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Review: Symfonia
 
IN PARADISUM

Album:
 IN PARADISUM, 2011, Edel

Stil:
 Melodic Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 V.R., 10.05.2011

Review:
 Schon lange nicht mehr ein derart kitschiges und überladenes Plattencover gesehen wie im Falle des DebÜtwerks IN PARADISUM von Symfonia. Alleine der Bandname könnte schon schlimme Befürchtungen auslösen, und im Zusammenhang mit diesem Cover entsteht vor dem inneren Auge schon ein Bild von extrem kitschigen, drucklosen und mit Synthies zugekleistertem Bombastmetal. Doch schon die Besetzungsliste dieser "Metal-Supergruppe" lässt derartige Ängste in Windeseile verfliegen. Denn eine Band, in welcher Andre Matos auf Uli Kusch und Timo Tolkki trifft, wird dem Hörer wohl kaum drucklosen Möchtegernmetal vorsetzen. Um den Spekulationen über die Qualität des Debutwerks dann auch ein Ende zu setzen, sollten jetzt lieber die zehn Lieder des Albums für sich sprechen dürfen. Kommen wir also zur klassischen Songbewertung.

Der Opener "Fields of Avalon" erinnert erst mal sehr stark an diverse Melodic Speed-Kracher von Stratovarius, was ja auch kein Wunder ist, da Timo Tolkki, welcher auch schon die meisten Stratovarius-Titel komponierte, bei Symfonia die treibende Kraft in Sachen Songwriting ist. Insgesamt kann man den Song durchaus als halbwegs gelungenen Einstieg ins Album bezeichnen, doch nach mehrfachem Hören klingt das einfach zu sehr nach Standardkost. Immerhin kann Andre Matos’ routiniertes Gesangsorgan die nötigen eigenen Akzente setzen.
"Come by the Hills" kommt zwar ebenfalls recht gewöhnlich daher, ist qualitativ aber dennoch mindestens eine Stufe höher einzuordnen als der Opener, da der Refrain echtes Ohrwurmpotential besitzt und schon nach kurzer Zeit zum Mitsingen anregt.
Mit einem richtigen Powerriff startet "Santiago", der nächste Titel des Albums. Während der Härtepegel hier dezent nach oben geschraubt wurde, wurde der Keyboardeinsatz logischerweise etwas zurückgefahren. Zu einem echten Highlight entwickelt sich der Titel neben besagten Gitarrenriffs aber besonders durch den wunderschönen Refrain, welcher sich sofort im Ohr festsetzen kann.
Zeit für eine kleine Verschnaufpause, denn mit "Alanya" folgt die erste von zwei obligatorischen Balladen. Musikalisch bietet der ruhige Titel zwar eher Standardkost, doch die melancholische Aura und Andre Matos’ einfühlsamer Gesang verleihen ihm dann doch noch ein paar Sympathiepunkte.
Danach fahren Symfonia das Härte- und Geschwindigkeitslevel wieder in die gewohnten Bereiche hoch. "Forevermore" ist wieder einer dieser Melodic Speed-Songs, wie man sie von Bands wie Stratovarius einfach schon zu oft zu hören bekam, als dass sie noch große Begeisterungsstürme auslösen könnten. Wirklich schwach ist der Titel zwar nicht, doch sind Songaufbau und Melodiegestaltung einfach zu sehr auf Standardlevel, so dass am Ende nur Durchschnitt dabei rauskommt.
Für ordentlich Abwechslung sorgt der "Pilgrim Road" betitelte nächste Song. Schon das folkloreartige Intro klingt wirklich überraschend und auch im weiteren Verlauf setzen Symfonia mit getragenen Melodien und etwas heruntergefahrenem Härte- und Tempolevel genügend eigene Akzente. Alles in allem haben wir es hier mit dem stärksten Titel der Platte zu tun.
Und ähnlich abwechslungsreich geht es weiter, denn auch der Titelsong "In Paradisum" will so gar nicht in die typische Melodic Metal-Schublade passen. Hier vermischen Symfonia balladeske Elemente mit chorunterlegtem Symphonic Metal und liefern damit ein weiteres Highlight ab, welches trotz einer stattlichen Länge von über neun Minuten überhaupt nicht langatmig daherkommt.
Und Symfonia denken gar nicht daran, nach diesen beiden sehr starken Nummern einen schwachen Titel hinterherzuschieben. Auch das leicht rockige "Rhapsody in Black" ist sehr stark geworden und weiß mit seinen leicht melancholischen Melodien voll und ganz zu überzeugen.
Nach so viel Abwechslung wird es dann auch langsam wirklich mal wieder Zeit für einen weiteren Song im gewohnten Melodic Metal-Sound. Und "I walk in Neon" ist da gar nicht mal die schlechteste Wahl, denn der Song ist ein ganzes Stück besser als die stilistisch ähnlich gelagerten Titel zu Beginn des Albums. Die Melodien klingen hier richtig frisch und auch der Songaufbau ist fast schon als kreativ zu bezeichnen.
Der letzte Titel des Albums ist dann Quotenballade Nummer zwei. Das überaus traurige "Don’t let me go" ist dann auch gleich ein ganzes Stück besser ausgefallen als der erste ruhige Titel und überrascht sogar mit dezenten Rhythmusspielereien, die in diesem Fall tatsächlich positiv ins Gewicht fallen. Das Gefühl der Trauer wirkt hier nicht aufgesetzt, sondern authentisch und damit endet an dieser Stelle ein Album, welches zumindest in der zweiten Hälfte sehr stark ausgefallen ist, auf extrem hohen Niveau.

Fazit: Lass dich nicht vom Äußeren täuschen – hinter der extrem bunten, kitschig gestalteten Coverfassade des Symfonia-Debutalbums verbirgt sich eine durchaus gelungene, stellenweise sogar recht abwechslungsreiche Melodic Metal-Scheibe. Derart hochwertig, wie man sich das Album angesichts der Bandbesetzung erhofft hätte, ist In Paradisum qualitativ dann aber auch wieder nicht geworden. Gerade unter die ersten Songs der Platte haben sich nämlich einige arg durchschnittliche Lieder gemischt, während Symfonia ab Lied Nummer sechs dann doch noch alle Register ihres Könnens ziehen und Volltreffer an Volltreffer reihen. Wäre das gesamte Album derart stark wie die letzten fünf Lieder, dann wäre diese Scheibe der erhoffte große Wurf geworden, den man angesichts der großen Namen erwartet hätte. So ist es eben leider „nur“ eine stark überdurchschnittliche Melodic Metal-Scheibe mit einigen sehr interessanten und abwechslungsreichen Kompositionen in der zweiten Albenhälfte geworden.

Anspieltipps:
 "Santiago", "Pilgrim Road", "In Paradisum", "Rhapsody in Black", "Don’t let me go".

Tipp:
 Wer die Exbands der einzelnen Mitglieder schon sehr gerne mochte, der kann auch bei Symfonia zugreifen. Will heißen: Helloween-, Stratovarius- und Angra-Fans, dürfen, nein, sollten hier unbedingt mal reinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Fields of Avalon
  2. Come by the Hills
  3. Santiago
  4. Alayna
  5. Forevermore
  6. Pilgrim Road
  7. In Paradisum
  8. Rhapsody in Black
  9. I Walk in Neon
  10. Don't let me go

Laufzeit:
 55:24 Min.

Band-Infos:
 
  • www.symfonia.fi 

  • Probehören und Kaufen:
    Symfonia: IN PARADISUM

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