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Review: Serj Tankian |
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Album:
| | ELECT THE DEAD, 2007, Reprise |
Stil:
| | Alternative Rock, Experimental Rock, Nu Metal |
Wertung:
| |  7 von 7 Punkten | | M.K., 26.10.2007 |
Review:
| | Während seine Hauptband namens System of a Down derzeit eine Pause einlegt, will Serj Tankian vom Füße hochlegen nichts wissen: Der armenischstämmige Frontmann des Nu Metal-Quartetts wagt sich mit ELECT THE DEAD an sein erstes Solowerk, für das er fast alle Instrumente selbst einspielte. Doch auch ein paar Gäste wie SOAD-Drummer John Dolmayan oder Ex-Guns'n'Roses-Schlagwerker Bryan "Brain" Mantia durften die Toten wählen.
Mit dem Opener namens "Empty Walls", welches als zweite Single ausgekoppelt wurde, geht es direkt richtig zur Sache. Ein punkig angehauchter Nu Metal-Riff wird von Synthesizern unterstützt, die Drums treiben den Song wunderbar nach vorne. Funktioniert in der ersten Sekunde. Überraschend folgt danach ein ruhiger Teil und Serj Tankian singt die recht langsame, erste Strophe. Der Refrain zieht das Tempo weiter an, Tankian macht hier keine Gefangenen und überzeugt mit einer Ohrwurmgesangslinie. Dieses Spielchen wiederholt sich ncoh einmal, man muss quasi mit dem Kopf mitwippen. Das Tempo wird kontinuierlich weiter aufgebaut und mündet in einen langsamen Part, in dem Streicher (unter ihnen der gerade einmal sechszehn Jahre alte Antonio Pontarelli) eine ruhige Atmosphäre schaffen. Diese wird jedoch mit dem treibenden Drums zunichte gemacht, wilde Riffs erzeugen ein wahres Gewitter und lassen den Song abrupt hinter sich. Guter Einstand.
Noch eine Spur härter und schneller geht es im nachfolgenden "The Unthinking Majority" zur Sache. Die Snare wird hier verprügelt als hätte sie Tankian beschimpft, dieser schreit sich währenddessen die Seele aus dem Leib. Wieder ist die nachfolgende Strophe um einiges ruhiger und atmosphärischer, mit dem harten Refrain wird dieses jedoch überraschend unterbrochen. "The Unthinking Majority" war die Vorabsingle des Albums und kam beim aufs Album wartenden Publikum sehr gut an. Erinnert an einige System Of A Down-Songs und gehört ohne Frage aufgrund des explosiven und abwechslungsreichen Songwritings und den sehr guten Lyrics zu den Glanzlichtern auf ELECT THE DEAD.
Mit "Money" folgt der dritte Song, welcher mit einer schnell gespielten Klaviermelodie beginnt, sich jedoch als Mid-Tempo-Rocker herausstellt. Zumindest die ersten dreißig Sekunden, denn dann geht es TOXICITY-mäßig abrupt mit knallharten Riffs und geschrieenen Vocals weiter. Doch die gefühlvoll gesungene Strophe mit ruhigen Gitarrenmelodien setzt sich durch. Die Bridge wird mehrstimmig vorgetragen und setzt sich im Ohr fest, wird jedoch durch den eingangs erwähnten, heftigeren Part als Refrain abgelöst. Der Rest des Songs verläuft in geordneten, ruhigeren Bahnen, zumindest bis kurz vor Schluss. Schöner Song, der zwischen gefühlvoll und wütend pendelt.
Mit einer akustischen Gitarre beginnt das nachfolgende "Feed us". Diese wird jedoch von schweren Riffs abgelöst, die den Song so richtig einleiten. Doch ruhige Gitarrenparts und Serj' typischer Klargesang kommen in der Strophe zum Einsatz. Im Chorus gibt der Mann seine facettenreiche Stimme preis und fesselt durch die Lyrics an das Lied. Die Bridge im zweiten Teil des Songs kommt mit der warmen Stimme Tankians sowie Tribalartigen Drums aus den Lautsprechern, hiernach folgt ein härterer Part mit den Riffs von Beginn des Songs. Serj bleibt jedoch den ganzen Song über bei klarem Gesang, welches diesem kraftvollen Mid Tempo-Song gut zu Gesicht steht. Mit der Akustikgitarre endet das Stück. Zufriedenstellend.
