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Review: The Stooges
 
FUN HOUSE

Album:
 FUN HOUSE, 1970/2005, Rhino

Stil:
 Punk Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.A., 28.01.2012

Review:
 Die im Oktober 1967 in Michigan von James Newell Osterberg (besser bekannt unter seinem Künstlernamen Iggy Pop) und dem Brüderpaar Ron (Guitar) und Scott Asheton (Drums) gegründete Band The Psychedelic Stooges feierte ihr Livedebüt anlässlich einer Party am 31.10.1967, also an Halloween. Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Im Dezember desselben Jahres wurde die in der Zwischenzeit in Iggy and The Stooges umbenannte Band durch den Bassisten Dave Alexander vervollständigt. Der "aggressiv-monotone Stimmungsschwall" (Sounds) wurde Ende der 70er Jahre als Urknall der Punkmusik bezeichnet.

Trotz der bescheidenen musikalischen Fähigkeiten aller Beteiligten gelang es den Stooges 1969 einen Plattenvertrag zu ergattern und im gleichen Jahr ihr in vier Tagen produziertes Debütalbum THE STOOGES auf den Markt zu werfen. Die exaltierten und verstörenden Bühnenshows, in deren Verlauf sich Frontmann Iggy – dicht bis in die Haarspitzen – ein ums andere Mal den nackten Oberkörper mit Glasscherben zerschnitt (wovon sein vernarbter Körper auch heutzutage noch Zeugnis ablegen kann), täuschten über musikalische Mängel hinweg und machten die Stooges so zu einer berühmt-berüchtigten Live-Attraktion. Die Drogensucht hatte die Band, allen voran natürlich den Frontmann, in der Folgezeit fest im Griff. Umso erstaunlicher ist es, dass den Stooges mit dem zweiten Werk FUN HOUSE ein derart grandioses Album gelungen ist, das neben gereiftem Songwriting vor allem auch durch die spielerische Weiterentwicklung der Musiker überraschte.

Der treibende, bassbetonte Beat, die harten Gitarrenattacken und der keifende Gesang von "Down in the Street" machen dem Hörer gleich zu Beginn des Albums klar, wohin die Reise geht. Dynamischer, aggressiver Rock mit gelegentlicher Verneigung vor Iggy’s großen Helden, den Doors.
Der simple Riffer "Loose" beweist im Anschluss, dass musikalische Limitiertheit durchaus ihren Reiz haben kann, vor allem, wenn sie mit einer solchen Rotzigkeit präsentiert wird, wie das eben hier der Fall ist.
Mit der eingängigen Akkordfolge und dem groovenden Basslauf von "T.V. Eye" erreichen die Stooges dann zum ersten Fall die optimale Betriebstemperatur. Die Dynamik und Aggressivität des Songs reißen den Hörer einfach mit. Was nun folgt, ist eine überdeutliche Verbeugung vor den Doors und der absolute Höhepunkt von FUN HOUSE.
Die sofort ins Ohr gehende Basslinie, der schleppende Rhythmus und die psychedelischen Gitarren zeichnen "Dirt" aus, wobei hier vor allem Iggy Pop zur Höchstform aufläuft.
Weiter geht es mit dem punkigen "1970", das zwar mit den bisherigen Songs nicht ganz mithalten kann, aber nichtsdestotrotz seine Daseinsberechtigung besitzt.
Ihrer Zeit um Jahre voraus präsentieren sich die Stooges dann auf dem Titelstück "Fun House", einem erstklassigen Groove-Rock-Song, der durch den innovativen sowie geschmackvollen Einsatz eines Saxophons positiv überrascht.
Die Scheibe endet schließlich mit der Lärmorgie "L.A.Blues", die mit Blues so gar nichts gemein hat, sondern eher atonale, freejazzige Kakophonie ist.

Zusammenfassend bleibt daher nur zu sagen, dass FUN HOUSE einen unverzichtbaren Meilenstein der Rockmusik darstellt, der in keiner Sammlung fehlen sollte. Zu Lebzeiten sträflich verkannt, heutzutage Kult. Und dies meiner Meinung nach völlig zu Recht!

Fazit: FUN HOUSE war die zweite und - meiner bescheidenen Meinung nach - auch beste, weil ausgereifteste Platte der legendären Stooges, die bereits Punk spielten, bevor dieses Genre überhaupt einen Namen hatte. Sie können daher mit Fug und Recht den Titel "Godfathers of Punk" für sich in Anspruch nehmen. Auch die hinlänglich bekannten "The-Bands" (The Strokes, The White Stripes, The Libertines, The Hives etc.), die Anfang des neuen Jahrtausends als die großen Hoffnungsträger der Rockmusik bezeichnet wurden, haben nichts anderes gemacht, als die musikalische Ernte dessen einzufahren, was die Stooges gut 30 Jahre zuvor gesät hatten. Wenn also die vorgenannten Gruppen die Essenz des 60’er/70’er-Jahre-Garagensounds darstellen, ist FUN HOUSE die Urschrift!

Anspieltipps:
 “Down on the Street”, “T.V. Eye”, “Dirt”, “Fun House”.

Titel-Liste:
 
  1. Down on the Street
  2. Loose
  3. T.V. Eye
  4. Dirt
  5. 1970
  6. Fun House
  7. L.A. Blues

Laufzeit:
 36:42 Min.

Band-Infos:
 
  • www.iggyandthestoogesmusic.com 

  • Probehören und Kaufen:
    The Stooges: FUN HOUSE

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