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Review: Tiamat |
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Album:
| | AMANETHES, 2008, Nuclear Blast |
Stil:
Wertung:
| |  4 von 7 Punkten | | V.R., 25.07.2010 |
Review:
| | Die gute alte Zeit - im Bereich des Gothic Metal bezieht sich diese Floskel zumeist auf die frühen bis mittleren 90er Jahre, als Bands wie Paradise Lost, The Gathering oder eben auch die schwedischen Tiamat die Standards in dieser Richtung setzten. Letztere haben damals geniale Alben wie CLOUDS oder WILDHONEY abgeliefert, die inzwischen als Klassiker gelten. Seitdem ist viel Wasser den Klarälven heruntergeflossen und viele der Gothic-Trendsetter wandten sich in der Zwischenzeit ganz anderen Klängen zu. Paradise Lost klangen phasenweise wie eine moderne Ausgabe von Depeche Mode, Moonspell entdeckten die Elektrospielereien und Tiamat versuchten sich in Pink Floyd-ähnlichen Sphären. Seit einigen Jahren kehren einige der Bands wieder zu ihren Anfängen zurück und auch Tiamat besinnen sich auf AMANETHES wieder ihren Wurzeln - zumindest stellenweise. Ob das aber auch gleichzeitig einen Anstieg der in den letzten Jahren etwas zurückgegangenen Qualität bedeutet, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Beim ersten Song stimmt jedenfalls alles. "The Temple of the crescent Moon" ist ein sehr guter und auch unerwartet harter Song geworden, der ein wenig an "The Ar" vom genialen Wildhoney-Album erinnert. Johan Edlund versucht sogar, seine Stimme wie in alten Zeiten klingen zu lassen, was ihm aber nur teilweise gelingt. In jedem Fall ist das Lied ein idealer Einstieg ins Album.
"Equinox of the Gods" geht musikalisch sogar noch weiter zurück und ist härtemässig irgendwo zwischen den Alben THE ASTRAL SLEEP und CLOUDS einzuordnen. Besser macht das den Titel aber auch nicht. Das klingt wie gewollt und nicht gekonnt. Diese Art von Musik beherrschen Tiamat einfach nicht mehr und einfach draufloszudreschen führt in diesem Fall nur zu pseudobösen Möchtegernmetal. Lediglich im ruhigen Mittelteil wird der Song hörbar.
Aber AMANETHES ist ja nicht nur Rückbesinnung auf alte Zeiten und dementsprechend erinnert "Until the Hellhounds sleep again" eher an die neueren Alben der Marke PREY. Aber auch dieser Titel schafft es nicht, Stimmung zu erzeugen. Da plätschert eine an sich hörbare Melodie völlig belanglos vor sich hin. Von Spannungsbogen kann hier keine Rede sein.
"Will they come" entführt uns in die sphärischen Tage der Band, als sie mit A DEEPER KIND OF SLUMBER einen drastischen Karriereschnitt einlegten. Dementsprechend erwarten den Hörer hier ruhige und nachdenkliche Klänge und Johan Englund versucht sich an klarem Gesang. Verzerrte Gitarren gibt es lediglich im Refrain. Kein schlechter Song, aber auf erwähnten Album klang das doch wesentlich zündender.
"Lucienne" gehört wieder zu den moderneren Songs der Band Marke "Cain". Jener Bandhit liegt qualitativ aber mindestens eine Stufe über diesem Titel, der über gutes Mittelmaß leider nicht hinauskommen kann.
Weiter geht es mit entspannten Klängen. "Summertime is gone" mischt den Stil der A DEEPER KIND OF SLUMBER-Phase mit dem modernen Gothic Rock-lastigen Sound der letzten Alben. Leider kann aber auch dieser Titel nicht voll überzeugen, es fehlt eine griffige, ins Ohr gehende, Melodie.
Mit einem merkwürdigen Songtitel kommt " Katarraktis Apo Aima" daher. Das ist griechisch und bedeutet so viel wie Blutwasserfall. Hierbei haben wir es mit einem reinen Fülltitel zu tun, der nach knapp drei Minuten schon zu Ende ist. Zum Glück, denn Variation ist hier ein Fremdwort. Immer und immer wieder wird der gleiche langweilige Melodiefetzen wiederholt, bis man ihn nicht mehr hören kann. Tiamat zum Abgewöhnen.
