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Review: Tad Morose
 
MODUS VIVENDI

Album:
 MODUS VIVENDI, 2003, Century Media

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 03.02.2008

Review:
 Als ich vor wenigen Tagen mal wieder im CD Shop nach Silberlingen Ausschau hielt, wurde ich von einer attraktiven und wie sich herausstellte, erstaunlich fachkundigen Verkäuferin angesprochen, die mir ihre Hilfe anbot. Ich teilte ihr mit, ich sei auf der Suche nach einer Power Metal Scheibe mit einer gehörigen Portion Härte, gescheiten Vocals, krachenden Drums, deftigen Gitarrenriffs, melodisch und eingängigen Songs und wenn es geht einem ansprechenden Cover Artwork. "Das sind aber viele Wünsche" entfuhr es der jungen Dame. Nachdem ich ihr gesagt hatte, bei nur drei Wünschen hätte ich mir direkt ein Schoko Überraschungsei gekauft, sind wir dann doch noch fündig geworden. Die MODUS VIVENDI von Tad Morose brachte alle Kriterien unter einen Hut. Natürlich habe ich mich höflich bedankt, konnte mir aber einen Hinweis auf das (aus meiner Sicht) geschäftsschädigende Poster der musikalisch unterbelichteten Blindgänger Tokio Hotel, was hinter ihr an der Wand hing, nicht verkneifen, was mir einen tadelnden Blick ihrer katzengrünen Augen einbrachte.

Die beiden Alben A MENDED RHYME und ein frühes Best Of genannt REFLECTIONS stehen bei mir schon im Regal so dass ich da einen Vergleich ziehen kann. MODUS VIVENDI ist spürbar härter als die älteren Scheiben. An Eingängigkeit haben die Songs bei dem gesteigerten Härtegrad zwar eine Spur verloren, machen dies aber durch noch reiferes Songwriting wett. Von der technischen Seite ist ohnehin wie früher alles im grünen Bereich. Geboten wird harter US Power Metal mit leicht progressiven Einflüssen. Den Weg den man mit dem Vorgänger MATTERS OF THE DARK eingeschlagen hat wird konsequent fortgesetzt, insgesamt erscheint mir aber das Ganze etwas rauer, bissiger und noch druckvoller.

