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Review: Sturm und Drang |
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Album:
| | LEARNING TO ROCK, 2007, GUN |
Stil:
Wertung:
| |  5,5 von 7 Punkten | | J.G., 16.09.2007 |
Review:
| | Das waren noch Zeiten, als Schiller und Goethe die Welt mit ihrem Gedankengut nachhaltig beeinflussten und auch aus dieser Zeit stammt die Kunstepoche "Sturm und Drang", die mit bis dato herrschenden Vorstellungen einfach gebrochen hatte.
Es geschieht vielleicht nur einmal in zehn Jahren, aber genau so verhält es sich mit die Jungspunden aus Finnland, die mit etwas professioneller Hilfe in nur wenigen Jahren das geschafft haben, wovon manch andere Bands ihr Leben lang nur träumen können, ein frisches und druckvolles Rock-Album mit allem was dazu gehört.
Allen Unkenrufen zum Trotz haben sie sich angesichts ihrer jungen Jahre nicht zum gewinnbringenden Pop-Geschäft überreden lassen. Entgegen dem Trend schneller Erfolge mit Profi-Manager und einer Band zu erzielen, die nicht organisch gewachsen ist, sondern per Casting-Show und Zuschauer-Votum vor laufender Kamera zusammengeschustern wurde, haben sich die Jungs für eine Laufbahn im Rock- und Metal-Business entschieden.
Um es vorweg zu nehmen, habe ich um die Zukunft meiner liebgewonnenen Musikrichtung keine Angst, wenn dem Sturm und Drang weiterer Nachwuchs folgen sollte.
Trotz unüberhörbarer Vorbilder wie Sonata Arctica, Hammerfall und auch Stratovarius (zu ihren besten Zeiten), schaffen es Sturm und Drang dem Ganzen in gewissen Grenzen einen eigenen Stempel aufzudrücken.
Und es ist auch gerade die Leichtigkeit und jugendliche Unbekümmertheit der Finnen, die über die eine oder andere Anleihe hinweg sehen lassen. Ohne große Bedenken wird in den verschiedensten Genres gewildert und mit nahezu schlafwandlerischer Sicherheit jedes Rock- und Metal-Klischee bedient.
Warum auch nicht? Immerhin gelang es damals den Schweden von Hammerfall mit diesen Mitteln Weltruhm zu erlangen. Klar darf man sich nicht auf dieses Erfolgsrezept verlassen, denn das gleiche gelang den Deutschen von Wizard, trotz technisch vergleichbarer Qualitäten, nicht.
Wir beginnen mit dem Hammerfall-artigen True-Metal Song "Broken", der schon als Opener zeigt, was wir in den nächsten 40 Minuten erwarten dürfen. Jungendliche Energie und Spielfreude, Tribute an Vorbilder und Größen des Genres und einen unverbrauchten Frontmann, dem man anmerkt, dass bisher glücklicherweise noch wenig Whiskey und Nicotin seine Stimmbänder gegerbt haben.
Mit "Talking to Silence" versucht man auf den Spuren von Scorpins zu wandeln und kann ebenfalls punkten. Klar fehlt die Raffinesse eines Schenkern und die Ausdruckskraft eines Meine, aber dafür handelt es sich auch um das Debüt einer "Jugendband".
Und auch bei "Forever" geht gehörig die Post ab. Ähnlich wie es Stratovarius zu ihrer besten Zeit zelebrierten, beherrschen fette (ok, halbfette) Chöre den Refrain und melodische Hooklines schaffen es sofort den Gehörgängen zu schmeicheln.
Über Mangel an Anwechslung kann man bisher nicht klagen und für jeden Rock- und Metal-Fan stellt diese Scheibe ein richtige Herausforderung dar. Welchem Vorbild werden sie wohl beim nächsten Song die Treue halten? Bei "Rising Son" bewegen wir uns im Fahrwasser von Rock-Legende Dio, dem man hier unverkennbar und durchaus originell versucht, nachzueifern. Aber auch den Ingolstädtern von Bonfire scheint man beim Riffing etwas auf die Finger geschaut zu haben.
Für "The Raven" besinnt man sich wieder mehr auf skandinavische Wurzeln und schwenkt die Flagge für Sonata Arctica oder auch Stratovarius.
Vielleicht noch etwas zu früh versucht sich diesmal Frontmann André Linman mit der Ballade "Indian" an typischen Scorpions-Themen. Hier treten die stimmlichen Grenzen noch deutlich zu Tage und auch der Schmalzfaktor hätte nicht unbedingt die 100%-Marke überschreiten müssen. Zu schnell könnte man ausrutschen und sich verletzen.
"Learning to Rock" in mehrfacher Hinsicht ein gelungener Titelsong, erzählt man doch, wie man den "Rock" erlernen möchte und (vielleicht nicht nur) stimmlich immer höher hinaus möchte. Die True-Metal-Hymne macht auch musikalische jede Menge Spaß.
So richtig in die guten alten 80er der Bonfire-Ära katapultiert den Zuhörer "Mortals", der sofort zum Mitnicken einlädt und schon nach wenigen Momenten mitgegröhlt werden kann.
Zum Abschluss wird mit "Misera" nochmals eine Ballade zum Besten gegeben, die jedoch mit den gleichen Einschänkungen kämpfen muss, wie ihre Vorgängerin "Indian", zu dünnes Stimmchen und zu viel Schmalz.
Fazit: Nach dem gelungenen Einstand wird es für die jungen Finnen jedoch nicht gerade einfacher. Einerseits sind die Erwartungen hoch gesteckt und der gerade herrschende Hype kann schnell ins Gegenteil umschlagen, denn was lieben Presseleute mehr als Skandale und Flops.
Andererseits kann aus ihnen noch eine richtige große Metalband werden, wenn sie sich jetzt nicht vorschnell von der Presse und den Fans zerlegen lassen, sondern sich eventuell mit professioneller Hilfe aus der Szene auf ihre musikalische Entwicklung konzentrieren. Die Plattensammlung mit potenziellen Vorbildern war in jedem Fall schon einmal aller erste Klasse. Jetzt gilt es abwarten und zu hoffen, dass es frühzeitig gelingt, einen etwas eigenständigeren Stil auszuprägen. |
Tipp:
| | Prima Scheibe für alle Rock- und Metal-Fans, die manchmal auch etwas unverbrauchtere Kost konsumieren. Und wer Lust hat, der darf in den Songs noch gerne nach weiteren Vorbildern suchen. Ich verrate nichts. |
Titel-Liste:
| | - Broken
- Talking to Silence
- Forever
- Rising Son
- The Raven
- Indian
- Learning to Rock
- Fly away
- Mortals
- Misera
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.sturmunddrang.tv  |
Empfehlen:
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Bandinfos |
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