Bei "Raining Dead Angels" macht man wieder einen auf ganz böse, schafft es aber erneut nicht, an die besondere Stimmung der frühen Werke der Band heranzukommen. Da kann der gute Johan so viel schreien, wie er will. Dennoch ist dieser Song ganz hörbar.
Bis an diesen Punkt könnte man denken, dass AMANETHES ein richtig schlechtes Album geworden ist, doch dann kommt "Misantropolis". Dieses Lied ist derart genial, dass es die vielen schwachen Songs der Platte fast vergessen lässt. Musikalisch irgendwo zwischen WILDHONEY und A DEEPER KIND OF SLUMBER angesiedelt, schafft es die Band hier endlich, Stimmung aufkommen zu lassen. Ein Lied, bei dem man sich fallen lassen kann und nach und nach in andere Sphären eintaucht. Tiamat können es also doch noch.
"Amaninis" ist das ruhige Outro des vorherigen Titels. Die Melodie wird noch ein bisschen weiter gesponnen, eigene Akzente werden aber nicht mehr gesetzt.
Kann das hohe Niveau gehalten werden? Leider nicht ganz, aber trotzdem ist "Meliae" alles andere als ein schlechter Song. Hier versucht sich die Band mal an einer entspannten, fast schon poppigen, Ballade, getragen von Johans Organ im Duett mit einer im Hintergrund hallenden Frauenstimme. Dieses Lied ist einfach nur schön und lädt zum Träumen ein.
Irgendwie hat Tiamat plötzlich die Kurve gekriegt, denn auch "Via Dolorosa" ist ein guter Song, der grob im Bereich Gothic Rock einzuordnen ist. Im Refrain geht es dann etwas deftiger zur Sache und es darf auch wieder geschrieen werden. So kann es gerne weiter gehen.
Dieser Wunsch geht leider nicht in Erfüllung, denn dafür ist "Circles" viel zu langweilig ausgefallen. Irgendwie erinnert mich das Lied ein bisschen an das durch Simon & Garfunkel bekannt gewordene Volkslied "Scarborough Fair", ohne dessen Qualität auch nur ansatzweise zu erreichen.
Und dann sind wir auch schon beim letzten Lied angelangt. Bei "Amanes" kann die Band noch mal voll und ganz überzeugen. Schleppend und düster klingt das Album aus und lässt davon träumen, was aus AMANETHES alles hätte werden können, hätte man sich konsequent auf die eigenen Stärken besonnen.
Fazit: Vier richtig schlechte Lieder und fünf weitere weitgehend überflüssige Songs sind auf AMANETHES enthalten. Warum bekommt das Album unterm Schnitt dann doch noch 4 Punkte? Weil die übrigen Lieder einfach derart gut sind, dass sie über einige der Schwächen hinwegsehen lassen. Gerade in der zweiten Hälfte der Platte schimmern die großen Fähigkeiten der Band an allen Ecken und Enden durch. Dazu kommt mit "Misantropolis" ein absolut großartiger Song, der auf einem Götteralbum wie WILDHONEY für keinerlei Qualitätseinbuße gesorgt hätte. Völlig hinwegsehen kann man über die schwachen Songs aber eben doch nicht und insbesondere in der ersten Hälfte der Platte gerät man ein ums andere Mal in Versuchung, die Stereoanlage auszuschalten und die CD im nächstgelegenen Abfallbehälter unterzubringen. Das ist wirklich schade, denn AMANETHES hat Potential. Leider hat man versucht, jede Phase der Band zu berücksichtigen. Dabei wurde völlig außer Acht gelassen, dass es mehr als pseudobösen Gehämmers bedarf, um eine zutiefst atmosphärische Stimmung wie auf THE ASTRAL SLEEP oder CLOUDS zu erzeugen. Und vom Meisterwerk WILDHONEY ist man hier, von "Misantropolis" und mit Abstrichen auch "The Temple of the crescent Moon" abgesehen, kilometerweit entfernt. Wer keine zu hohen Erwartungen hat, kann dem Album aber mal eine Chance geben. |
Anspieltipps:
| | "The Temple of the crescent Moon", "Misantropolis", "Meliae", "Via Dolorosa" und "Amanes". |
Titel-Liste:
| | - The Temple of the crescent Moon
- Equinox of the Gods
- Until the Hellhounds sleep again
- Will they come
- Lucienne
- Summertime is gone
- Katarraktis Apo Aima
- Raining dead Angels
- Misantropolis
- Amanitis
- Meliae
- Via Dolorosa
- Circles
- Amanes
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.churchoftiamat.com  |
Probehören und Kaufen:
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