"Anubis" nennt sich der Opener. Das hier keine neue Fastfood Kette sondern der ägyptische Gott Gegenstand des Songs ist dürfte, Stargate sei Dank, allen klar sein. Passend zum Titel klingt der Song an vielen Stellen orientalisch. Mächtige Riffs lassen die Nummer Midtempo dahin stampfen, unterstützt durch die Rhythmusinstrumente. Toll die Vocals von Urban Breed. Zum Glück ist die Stimme nicht nur variabel sondern auch kräftig ansonsten würden die Vocals hoffnungslos untergehen im Soundorkan.
"No Mercy" lässt vom Namen Aggressivität erwarten und in der Richtung wird man dann auch reichlich bedient. Anfangs etwas schneller wird das Tempo später etwas reduziert. Die Riffs sind schiere Power. Die Vocals sind teils mehrstimmig eingesungen. Hier holte man sich als Verstärkung den Frontmann von Wolverine Stefan Zell. Drums und Bass sind hier weniger im Vordergrund als üblich im Power Metal aber dennoch ständig präsent. Ein kurzes Gitarrensolo ansonsten sind alle Instrumente gleichberechtigt und songdienlich, niemand spielt sich in den Vordergrund.
"Afraid to die" rollt wie ein Sherman Firefly über das Schlachtfeld. Düster und unbarmherzig walzt man alles nieder. Durch den superben mehrstimmigen Refrain gerät der Song doch nicht zu brachial und bei aller Kraft ist er immer noch ausgesprochen melodisch. Die Vocals erinnern hier manchmal an den von mir geschätzten Henning Basse von Metalium, nicht ganz so hoch aber ähnlich klar und souverän. Die prima Einlage der beiden Gitarren soll hier nicht unerwähnt bleiben.
Das Gerücht "Clearly insane" sei unserem lebenden Bundestrojaner Minister Schäuble gewidmet, kann ich nicht bestätigen. Was ich hingegen gern unterstreiche ist die Tatsache, dass Tad Morose erneut eine kraftstrotzende Nummer abliefern. Double Bass befeuert prescht man über den Musik Highway. Nur Halbzeit starten die Twingitarren zur Attacke und verleihen dem Song einen freundlicheren Anstrich nach dem etwas doomigen Start.
Mit "Cyberdome" reist die Kette der heftigen aber melodischen Powernummern nicht ab. Anfangs mit Mörderriffing und Kraft ohne Ende gibt sich das Stück zwischenzeitig fast balladesk. Gekonnt werden Tempo und Rhythmus variiert, die Vocals sind von besonderer Güte und betonen die schöne Melodie. Nach einem Gitarrensolo knüpft man mit den Riffs an den Anfang an, bevor alles ganz langsam ausklingt.
Mit "Take on the World" setzt sich die Fahrt des Power Metal Zugs fort. Kraft, Melodie und Gitarren die einen wegblasen wie ein Blatt im Sturmwind lassen den Hörer nicht zur Ruhe kommen. Wie variabel die Stimme von Frontmann Breed ist hört man hier deutlich. Sogar einige Growls streut er ein. Die Intensität lässt wirklich keine Wünsche offen. Das gilt auch für die Gitarren. Nach einem obligatorischen Solo der Saiteninstrumente bildet eine kurze Einlage eines Pianos den Schluss.
"Mother Shipton`s Words" bedeutet für die Rhythmusfraktion Schwerstarbeit. Die Gitarren klingen ziemlich thrashig. Die Vocals legen passend zu den Instrumenten an Aggression zu. Der Refrain ist teils gesungen teils geshoutet. Was für ein Angriff auf die Gehörgänge. So langsam schenke ich die weiße Fahne. Unfassbar welche Dynamik sich hier entfaltet. Ein Sticker auf dem Case, dass diese Musik für Leute mit Herzschrittmacher völlig ungeeignet ist fehlt leider.
Nein Tad Morose kennen keine Gnade. "Unwelcome Guest" heizt schon wieder ein wie ein Hochofen. Zuerst hört man Geräusche die aus dem Film Predator (Arni lässt grüßen) stammen sollen, wie meine Recherche ergab. Die Drums sind noch heftiger als zuvor und wummern gewaltig. Die Gitarrensoli lassen dann auch noch den letzten Rest Putz von der Wand rieseln.
Mit klassischen Klängen wird "Life in a lonely Grave" eingeläutet bevor die Killerriffs die Nadel auf der Powerskala in den roten Bereich treiben. Langsamer als die Songs zuvor und mit leichtem Doomanstrich präsentiert sich Tad Morose hier von der epischen Seite. Die mehr als sieben minütige Nummer ist ein gutes Beispiel wie vorzüglich das Zusammenspiel aller Musiker funktioniert.
Den Abschluss bildet "When the Spirits rules the World". Ähnlich wie bei "Anubis" sind hier orientalische Klänge mit dabei die vor allem durch die Gitarren übermittelt werden, ungewohnt aber durchaus interessant. Der Chorus ist wie so oft ein Highlight und überaus melodisch.

Fazit: Kraftvoll ohne Zuckerguss und Weichspüler, eigenständig, ehrlich und ungekünselt blasen Tad Morose einem die Gehörgänge frei. Ohne schwülstige Beilagen gibt es traditionellen Power Metal. Das Quintett aus Bollnäs in Schweden beschränkt sich auf das Wesentliche, Instrumentalisierung und Gesang sind meilenweit über dem Durchschnitt. Feuer, Schwert und Drachen Gedöns sucht an hier vergebens. Fasten Your Seat Belts möchte ich dem Hörer dieser Silberscheibe noch mit auf den Weg geben und gut festhalten, sonst wird man aus der Kurve getragen. In der Schule war ich zwar eine Niete im Latein, aber bei dieser Mucke mit einer 10 auf der Richterskala verzeihe ich den Schweden sogar den lateinischen Albumtitel.

Anspieltipps:
 "Anubis", "Cyberdome", "Unwelcome Guests", "Live in a lonely Grave"

Tipp:
 Anhänger von Iced Earth, oder Jag Panzer sollten sich unbedingt mit dieser Scheibe beschäftigen. Der Spagat zwischen Härte und überzeugenden Melodien gelingt nur ganz wenigen Bands, Zandelle fallen mir da noch spontan ein.
Und sollten einmal die Schwiegereltern zu Besuch sein und scheinbar am Sofa festgewachsen, so ist es garantiert keine schlechte Idee den Kreislauf der Herschafften mit "Unwelcome Guests" anzukurbeln. Bei gesteigerter Lautstärke werden die Gehirnzellen so gut durchblutet, dass ihnen garantiert einfällt, was sie noch alles zu erledigen haben. Trautes Heim- Glück.

Titel-Liste:
 
  1. Anubis
  2. No Mercy
  3. Afraid to die
  4. Clearly insane
  5. Cyberdome
  6. Take on the World
  7. Mother Shipden`s Words
  8. Unwelcome Guests
  9. Life in a lonely Grave
  10. When the Spirit rules the World

Laufzeit:
 46:57 Min.


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