Ebenfalls sehr ruhig und mit einer einzigen Gitarre startet der Hörer in "Saving us". Dieser Song entwickelt sich zu einer Halbballade, die musikalisch an die Godsmack-THE OTHER SIDE-EP erinnert. Im Refrain werden dann die elektrischen Gitarren sowie ein Chor hinzugeschaltet, während Serj mit etwas höherem Gesang als in der Strophe punkten kann. Als Gast in "Saving us" ist Opernsängerin Ani Maldijan dabei, die die zweite Strophe mit Backgroundgesang unterstützt. Die Bridge bricht mit den harten Riffs einige Halswirbel, vor allem als eine druckvoll gespielte Double Bass einsetzt. Mit dem Chorus geht es weiter, dieser mischt sich jedoch im zweiten Durchlauf mit der schnelleren Bridge. Interessantes Songwriting an dieser Stelle, wirkt dennoch nie überladen. Wie auch schon im Song zuvor darf die Anfangsmelodie das Stück beenden.
Auch in "Sky is over" ist Ani Maldijan dabei und liefert quasi ein Duett mit Serj Tankian ab. Der Refrain entpuppt sich als Ohrwurm allererster Güteklasse, die Gesangslinie wird einfach nicht langweilig. Experimentell wird hier instrumentalisiert, Serj wechselt in der zweiten Strophe in den von System Of A Down bekannten Sprechgesang. Kurz darauf duellieren sich abgehackte Riffs mit einem Klavier, dieses Spiel wird jedoch von einer orientalisch klingenden Gesangslinie Tankians unterbrochen. Der Refrain wird hiernach mehrfach ausgeführt und kommt mit Streichern und druckvollen Drums daher. Einer meiner absoluten Favoriten auf ELECT THE DEAD.
Zu Beginn von "Baby" gibt es eine sehr ruhige Gitarre zu hören. Serj übernimmt dann und überzeugt mit sehr sauber gesungenen Vocals, auch lange Töne werden problemlos gehalten. Der Refrain tritt den Song dann los, ein typischer SOAD-Chorus zum mitsingen. Im Mid-Tempo geht es dann weiter, ein Klavier mischt sich in die zweite Strophe ein und passt gut zur restlichen Instrumentalisierung. Nach dem zweiten Chorus wird das Tempo des Refrains beibehalten, melodische Riffs leiten die Bridge ein. Doch auch hier macht das spartanisch eingesetzte Klavier eine gute Figur. Der Chorus folgt und der Song wird mit der ruhigen Gitarre vom Beginn beendet.
"Honking Antelope" folgt und startet mit Sprechgesang, wie man ihn von vielen System Of A Down-Songs kennt. Im Refrain geht es dann mit "richtigem" Gesang und einem Mid-Tempo-Rocker zur Sache. Nachdem diese Prozedur zwei mal durchgeführt wurde, folgt die beatlastige, kurzzeitig an Industrial Rock-Bands wie Static-X erinnernde Bridge. Doch der alternative Rock kann sich durchsetzen und die Bridge zu Ende führen. Sprechgesang ist spätestens an dieser Stelle kein Thema mehr, kommt jedoch in der kurz darauffolgenden Strophe wieder zum Einsatz. Diese besteht jedoch nur aus zwei Zeilen und muss Platz für den tighten Refrain machen. Definitiv ein Geheimtipp.
Richtig Indie-rockig beginnt das nachfolgende "Lie, Lie, Lie". Die Mischung aus Klavier und Rockmusik erinnert im ersten Moment an die deutsche Band Neuser, doch mit dem orientalischen Gesang von Serj ist das Thema erledigt. Die Strophe wird nasal gesungen und wirkt im ersten Moment lustig. Der Refrain wird klarer gesungen und durch einen Frauenschrei verfeinert. "Lie, Lie, Lie" bietet viele Feinheiten zum entdecken und funktioniert nicht unbedingt im ersten Durchgang. Allein das sich durchziehende Klavier will erforscht werden und wertet den Song auf. Die Gesangsmelodie der Bridge könnte Live zu einem wahren Dauerbrenner werden und wird wohl schon jetzt beim abspielen im heimischen CD-Player unterschwellig mitgesungen. Der Chrous folgt ein weiteres Mal, danach bleiben Klavier, bereits erwähnte Bridge-Melodie und Serj' Tankian über, bevor das Schlagzeug ruhig hinzu kommt. Erinnert an die White Stripes. Meister Tankian setzt sich dann noch kurz ans Tasteninstrument, dann ist schon Schluss. Kurzweilig und ohrwurmlastig.
