Balsam für die Seele waren. Und es gab Steelwing, eine schwedische Newcomer-Band, die auf ihrem Debutalbum LORD OF THE WASTELAND so klingt, als wäre die New Wave of British Heavy Metal noch immer am laufen. Die Iron Maiden-Einflüsse sind an allen Ecken und Enden deutlich herauszuhören und natürlich stellt sich dann die Frage – sind Steelwing talentierte Vertreter der klassischen Metal-Richtung oder nur eine simple Kopie?

Wenn man zum ersten Mal den auf das fetzige Intro namens "Enter the Wasteland" folgenden Opener "Headhunter" hört, wird man wahrscheinlich zu Ersterem tendieren, denn der Song hat alles, was ein klassischer Heavy Metal-Kracher braucht. Flotte Gitarrenriffs, schnelles Drumming, der typische Iron Maiden-Sound und leicht schriller und druckvoller Gesang – alles ist vorhanden, und das durchaus auf hohem Niveau. In Kombination mit dem superben Ohrwurmrefrain handelt es sich also um einen perfekten Einstieg.
Doch gleich der zweite Song namens "Roadkill (or be killed)" ist schon eine Stufe darunter anzusiedeln. Die typischen Zutaten sind zwar auch hier zu finden, doch gelingt es dem Titel nicht richtig, zu fesseln. Wirklich schlecht ist die Nummer zwar nicht, doch irgendwie klingen Steelwing hier leider doch eher nach einer mäßigen Kopie, zumal dem Song die zündenden Melodien fehlen.
Etwas besser, aber auch deutlich zahmer gehen Steelwing bei "Sentinel Hill" zu Werke. Die Geschindigkeit wurde hier ins Midtempo verlagert und generell klingt der Song deutlich mehr nach erdigem Hard Rock als nach Heavy Metal. Aber das muss ja nichts Schlechtes bedeuten und in der Tat klingen Steelwing hier wieder wesentlich überzeugender und wachsen über den Status der reinen Maiden-Kopie hinaus.
Puren Heavy Metal gibt es dann bei "The Illusion" zu hören. Iron Maiden sind als große Vorbilder wieder sofort auszumachen, doch dieser Song ist mehr als eine mäßige Kopie, denn er hat gute Melodien und so etwas wie einen eigenen Geist. Spätestens im Instrumentalpart, in dem sogar orgelhafte Keyboards zum Einsatz kommen, beweist der Titel seine eigene Note.
Richtig genial ist Titel Nummer sechs namens "The Nightwatcher" geworden. Steelwing nehmen hier keine Gefangenen und haben gleich mit dem düsteren Gitarrenintro alle Sympathien auf ihrer Seite. Sehr schön, Steelwing scheinen also auch Diamond Head zu kennen und zu lieben. Auch im weiteren Verlauf des Liedes bleibt der positive Eindruck erhalten, so dass man den Song durchaus als den besten des Albums deklarieren kann. Heavy Metal in Reinkultur ist das, nicht mehr und nicht weniger.
Dass neben Iron Maiden auch Accept zu Steelwings Vorbildern zu gehören scheinen, beweist das staubtrockene "Under the Scavenger Sun". Auch dieser Titel ist von hoher Qualität und geht schnell ins Ohr. Lediglich der Refrain hätte schon etwas zwingender ausfallen können, nein müssen, denn so fehlt dem Titel so etwas wie ein Höhepunkt.
Der nächste Song namens "Point of Singularity" ist dann zwar durchaus gut zum Mähne schütteln geeignet, doch wenn man ihn sich gemütlich zu Hause anhört, wird man das Gefühl nicht los, dass hier etwas fehlt. Trotz ausreichender Härte, ordentlicher Geschwindigkeit und typischer Maiden-Attitüde plätschert der Song irgendwie dahin, so dass er leicht der Skip-Taste zum Opfer fallen kann.
Von einem ganz anderen Kaliber ist dann aber glücklicherweise der letzte Titel, der den Namen "Clash of the two Tribes" trägt. Hier spielen Steelwing noch einmal alle ihre Stärken aus und bieten uns einen fetzigen Heavy Metal-Song mit guten Melodien und flotten Riffs. Somit handelt es sich um einen sehr guten Abschluss eines insgesamt mindestens überdurchschnittlichen, wenn nicht sogar sehr guten Albums.

Fazit: Nicht schlecht, Herr Specht. Steelwing agieren auf ihrem Debutalbum sehr dicht an ihren musikalischen Vorbildern, die da in erster Linie Iron Maiden und in zweiter Linie Accept heißen. Hier wird Heavy Metal in Reinkultur mit einem kurzen Ausflug zu den Hard Rock-Wurzeln geboten. Ruhige Songs oder gar Balladen gibt es hier nicht zu hören, die wären auf diesem Album aber auch eher fehl am Platze. Zur Frage, ob Steelwing eine eigene Note besitzen oder nur Ideenklau betreiben, kann die Antwort nur ‚beides’ lauten. Die meisten Titel des Albums sind durchaus geistreich und strotzen vor eigenen Ideen, doch leider haben sich auch drei Titel dazwischengemischt, die über den Status einer mittelmässigen bis schwachen Kopie nicht hinauskommen. Und das ist bei acht Songs, wenn man das Intro mal nicht mitrechnet, doch fast die Hälfte des Albums. Doch zu streng sollte man auch nicht sein, denn immerhin handelt es sich hier um ein Debutalbum und außerdem sind die restlichen fünf Songs über jeden Zweifel erhaben und beweisen, dass man auch im zweiten Jahrzehnt des noch jungen Jahrtausends noch reinrassigen 80er Jahre-Heavy Metal fabrizieren kann, der alles andere als abgehalftert oder ausgelutscht klingt. Insofern kann man sich auf weitere Alben dieser jungen Band freuen.

Anspieltipps:
 "Headhunter", "Sentinel Hill", "The Illusion", "The Nightwatcher", "Clash of the two Tribes".

Tipp:
 Wer klassischen Heavy Metal liebt, der sollte in das Album dringend mal reinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Enter the Wasteland
  2. Headhunter
  3. Roadkill (or be killed)
  4. Sentinel Hill
  5. The Illusion
  6. The Nightwatcher
  7. Under the Scavenger Sun
  8. Point of Singularity
  9. Clash of the two Tribes

Laufzeit:
 47:48 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/steelwing 

  • Probehören und Kaufen:
    Steelwing: LORD OF THE WASTELAND

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