Vertrackter beginnt das nachfolgende "Praise the Lord and pass the Ammunition". Das Schlagzeug klingt hier sehr verspielt während die Gitarre mit ungewohnten Effekten aufwartet und Serj mit plötzlichen Geräuschen Erinnerungen ans allererste System of a Down-Album heraufbeschwört. Der Refrain wird durch sehr schnellen Sprechgesang eingeleitet und groovt einfach ohne Ende. Sehr geile Sache an dieser Stelle. Vor allem der nur durch Gesang geprägte Part kurz vor der zwei Minuten-Grenze ist einfach nur verrückt. Ein sehr ruhiger und gefühlvoller Part schließt sich an. Ja, der drittletzte Song auf ELECT THE DEAD ist vor allem eins: Experimentell. Und bescheuert, aber im positiven Sinne. Daumen hoch für dieses abgedrehte Stück Musik. Hört es euch selber an.
Mit "Beethoven's Cunt" geht es an dieser Stelle weiter. Anfangs hagelt es Riff, kurz danach wird für den Strophengesang wieder Platz und Ruhe geschaffen. Doch auch hier wird experementiert, Freunde von Serj' Hauptband werden an diesem Stück sicherlich ihren Spaß haben. Insgesamt ist das Stück im Mid-Tempo einzuordnen und kann einmal mehr mit Klaviereinsätzen aufwarten. Doch die Bridge vom Refrain besticht wieder einmal durch die verrückte Genialität von Tankian. Hier scheint alles möglich zu sein. Tempowechsel zum Ende hin lassen den Hörer im ersten Durchlauf nicht unbedingt sofort durch den Song durchblicken, es lohnt sich auf "Repeat" zu drücken. Ich denke, es ist an dieser Stelle sogar ausdrücklich erwünscht.
Nur mit Klavier beginnt das letzte Song, der Titelstück namens "Elect the Dead". Nach gut dreißig Sekunden setzt der gefühlvolle Gesang von Serj Tankian ein. Viel mehr gibt es hier nicht zu hören, eine Gitarre wird vereinzelt gezupft. Sehr ruhig und atmosphärisch gehalten. Serj steigert sich in den knapp drei Minuten immer weiter in den Song hinein, man glaubt ihm jedes Wort seiner Lyrics. Doch überraschend ist dann Schluss.
Fazit: Serj Tankian kann mich mit ELECT THE DEAD vollkommen überzeugen. Neben den teils sehr ruhigen (Halb-)Balladen können auch harte Nackenbrecher sowie total abgedrehte Songs punkten. Es gibt viele musikalische Querverweise zu seiner Band System of a Down, doch auch ohne Daron Malakian, Shavo Odadjian und John Dolmayan kann Serj überzeugen. Fast jeder Song hat andere Einflüsse, Hitpotential und eine gute Message in der Hinterhand.
Die Idee, zu jedem Lied ein Video drehen zu lassen, ist ebenfalls etwas neues und kann dem Album nur gut tun. Die Produktion ist astrein, Tankian überzeugt sowohl an den Reglern als auch an fast allen Instrumenten. Fans von experimenteller Rock bzw. Metal-Musik können hier durchaus ein oder zwei Ohren riskieren. Für Freunde von System of a Down, die auf MESMERIZE und HYPNOTIZE schon fast einen Malakian-Gesangs-Overkill hatten wirkt ELECT THE DEAD Wunder.
Die Zeit bis zum nächsten Album seiner Hauptband hat das Ausnahmetalent Serj Tankian mit seinem Solodebüt fast vergessen gemacht. Nebenbei liegt die Messlatte nun wieder ein kleines Stückchen höher: Zum zweiten Mal in meiner Zeit bei HardHarderHeavy.de vergebe ich hiermit die Höchstzahl von sieben Punkten. |
Anspieltipp:
| | "The unthinking Majority", "Empty Walls", "Sky is over" sowie als Geheimtipp "Honking Antelope". |
Titel-Liste:
| | - Empty Walls
- The unthinking Majority
- Money
- Feed us
- Saving us
- Sky is over
- Baby
- Honking Antelope
- Lie, Lie, Lie
- Praise the Lord and pass the Ammunition
- Beethoven's Cunt
- Elect the Dead
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.serjtankian.com  |
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